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Damals: «Gut Land» für die Ballonfreunde

Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Ansicht des Startplatzes in Bazenheid. In der Mitte der Ballon «Edouard Spelterini» beim Abheben.

Ansicht des Startplatzes in Bazenheid. In der Mitte der Ballon «Edouard Spelterini» beim Abheben.

Bild: PD (14. September 1970)

Vor 100 Jahren

11. September: Kappel. Die Ortsgenossenversammlung beschloss, an die projektierte Schwandstrasse einen Beitrag von 50’000 Fr. zu leisten. Der darauffolgenden politischen Gemeinde lag die Frage vor, ob der schon lange verschobene Bau sofort auszuführen oder zu verschieben sei.

Trotzdem man der Ansicht war, die Gegend habe eine Verbesserung ihrer Wegverhältnisse notwendig, wurde nach langer Diskussion mit 199 gegen 125 Stimmen beschlossen, die Baute bis auf höchstens 10 Jahre zu verschieben.

Dies geschah, weil eine Normalstrasse trotz Beiträgen und Subventionen teuer zu stehen käme, der Zins für das zu entlehnende Geld ein hoher wäre, die Gemeindesteuern und die Staatssteuer zusammen jetzt schon mehr als zwei Prozent ausmachen und weil eine Güterstrasse, welche billiger wäre, die Bewohner der Gegend nicht befriedigen und auch nicht recht ins übrige Strassennetz hineinpassen würde.

Vor 50 Jahren

11. September: Bütschwil. Der Wunsch, ein öffentliches Schwimmbad zu besitzen, ist schon alt. In letzter Zeit hat die Idee eines Schwimmbades durch zielstrebige Vorarbeit soweit Gestalt und Form angenommen, dass man ernsthaft die weiteren Schritte unternehmen kann, um dem langersehnten Ziel näher zu kommen. Was wohl vor einem Jahr niemand zu träumen wagte, ist heute so weit: Man ist daran, die Genossenschaft für eine Sport- und Erholungsanlage Bütschwil zu gründen, deren Hauptattraktion ein Hallenbad sein soll. Anteilscheine werden bereits ausgegeben.

14. September: Bazenheid. «Achtung Wasserstoffwagen: Ballon Nymbus braucht noch Nachfüllung. Ende der Meldung.» So tönte es am frühen Sonntagmorgen, als die Freiballons aus Holland, Deutschland, Belgien und der Schweiz in Bazenheid startklar gemacht wurden. Für einmal hatten sie sich nicht zu einem Wettkampf und zu einer Prüfung zusammengefunden, sondern zu einem Ausflug.

Die Organisatoren hatten alles vorbereitet, um den Aufstieg für die herbeigeströmten Besucher zu einem Erlebnis werden zu lassen. Die Spelterinistrasse in Bazenheid glich lange vor dem Abflug des ersten Ballons einem Festplatz: Lautsprecherklänge, Einlagen des Tambourenvereins Wil und der Musikgesellschaft, Aufrufe der Leitung, Lachen, Staunen und Drängen des Publikums.

Um die Mittagszeit taumelten sich die elf Luftriesen in den Böen: «Edouard Spelterini», «Mürren», «Bernina», «Circus Knie», und wie sie sonst hiessen. Die meisten haben lange Reisen hinter sich.

Der neu getaufte «Bazenheid» dagegen wartete auf seinen Jungfernflug. Als letzter stieg Fred Dolder, begleitet von Dr. J. Piccard, mit «Bazenheid» zu seinem 400. Flug in die Höhe. Der Junior in der Schweizer Ballonfamilie musste unter dem alten Meister seine Feuertaufe abverdienen. Schon bald nach dem Start verschwand der orangefarbene «Vogel» in einer Regenwolke. «Gut Land, Bazenheid,» heisst es in der Ballonflieger-Sprache.

Vor 20 Jahren

12. September: Lichtensteig. Am Freitag bestritten die Köche der «Berefladechuchi» den Auftakt zum Schweizerischen Zentralfest des Clubs kochender Männer, das über das Wochenende in Wil stattfand. Das Toggenburger Buffet und die Schlorzimusig erfreuten alle Sinne. Hobbyköche aus der Schweiz und aus europäischen Ländern trafen sich zum Auftakt in der Kalberhalle.

Im Namen des Gemeinderates begrüsste Kurt Schneider die Köche. Ein Schlorziflade von gigantischem Ausmass erweckte zu Beginn die Aufmerksamkeit aller Angereisten. Als Wahrzeichen war er zum späteren Verzehr gedacht und dominierte das Dessertbuffet.

Vor 10 Jahren

14. September: Ebnat-Kappel. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Ebnat-Kappel in den nächsten Jahren in einen Hausärztemangel hineinrutscht. Engagierte Bewohner von Ebnat-Kappel haben sich zusammengefunden, um das Problem zu diskutieren und nach praktischen Lösungen zu suchen. Sie haben einen Weg gefunden, der vielversprechend ist.

Sie gründeten die «Genossenschaft Ärztliche Gemeinschaftspraxis Ebnat-Kappel». Wenn die Bevölkerung von Ebnat-Kappel diese Genossenschaft unterstützt, wird sie als ernst zu nehmende Kraft wahrgenommen und kann ihr Ziel erreichen.

Die Genossenschaft möchte an zentraler Lage in Ebnat-Kappel die Infrastruktur für eine ärztliche Gemeinschaftspraxis bauen oder erwerben, um dadurch optimale Arbeitsbedingungen für angehende Hausärzte zu schaffen. Nur so kann die ärztliche Grundversorgung mittelfristig gesichert werden.

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