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Damals: Im April 1970 wurde die Kantonsschule Wattwil eröffnet

Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Der starke Regen konnte der guten Laune der Kantischülerinnen und -schüler nichts anhaben.

Der starke Regen konnte der guten Laune der Kantischülerinnen und -schüler nichts anhaben.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

21. April: Wattwil. Am Freitag vormittag halb 10 Uhr brannte auf der Tweralp die untere Sennhütte, der Alpgenossenschaft St.Peterzell gehörend, bis auf den Grund nieder. Der Brand soll durch Unvorsichtigkeit entstanden sein. Indem zwei Waldarbeiter, mit dem Umsetzen von Tännchen beschäftigt, in deren Nähe Tannenreisig verbrannten. Der herrschende Föhn übertrug einen Funken auf das dürre Schindeldach der älteren Hütte. Sofort unternommene Löschversuche vermochten jedoch nichts mehr auszurichten. Das Objekt war zu 5000 Fr. versichert und enthielt mehrere Tausend Schindeln, die für deren Neubau verwendet werden sollten.

21. April: Wattwil. Die Allgemeinde Ortsgemeinde beschloss gemäss Antrag ihrer Verwaltung, der polit. Gemeinde, für den Bau des Bürgerheims einen freiwilligen Beitrag von 50'000 Fr. zu entrichten, innert 10 Jahren, unter der Voraussetzung, dass die beiden konfessionellen Ortsgemeinden auf den genannten Betrag zu verzichten. Die anschliessenden Evang. und Kath. Ortsgemeinden stimmten genanntem Beschluss zu, so dass derselbe in Rechtskraft erwächst.

Die Evang. Ortsgemeinde bewilligte durch einen weiteren Beschluss 5000 Franken an die Innenausstattung des Bürgerheims aus dem bestehenden Alpenerträgnisfonds. Diese Opferwilligkeit ehrt die Evang. Ortsgemeinde umso mehr, als sie der Einnahmen durch die Beitragsleistung von 500'000 Fr. der Allgem. Ortsverwaltung für mehrere Jahre verlustig geht und sie durch ihre letzte Beschlussfassung noch ihr halbes Vermögen dem Bürgerheim zukommen lässt. Einem dritten Gutachten betr. Ausrichtung der Bürgerspende, dessen Schlussanträge lauteten: Es sei zurzeit mit Rücksicht auf die unterbundenen Einnahmen von der Ausrichtung einer solchen Umgang zu nehmen, stimmten die evang. Ortsgenossen ebenfalls zu.

Vor 50 Jahren

17. April: Wattwil. Was von den Behörden und der Planungskommission umsichtig vorbereitet, am 28. Mai 1967 vom St.Galler Volk mit einem klaren Ja bestätigt und seither tatkräftig gefördert wurde, wird am 20. April Wirklichkeit: Die Kantonsschule Wattwil öffnet ihre Pforten. Ein weiterer bedeutender Schritt auf dem Wege der Dezentralisation des Mittelschulwesens unseres Kantons ist damit getan.

Für 153 Schüler (über 160 haben die Aufnahmeprüfung bestanden) in 7 Klassen, 30 Lehrer, einen Schularzt, eine Sekretärin, einen Verwalter und ein Hauswarteehepaar beginnt an diesem Tag der Schulalltag. Diese Zahlen liegen einiges über der Planung und den Erwartungen. Sie sind ein Beweis dafür, dass die neue Mittelschule mit ihren vielfältigen Möglichkeiten von Maturität, Handelsdiplom und Lehrerpatent einem wirklichen Bedürfnis entspricht; sie mögen aber auch zeigen, dass die Region aufgeschlossen und positiv der neuen Bildungsstätte gegenübersteht, gewillt ist, die Möglichkeiten zu nutzen, Vertrauen und Hoffnung in sie setzt.

22. April: Wattwil. Der Unterricht hat an der Kanti begonnen. Erwartungsvoll schritten die Schüler an den fahnengeschmückten Häusern vorbei «ihrer» neuen Kanti Wattwil entgegen. Rektor Prof. Dr. K. Meyer begrüsste die 154 Schüler in der Aula, und Musiklehrer Armin Reich leitete anschliessend das offene Singen. Nach der Klasseneinteilung begann gleich die erste Lektion in den Schulzimmern. Mädchen und Knaben werden ihre Matura, das Diplom oder das Lehrerpatent erarbeiten.

Vor 20 Jahren

19. April: Toggenburg. Am 1. Juli tritt das Nachtragsgesetz zum Staatsverwaltungsgesetz vom 4. Mai 1999 in Kraft. Damit werden die Bezirksämter abgeschafft. Deren Zuständigkeiten im Zivilrecht, namentlich im Erbrecht, werden künftig durch die neu geschaffenen Amtsnotariate wahrgenommen. Das Amtsnotariat Wil mit Zweigstelle in Lichtensteig ist zuständig für die Bezirke Obertoggenburg, Neutoggenburg, Alttoggenburg, Untertoggenburg und Wil.

Gleichzeitig entfallen die erbrechtlichen Zuständigkeiten der Stadt- und Gemeindeammänner. Es handelt sich um folgende Angelegenheiten: Errichtung von öffentlichen letztwilligen Verfügungen, Aufbewahrung von Testamenten und Erbverträgen, Eröffnung von Testamenten und Erbverträgen, Ausstellung von Erbbescheinigungen, Inventaraufnahme mit öffentlichen Urkunde (Ehegüterrecht, Nutzniessung), Inventaraufnahme ohne öffentliche Beurkundung (Sicherungsinventar, öffentliches Inventar), Durchführung der Siegelung. Nach dem neuen Recht ist ausschliesslich das Amtsnotariat für die Aufbewahrung von Testamenten und Erbverträgen zuständig. Die bei den Gemeinden aufbewahrten, noch nicht geöffneten Testamente und Erbverträge sind bis spätestens 1. Juli 2000 dem Bezirksamt bzw. Amtsnotariat (mit Verzeichnis) zu übergeben.

Vor 10 Jahren

17. April: Mühlrüti. Gedrucktes von 1873. Was alte Schränke nicht alles hergeben können. Darüber staunt auch Cornelia Widmer, Mesmerin in der Kirchgemeinde Mühlrüti, nicht schlecht. Da der Religionsunterricht in jenen von Mosnang integriert wird, löst sich die Pfarrbibliothek Mühlrüti auf. Bei der Räumung eines verstaubten Schranks in der Kirche hat Cornelia Widmer darum rund einhundert Bücher aus dem Bestand eines ehemaligen Pfarrers zu Tage gefördert.

Es handelt sich grösstenteils um Bücher von Schweizer Autoren. Sie behandeln meistens biblische Themen, aber auch Romane, Kinder- und Liebesgeschichten. Viele sind Jahrzehnte alt, manche stammen gar aus dem 19. Jahrhundert und sind in Frakturschrift geschrieben. Trotz ihres Alters sind die Bücher gut erhalten. «Es hat bestimmt einige Schätze darunter, die es schad wäre, weg zu werfen», findet die Mesmerin. Daher legt sie die Bücher bis Montag in der Pfarrstube auf, wo Interessierte sie kostenlos abholen können. Gemütliches Stöbern ist ebenfalls erlaubt.

20. April: Dietfurt. Die Weissspitzenriffhaie Bruce und Deyla durften ihr neues 22'000-Liter-Becken beziehen. Das Umsiedeln der Tiere wurde von den Mitarbeitern vom Zoohaus Rüegg mit grosser Spannung erwartet und verlief zum Glück ohne Zwischenfälle. Der Aquarist Sven Tschall durfte sich beim Umsiedeln der Haie keinen Fehler erlauben. Denn wenn sich Haie bedroht fühlen, können sie sich selber und andere in gefährliche Situationen bringen.

Die beiden über einen Meter langen Deyla und Bruce durften ihr neues Aquarium beziehen, welches mit 22'000 Litern Wasser ein gut viermal grösseres Fassungsvermögen aufweist als ihr altes Becken. Jedoch war der Bau des Aquariums auch mit einigen Rückschlägen verbunden, welche den Zeitplan durcheinander brachten. Vor zweieinhalb Jahren begann der Bau des Beckens. Das Bauvorhaben war alles andere als billig – rund 100000 Franken kostete das neue Becken. «Ohne die grosszügigen Spendengelder, die Fronarbeit verschiedener Firmen und freiwilliger Helfer, Patenschaften und Spenden hätten wir dieses Projekt nie realisieren können», sagte Cornelia Rauscher.