Reformation
Kampf gegen Gotteslästerung: Als Anhänger von Zwingli und Luther den Weinkeller des Klosters Magdenaus plünderten

Anfang des 16. Jahrhunderts vernichteten Anhängerinnen und Anhänger von Huldrych Zwinglis reformatorischer Lehre verschiedenenorts systematisch Statuen und Bilder von Heiligen. Auch im Toggenburg sorgten Bildstürmer für Plünderungen und Zerstörung.

Fabian Brändle
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Bilder und Statuen wurden als Gotteslästerung betrachtet und zerstört.

Bilder und Statuen wurden als Gotteslästerung betrachtet und zerstört.

Bilder: PD

Die frühen 1520er-Jahre waren auch im Toggenburg eine gewalttätige Zeit. Klöster wurden gestürmt und geplündert, Andersgläubige geschmäht, gedemütigt, körperlich attackiert. Angeregt wurde dies vom Wildhauser Reformator Huldrych Zwingli, dessen neue reformatorische Lehre auch im (Ober-)Toggenburg schnell überzeugte Anhängerinnen und Anhänger fand.

Ein Mann, der besonders weit ging in seinem Hass auf den Katholizismus, war Uly Ander(e)s aus Kengelbach, der im Jahr 1521 in Uznach in der Kirche ein Glasbild mit Heiligen erst mit dem Degen durchbohrte, um es dann gänzlich zu zerstören. Für seine Tat wurde Uly Anders zum Tode verurteilt und geköpft.

«Götzendienst» und «Gotteslästerung»

Was störte denn die Reformierten an religiösen Bildern und Plastiken? Martin Luther und die Schweizer Reformatoren hatten bekanntlich den Heiligenhimmel abgeschafft. Gemäss der Lehre der katholischen Kirche waren heilige Frauen und Männer mächtige Fürbitter, die Gepeinigten und Kranken helfen konnten, wenn diese sie anriefen. Im Mittelalter waren Bilder und Statuen von ihnen entstanden, denen man im Laufe der Zeit selber Wunderkraft zuschrieb. Dies war in den Augen Martin Luthers oder später Calvins reiner «Götzendienst», ja sündige «Gotteslästerung».

Im Kloster Magdenau plünderten die Ikonoklasten auch den Weinkeller und taten sich an den Vorräten gütlich.

Im Kloster Magdenau plünderten die Ikonoklasten auch den Weinkeller und taten sich an den Vorräten gütlich.

Die frühen Bilderstürmer setzten diese Lehren eifrig in die Tat um und attackierten beispielsweise katholische Wegkreuze oder Bildstöcke. In Bern oder anderswo stürmten sie Kirchen und vernichteten Marienbilder und anderes mehr. Noch heute kommen einem Katholiken reformierte Kirchen merkwürdig karg vor.

Klösterlicher Weinkeller geplündert

Oftmals gingen die Ikonoklasten (Bilderstürmer), meist ledige Männer, relativ planvoll vor. So stachen sie den Bildern eines Heiligen gezielt die Augen aus. Das war natürlich auch immer eine Provokation der Altgläubigen, die ihrerseits von schwerer Gotteslästerung sprachen und wie im Falle vom oben erwähnten Uly Anders resolut dagegen vorgingen, was wiederum reformierte «Märtyrer» erzeugte und der reformatorischen Bewegung Auftrieb verlieh.

Manchmal ging die Bilderstürmerei Hand in Hand mit mehr handfesten Motiven. Bei der Stürmung des Klosters Magdenau beispielsweise plünderten die Ikonoklasten auch den Weinkeller und taten sich an den Vorräten gütlich. Das war natürlich eine zusätzliche Demütigung für die machtlosen Klosterbewohnerinnen.

Dass es gerade im gemischtkonfessionellen Toggenburg mit seinen zahlreichen Simultaneen auch nach der eigentlichen Reformationszeit zu Reibereien und Konflikten kommen musste, liegt (leider) auf der Hand.