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Damals: Markt mit tausenderlei nützen und unnützen Dingen

Aus vergangenen Zeiten: Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Die Ringstrasse in Wattwil verwandelte sich in eine Marktstrasse.

Die Ringstrasse in Wattwil verwandelte sich in eine Marktstrasse.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

4. September: Wildhaus. Wanderlustige aus den zürcherischen Gemeinden Rüti und Wald wollten die Freitage, die die Kirchweih in Wald mit sich brachte, zu einer Tour auf den Säntis benützen. Die jungen Touristen trafen am Abend bei ihrem Aufstieg auf der Schafbodenalp ein und wollten hier Nachtquartier beziehen, um am folgenden Morgen den Gipfel zu gewinnen. Der 19 Jahre alte Jakob Niedergelt aus Rüti wollte sich nach dem Abendessen noch über den zur weiteren Besteigung benützenden Weg orientieren und wagte sich dabei auf eine exponierte Stelle hinaus. Die wurde ihm zum Verhängnis. Als seine Gefährten, denen er zu lange ausblieb, nach ihm suchten, fanden sie ihn mit gebrochenem Genick am Fusse einer jähen Felswand. Eine Bergungskolone transportierte die Leiche nach Wildhaus; am nächsten Tag wurde der Tote nach Rüti zu seinen Eltern gebracht, deren einziger Sohn er war.

8. September: Wattwil. Auf der Dorfbrücke gerieten zwei Fuhrwerke aneinander. Der Lenker des einspännigen Wagens vermochte das feurige Pferd nicht mehr zurückzuhalten und fuhr dem in entgegengesetzter Richtung kommenden Zweispänner in den Hinterwagen. Der Anprall war so stark, dass die beiden Insassen des ersteren auf das Trottoir geschleudert wurden. Während Ross und Wagen keinen grösseren Schaden erlitten, hob man den Lenker, Bernet, Holzhändler in Ricken, mit gebrochenem Bein auf; sein Begleiter kam mit starken Verletzungen am Kopfe davon. Bernet musste ins Krankenhaus überführt werden.

Vor 50 Jahren

4. September: Wattwil. Wie wir erfahren, ist das Ortsarchiv, das unter dem Patronat der Sonntagsgesellschaft Wattwil steht und das von Johann Forrer sehr sorgfältig und umsichtig betreut wird, aus dem Haus Birnstiel in die Evangelische Kirche Wattwil gezügelt worden. In einem Turmzimmer steht dem Ortsarchiv ein grosser Raum zur Verfügung.

4. September: In eigener Sache. Umfrage des «Toggenburgers». 1. Lesen Sie den «Toggenburger»; regelmässig, gelegentlich, nur selten. 2. Für welche Ausgabe des «Toggenburger» nehmen Sie sich am meisten Zeit; Montagsausgabe, Mittwochausgabe, Freitagausgabe. 3. Was lesen Sie im «Toggenburger» mit Vorliebe; den Textteil, den Inseratenteil. 4. Finden Sie, dass der lokale Teil des «Toggenburgers» noch besser gepflegt werden sollte; ja, nein. 5. Oder, über welche Gebiete wünschen Sie inskünftig mehr Informationen; Schweizergeschehen, Weltpolitik, Wirtschaft, Kulturelles, Allgemeinbildung, Sport, Unterhaltung, Heim und Familie. 6. Lesen Sie neben dem «Toggenburger» regelmässig noch andere Tageszeitungen; ja, nein. 7. Welcher der vier Altersgruppen gehören Sie an; unter 25, 25-40, 40-60, über 60. 8. Wichtig ist für uns zu wissen, welchen Geschlechts Sie sind; weiblich, männlich.

7. September: Ebnat-Kappel. Nach einer mehrmonatigen Umbaupause wurde am 1. September das Hotel Ochsen wieder eröffnet. Der behäbige Landgasthof war schon immer beliebt wegen seiner ganz besonderen Atmosphäre. Gepflegte Gemütlichkeit gehörte zu den Eigenschaften des «Ochsen». Bei Umbauten grossen Stils kommt es oft vor, dass solch überlieferte Eigenschaften eines Gasthauses verloren gehen. Zur grossen Freude der Gäste ist das nun beim «Ochsen» nicht eingetroffen. Das Gasthaus hat trotz grosser Eingriffe sein behagliches Wesen behalten.

9. September: Mühlrüti. Das kleine Dörflein Mühlrüti am Fusse der Hulftegg, das politisch zur Gemeinde Mosnang gehört, hat eine eigene Schul- und Kirchgemeinde. Die Schulgemeinde zählt mit ihren weitzerstreuten Höfen und Weilern rund 470 Einwohner, von denen 83 Schulkinder die Primarschule in Mühlrüti, 8 Kinder die Abschlussklasse in Mosnang und 12 Schüler und Schülerinnen die Sekundarschule in Bütschwil besuchen. Wer das alte, baufällige Schulhaus mit seinen engen Räumen kennt, wer ohne Neid und ohne Falsch ist, freut sich ehrlich mit den Kindern, Eltern und mit der Schulbehörde über das neue Schulhaus mit Mehrzweckraum, in das die Kinder nun einziehen dürfen.

Vor 20 Jahren

4. September: Wattwil. Markt mit tausenderlei nützen und unnützen Dingen. Die Wattwiler Ringstrasse offenbart sich als Kuriositäten-Markt. An den Ständen locken nütze und unnütze Dinge. Profis erfassen ihre Favoriten mit einem Blick. In Raubvogelmanier stürzen sie sich darauf. «So ist es am frühen Morgen», tut ein Flohmarktfahrer kund. Dann kämen die Neugierigen und jene, die nach Schnäppchen Ausschau halten, resümiert er. Die Marktfahrer schauen noch eher gelangweilt in den Tag, denn die Geschäfte laufen vorerst etwas schleppend. Das müsste nicht sein, denn das Angebot ist recht vielfältig. Neben Grossmutters Nachttopf finden eine Schweizerfahne und zwei Patronentaschen neue Besitzer. Witzig meint ein Passant, mit einem Blick auf das in der Gasse verschwindende rote Fahnentuch: «Der Ausverkauf der Heimat geht weiter…»

Vor 10 Jahren

4. September: Wattwil. Trottoir für die Ebnaterstrasse? An der Ebnaterstrasse beginnt die Planung für zusätzliche Trottoirs und Fussgängerübergänge. Damit will man die Auswirkungen auf den vermuteten Mehrverkehr auf der Ebnaterstrasse nach der Realisierung der Begegnungszone Bahnhofstrasse Nord mildern. Wattwils Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner betont, der Gemeinderat sei seit Jahren im Gespräch mit dem Kanton: Denn das Verkehrskonzept mit der Bahnhofstrasse, der Wiler- und Rickenstrasse sowie der Ebnaterstrasse sei Teil der flankierenden Massnahmen im Hinblick auf die Realisierung der Umfahrungsstrasse. Ziel dabei ist es, den Verkehr zu beruhigen und den Strassenraum attraktiver zu gestalten. Für den Kanton sei die Strassenraumgestaltung an der Ebnaterstrasse Nord nicht prioritär. Denn mit 8700 Fahrzeugen pro Tag sei dieser Abschnitt nicht übermässig belastet, Lastwagen machen zudem nur 2,2 bis 2,6 Prozent Anteil am Verkehrsaufkommen aus. Gerast wird hier auch nicht. Und weil der Strassenbelag erst 1996 saniert worden ist, bestehe aus Sicht des Tiefbauamtes kein dringender Bedarf für eine neuerliche Strassensanierung. Klar sei aber auch: Wird die Begegnungszone an der nördlichen Bahnhofstrasse realisiert, steige das Verkehrsaufkommen an der Ebnaterstrasse markant. Nur: Wenn dann die Umfahrungsstrasse eröffnet wird, sinke der tägliche Verkehr wieder auf 3200 Fahrzeuge pro Tag.