Damals
Maler Willy Fries erhielt Rembrandt-Preis

Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Während Laudatio in Salzburg: Prof. Nigg, Zürich; Dr. Toepfer, Hamburg (Stifter); Willy Fries, Wattwil; Botschafter Dr. Escher, Wien; Gemahlin von Willy Fries und der Schweizer Konsul.

Während Laudatio in Salzburg: Prof. Nigg, Zürich; Dr. Toepfer, Hamburg (Stifter); Willy Fries, Wattwil; Botschafter Dr. Escher, Wien; Gemahlin von Willy Fries und der Schweizer Konsul.

Bild: PD (27. November 1970)

Vor 100 Jahren

27. November: Wildhaus. Die katholische Schulgemeinde hat den Schulrat beauftragt, die Platzfrage für einen neuen Schulhausbau zu studieren, um in absehbarer Zeit das Werk in Angriff nehmen zu können.

27. November: Wattwil. Am 24.November 1918 ist nun auch die direkte Telephonie Wattwil-Zürich dem Betrieb übergeben worden, womit ein langjähriger Wunsch der Geschäftswelt im mittleren Toggenburg in Erfüllung gegangen ist. Die Erstellung erforderte umfangreiche Arbeiten, die sich über mehrere Monate erstreckten.

27. November: Oberhelfenschwil. Die katholische Kirchgenossenversammlung von Oberhelfenschwil setzte den Pfarrgehalt diskussionslos auf 4200 Fr. fest. Nach reger Diskussion erhielt die Kirchenverwaltung die Kompetenz, nach erfolgter Steuerrevision den Steueransatz nach Bedürfnis selbst festzusetzen.

Vor 50 Jahren

27. November: Wattwil. In das geistige Getto verbannt, war der Wattwiler Maler Willy Fries während vielen Jahren. Jetzt ist ihm, dem 63-jährigen Künstler, ein internationaler Preis zugesprochen worden, der in ganz Europa Beachtung findet. Der Rembrandt-Preis wird jedes Jahr von der Johann-Wolfgang-Goethe-Stiftung, Basel verliehen; Willy Fries ist bereits der fünfte Preisträger. Es ist einer der vielen Preise, die der Grosskaufmann Alfred Toepfer aus Hamburg gestiftet hat. Der grosszügige Mäzen und Kunstfreund ist beseelt vom europäischen Gedanken; er hat das furchtbare Elend auf den Kriegsschauplätzen , besonders in Flandern und im Elsass gesehen und möchte nun alle seine Kraft dafür einsetzen, dass der europäische Gedanke stärker werde, dass zunächst einmal Europa im Frieden geeint werde durch eine Interkommunikation zwischen den verschiedenen Nationen. Aus diesem Gedanken heraus ist die Johann-Wolfgang-Goethe-Gesellschaft gegründet worden. Für die Verleihung des Rembrandt-Preises ist ein Kuratorium zuständig, das zur Zeit aus einem Flamen, einem Oesterreicher und einem Schweizer besteht. Der Rembrandt-Preis ist mit 10’000 Franken dotiert.

30. November: Oberhelfenschwil. Tierdrama im Militärdienst. 18 Pferde eines in Oberhelfenschwil im WK stehenden Dragoner Schwadrons rissen sich in der Nacht los und machten sich in alle Richtungen frei. In Gruppen galoppierten sie verängstigt und herrenlos durch die Nacht. Bis zum Morgen konnten 17 der Tiere wieder aufgefunden werden, eines davon leider tot und mehrere zum Teil schwer verletzt. Auf der Brücke im Ibach kam ein Pferd hinter der Abschrankung über die Wiese, von wo es dann über den Felsen gegen den Necker hinunterstürzte. Auf einem Felsvorsprung blieb das Pferd tot liegen.

Vor 20 Jahren

30. November: Toggenburg. Der Grosse Rat des Kantons St.Gallen hat Ja gesagt zur Ansiedlung von Luchsen in der Ostschweiz und damit auch in der Region Toggenburg. Bereits im kommenden Winter können laut Buwal (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft) die ersten Luchse aus den Nordwestalpen im Rahmen einer interkantonalen Versuchs in ihre neuen Lebensräume am Tössstock und im Toggenburg angesiedelt werden. Die Kantone ZH, TG, AR und AI haben ihre Zustimmung bereits gegeben. Die Raubkatzen sollen den Kantonen BE, FR und VD gefangen werden. Unter Umständen werden zusätzliche Luchse aus dem Wallis und dem Jura in den Versuch aufgenommen.

2. Dezember: Bazenheid. Der «Graf von St.Gallen» ist ein Bazenheider. Alfred Nater hat seine 750. Gas-Ballonfahrt absolviert. Damit gehört der 65-jährige pensionierte Garagist weltweit zu den Piloten mit der grössten Erfahrung. Eine seiner Fahrten als die schönste bezeichnen mag er nicht. Die glücklichste Landung oder seine einzige Wasserung im Meer sind ihm jedoch mit allen Details in Erinnerung. Es ging nach Marina di Pisa bei Livorno. «Wir wasserten, und die Guardia Finanza begleitete uns mit anderen Booten bis an Land, wo uns Fallschirmgrenadiere beim Ballonfalten halfen», erzählt Nater. 17 Minuten dauerte Alfred Naters kürzestes Ballonunternehmen. Die Luftraumkontrolle der ehemaligen Tschechoslowakei beorderte sie wieder runter, durchschnittlich betragen die Fahrtzeiten rund sechseinhalb Stunden. Eine Fahrt kostet pro Passagier – es sind jeweils drei bis fünf – etwa 800 bis 1000 Franken, denn: Teuer sind mit gegen 80’000 Franken nicht nur die Ballone, sondern auch die Füllungen mit dem industriell gefragten Wasserstoffgas.

Vor 10 Jahren

26. November: Wattwil. Verkehrsvereine gibt es fast in jedem Dorf. Aber braucht man sie überhaupt noch? In Wattwil hat man den Verkehrsverein aufgelöst. Warum? Keine Aufgaben mehr und wenig Interesse der Vereine, sagt der Vorstand. Die noch vom Verkehrsverein verantworteten Anlässe wie die Vereinspräsidentenkonferenz, die Organisation der Vereinsempfänge und die Betreuung der Wanderkarte werden nun von einer gemeinderätlichen Kommission betreut.

29. November: Wattwil. Nach vier Jahren Planung und rund anderthalb Jahren Bauzeit hat die Högg AG Produktionstechnik ihren Neubau an der Wattwiler Austrasse eingeweiht. Die Halle mit über 10’000 Quadratmeter Grundfläche löste grosses Lob aus. Sie bietet Arbeitsplätze für über 100 Mitarbeitende.

1. Dezember: Lichtensteig. Seit zweieinhalb Jahren haben die Kulturinteressierten auf diesen Tag gewartet: Im Frühling und Sommer 2008 haben zwei Kulturforen mit rund 200 Interessierten aus Politik und Kultur stattgefunden.