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Damals: Kurschatten neu interpretiert

Aus vergangenen Zeiten: Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Umbra curae: Susanne Bolt, Barbara Kamm und Andrea Kind in Originalkostümen von 1900.

Umbra curae: Susanne Bolt, Barbara Kamm und Andrea Kind in Originalkostümen von 1900.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

14. August: Ebnat. Eine fast unglaubliche Tat hielt die Bevölkerung in Aufregung. Der seit vielen Jahren im Steinenbach ansässige, gutbeleumundete und nüchterne Metzgermeister erschlug nachts einen jüngeren Mann. Allerlei Gerüchte und Vermutungen über diese unfassbare Tat gingen um; festgestellt ist, dass Metzgermeister in der Nacht gegen halb 12 Uhr bei seinem Hause ein verdächtiges Geräusch hörte und in der Annahme, es sei ein Einbrecher an der Arbeit, erhob er sich von seiner Schlafstätte. Er stürzte mit einem Beil bewaffnet hinaus und hieb in der Dunkelheit auf den vermeintlichen Dieb ein. Dabei muss der Metzgermeister von einer solchen sinnlosen Wut gepackt worden sein, dass er seinem Opfer, das vermutlich dem Alkohol etwas zugesprochen hatte, aber sonst als ruhiger, rechtschaffener Jüngling bekannt war, den Schädel spaltete und weitere tödliche Hiebwunden beibrachte.

14. August: Wattwil. Schlimm ergangen ist es einem Velofahrer, der in raschem Laufe von der Rickenstrasse dem Dorf zufuhr. Bei der Schifflistickerei wollte er zwei Frauen mit Kinderwagen ausweichen, bog dabei zu weit nach rechts ab und stürzte mit voller Wucht in den Strassengraben. Sein Zustand gibt zu Besorgnissen Anlass, da auch innerliche Verletzungen konstatiert wurden. Der junge Mann war Maschinist an der Steinbrechmaschine im Scherrer-Wattwil.

Vor 50 Jahren

14. August: Wattwil. Die Mitglieder des Turnvereins Wattwil haben die Initiative für einen Vitaparcours ergriffen. Während Wochen bauten sie in ihrer Freizeit diese Laufbahn – eine Trainingsmöglichkeit nicht nur für die Turner, sondern für jedermann, ob gross oder klein. Im Pannereggwald an der Eggstrasse bot sich ein für den Vitaparcours äusserst günstig gelegenes Terrain. Der Wald und das für die Erstellung der Laufbahn benötigte Holz wurde in verdankenswerter Weise von der Verwaltung des Klosters Wattwil zur Verfügung gestellt. Verschiedene Firmen und Körperschaften lieferten gratis Materialien und Werkzeuge. Sportfreunde und Turner haben mit vereinten Kräften den Vitaparcours in über 1000 Stunden Fronarbeit erstellt, nun wird er seiner Bestimmung übergeben.

Vor 20 Jahren

16. August: Nesslau. Beim Anblick des Einfamilienhaus-Neubaus in der Buebenegg mutet sich der Betrachter eher in Finnland oder Kanada als im Toggenburg. Tatsache ist jedoch, dass alle Fichtenstämme im nur gut ein Kilometer entfernten Bürzelwald geschlagen wurden. «Die Wertschöpfung an Ort und Stelle ist für mich beim Bau meines Hauses wichtig», nennt Thomas Abderhalden einen Grund, weshalb er sich für das Blockhaus entschieden hatte. Als Revierförster liegt ihm der Baustoff Holz nahe und dessen Verwertung am Herzen. Erstellt wird das Fünfeinhalb-Zimmer-Haus mit rund 200 Quadratmetern Wohnfläche von der Firma Bauen mit Rundholz in Schwellbrunn. Meinrad Rohner hat einige Zeit in Finnland, Thomas Abderhalden in Kanada gelebt. Das Einfamilienhaus von Thomas Abderhalden ist das erste dieser Art und Grösse, das Rohner im Toggenburg baut. Früher erstellte Wohnblockhäuser sind laut Rohner ausserhalb des Tals vorgefertigt worden. Was die Erstellungskosten betrifft, so halten sich das Blockhaus und ein konventionelles Einfamilienhaus in etwa die Waage, sagt Thomas Abderhalden.

17. August: Bütschwil. Im Jahr 1993 beschloss die Delegiertenversammlung des Abwasserverbandes den Ausbau der Kläranlage und hiess den Kredit gut. Sieben Jahre später ist das grosse Werk abgeschlossen.

Vor 10 Jahren

18. August: Toggenburg. Umbra curae, zu gut Deutsch: Kurschatten. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich kein ergrauter Herr, der eine Dame umgarnt, sondern drei junge Frauen, die ihr Publikum mit Musik verzaubern möchten. Die Assoziation mit der Kur-Kultur hingegen ist durchaus richtig und beabsichtigt: Geigerin Barbara Kamm, Pianistin Susanne Bolt und Hackbrettlerin Andrea Kind wagen unter diesem Namen eine musikalische Neuinterpretation eines Kurorchesters. Die drei Frauen greifen eine alte Tradition wieder auf. «In den Kurhotels um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert spielte jeweils ein Orchester zur Unterhaltung der Kurgäste und trug damit zu einem besonderen Ambiente bei», sagt Andrea Kind. Und diesen Gedanken greifen die drei nun wieder auf. Ein wesentlicher Unterschied: Drei Frauen musizieren. Alte Fotos zeigen, dass vor hundert Jahren wohl ausschliesslich Männer in den Orchestern musiziert haben. Dies erschwerte auch die Recherchen bei der Suche nach der passenden Kleidung. Für ihre Auftritte tragen die drei Frauen Originalgewänder von 1900, inklusive der stilechten Stiefelchen und der originalen Unterbekleidung. Erstmals öffentlich treten Umbra curae am Infoanlass zum Klanghaus auf.

18. August: Bütschwil. Rahel Küng erkämpfte sich an den Schweizer Meisterschaften im Triathlon den ersten Platz bei den Junioren. 800 Meter Schwimmen, 20 Kilometer auf dem Rennvelo und fünf Kilometer Laufen standen auf dem Programm.