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Damals: Helm aufgesetzt und Bremsen geprüft

Aus vergangenen Zeiten – das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Mit viel Fantasie waren die Seifenkisten gestaltet worden – wie zum Beispiel dieser Putzwagen.

Mit viel Fantasie waren die Seifenkisten gestaltet worden – wie zum Beispiel dieser Putzwagen.

Bild: PD (26. September 2000)

Vor 100 Jahren

29. September: Ganterschwil. Vom Kleinkinderheim. Nun sind sie schon ein Vierteljahr im Land, die kleinen Wienerli. Und wie haben sie sich erholt in diesen Monaten! Die Präsidentin des Wienerkomitees hat sie bei ihrem Besuch nicht wieder erkannt, so dick und rund und rotwangig sind sie geworden. Aber auch für sie schlägt die Stunde der Rückkehr vom Häuschen auf grünem Wiesenplan in das grosse steinerne Haus der Millionenstadt. Und der Arzt sagt, man dürfe es wieder wagen, die Kleinen können einen Wienerwinter jetzt wieder prestieren. Nur ein halbes Dutzend der Schwächsten sollte hier bleiben. Für sie seien die gegenwärtigen Lebensverhältnisse zu gefährlich. Aber wohin sollen wir mit diesen armen Geschöpfchen über den Winter? Das Heim samt dem Pflegepersonal geht nach Wien. Das Haus in Anzenwil ist verkauft; es bleibt einzig die Unterbringung in Familien übrig. Gelingt dies nicht, so müssen auch sie, trotz ärztlicher Warnung, den Winter in Wien zubringen. Gäbe es vielleicht noch Familien in der Schweiz, die das grosse Opfer bringen wollten, und über den Winter ein solches Kind zu sich nähmen, sei es umsonst, sei es um etwelche Entschädigung. Was es heisst, ein kleines Kind zu sich zu nehmen, ist uns, und noch mehr den Schwestern des Heims wohl bewusst. Aber es ist auch bekannt, welche Befriedigung es gewährt, einem Kind der Retter seines Lebens geworden zu sein.

Vor 50 Jahren

25. September: Neu St.Johann. Das Bezirksamt Obertoggenburg in Nesslau teilt mit: Am Dienstagmorgen wurden auf Grund eines Haftbefehls unserer Amtsstelle drei, und in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zwei Personen durch die Kantonspolizei in einem Ferienhaus in Neu St.Johann verhaftet. Es handelt sich um Minderjährige beiden Geschlechtes im Alter von 17-19 Jahren aus Zürich, die sich gegen das Gesetz über die Betäubungsmittel vergangen hatten. Bei der Leibesvisitation und bei der Hausdurchsuchung wurden Bestände von Haschisch und anderen verbotenen Drogen sowie verschiedene Utensilien beschlagnahmt.

28. September: Oberhelfenschwil. Mit Beschluss vom 10. September 1970 hat der Gemeinderat das Wirtschaftspolizeireglement der Politischen Gemeinde Oberhelfenschwil revidiert. Als wesentliche Änderung erwähnen wir die Festsetzung der Polizeistunde an Freitagen auf 24 Uhr.

30. September: Hemberg. Mit dem Ende des Sommerhalbjahres gehört der Schulkreis Mistelegg der Vergangenheit an. Im Zuge der Rationalisierung und als Folge des Lehrermangels wurde die Aufhebung dieser Schule unumgänglich. Mit leiser Wehmut nehmen die Bewohner im abgelegenen Bergtal von dieser für sie mehr als nur negativen Hochkonjunkturerscheinung Kenntnis. Ohne diese Schule wird man in Zukunft weiter abseits als bisher stehen und die Folgen davon dürfte eine beschleunigte Entvölkerung sein. Die zwanzig Misteleggschüler werden dem Dorf und dem Bächli zugewiesen. Das heimelige und idyllisch gelegene Mistelegg-Schulhaus aber wird nach den Herbstferien verwaist und das Lachen, Scherzen und Spielen der Kinder eines vollen Jahrhunderts verklungen sein. Bergbevölkerung quo vadis?

Vor 20 Jahren

26. September: Ebnat-Kappel. Das Seifenkistenrennen in Ebnat-Kappel wurde von der ökumenischen Jugendarbeit organisiert. Mehr als dreissig Seifenkisten standen am Start bei der reformierten Kirche bereit. Die Strasse hinunter bis zum Bahnhof war für den gesamten Verkehr gesperrt, Strohballen und Kreidepfeile sorgten für eine neue Strassenordnung. Das Seifenkistenrennen der Jugendarbeit gehört in die Kategorie der Plauschrennen, selbst gebaute Karren aus der Hobbywerkstatt sind zugelassen. Der Anlass wurde bereits zum dritten Mal durchgeführt. Von der reformierten Jugendarbeit war Barbara Fischer die Ansprechperson, von der katholischen Seite André Lenz. Viele Freiwillige aus der Jugendarbeit standen zudem mit ihrer Hilfe tatkräftig zur Seite. Die Seifenkisten waren einen Augenschein wert. Glänzende, professionelle Modelle, die eher an Rennwagen denken liessen als an ein Holzmodell, standen neben selbst gebauten und verzierten Vehikeln. Da ist der goldene Putzwagen voller Besen und Lumpen neben dem Fladehüsli, eine stilvolle dunkelblaue Karosse neben dem Hubtransporter. Edy Kobelt von der Garage Kobelt in Wattwil prüfte alle Wagen vor dem Start. Bremsen und Funktionalität der Lenkung müssen stimmen.

Vor 10 Jahren

25. September: Wattwil. Wie seit Ende August bekannt ist, verlassen die Kapuzinerinnen von Maria der Engel das Wattwiler Klösterli im Herbst dieses Jahres. Die Schwestern feiern mit Markus Büchel, mit ihnen verbundenen Priestern und den Gläubigen einen Abschiedsgottesdienst in der Pfarrkirche von Wattwil, die Klosterkirche wäre zu klein. Nach dem Gottesdienst gibt es beim Apéro die Gelegenheit, sich von den Schwestern persönlich zu verabschieden. Im Klösterli sind die Vorbereitungen für den Umzug im Gange, auch wenn dieser erst im Spätherbst stattfindet. Die Auswirkungen des bevorstehenden Abschiedes an der Klosterpforte sind deutlich. Noch häufiger als bisher kommen Menschen vorbei, deponieren Gebetsanliegen, kaufen Kerzen oder andere Produkte.