Damals: Girlenlifte wurden abgebrochen

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Die Monteure heben die Sessel vom Förderseil und legen sie für den Abtransport bereit. (Bild: PD)

Die Monteure heben die Sessel vom Förderseil und legen sie für den Abtransport bereit. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

21. Mai: Wattwil. Zum zweitenmal in diesem Jahr ist die Gemeinde Wattwil in tiefe Trauer versetzt. Am 4./5. Februar standen wir tiefbewegt an den Ruinen des Armenhauses auf dem Kirchenbüchel und heute gilt unsere Klage dem Verlust einer anderen Anstalt der Gemeinde, auf die wir stolz gewesen sind, der Erziehungsanstalt Hochsteig. Von der hintern, nordwestlichen Seite des Anstaltsgebäudes stieg Rauch auf und bald schlugen die Flammen wild empor, alle Hoffnung, den Ausbruch ersticken zu können, vernichtend. Die Zöglinge, aus tiefem Schlafe aufgeschreckt, kommen durch die Treppen herunter und zur Haustüre heraus, 23 schreckensbleiche Buben im Nachthemdchen, ein jeder mit ein paar Gewandstücken in den Händen. Um den letzten der 24 Zöglinge herauszuholen lief die Anstaltsmutter Anderegg nochmals ins brennende Haus. Die Rettung wollte nicht gelingen. Mutter und Kind blieben in den Flammen.

21. Mai: Mogelsberg. Eine neue Jndustrie wird nächstens in diesem schönen, bisher ausschliesslich auf die Stickerei angewiesenen Dorfe ihren Einzug halten, indem eine Druckknopffabrik in Solothurn ihr Geschäft nach Mogelsberg verlegen wird. Es ist zu diesem Zwecke das Gasthaus zur «Krone» mit zugehöriger Stickfabrik, die schon einige Jahre leer stand, angekauft worden. Bis Anfang Juli hofft man bereits den Betrieb aufnehmen zu können. Schon in den ersten drei Betriebsmonaten sollen bis 150 Arbeitskräfte zum grossen Teil mit Heimarbeit beschäftigt werden können; nachher könnte die Zahl der Arbeitskräfte noch stetig wachsen. Mogelsberg setzt auf diese neue Jndustrie die zuversichtliche Hoffnung, dass die Ortschaft einen bescheidenen Aufschwung erleben werde.

Vor 50 Jahren

28. Mai: Ebnat-Kappel. Noch auf die kommende Badesaison hin soll die neue, geheizte Freibadeanlage termingenau eröffnet werden können, nachdem die Bauarbeiten besonders beschleunigt wurden. Die Kosten dieses Gemeinschaftswerkes, das nicht als Luxusbad, sondern als eine finanziell tragbare und zweckdienliche Anlage projektiert worden war, wurden auf maximal 750'000 Franken veranschlagt, woran die politische Bürgergemeinde ein unverzinsliches Darlehen von 390'000 Franken gewährte, sodass zusammen mit dem Badefest-Erlös, den gezeichneten Genossenschafter-Anteilen und weiteren Zuwendungen, die Finanzierung sichergestellt war.

Vor 20 Jahren

19. Mai: Ebnat-Kappel. Mitte der 60er Jahre wurden an der Girlen ein Skilift erstellt und 1970 in einen Sessellift umgebaut. Später kamen die Skilifte ab Färch hinzu. Sportliche Höhepunkte waren sicherlich die Weltcup-Veranstaltungen in den Jahren 1977 und 1981. Mit den lauen Wintern kamen auch finanzielle Probleme. Zwei Konkurse führten zum endgültigen Aus. Letzterer Eigentümer wurde die Politische Gemeinde Ebnat-Kappel. Sie «kaufte» die Anlagen für einen symbolischen Preis von 10'000 Franken. «Wir wollen an der Girlen sauberen Tisch machen und garantieren, dass der Abbruch zügig vonstatten geht», sagte Gemeindammann Arthur Lieberherr. Das mächtige Rad bei der Talstation drehte sich ein allerletztes Mal. Zwar nur ruckweise, denn die Monteure hoben die 76 Sessel paarweise vom 1400 Meter langen Förderseil. Ob und wie die Girlenanlagen weiter verwendet werden können, ist noch nicht entschieden.

Vor 10 Jahren

20. Mai: Mosnang. Der Gemeinderat informiert über die neue Hausnummerierung in einzelnen Weilern. Im Zusammenhang mit der Revision der amtlichen Vermessung sowie der Aufnahme von Gebäudeadressen in Navigationssysteme ist eine Numerierung unerlässlich. Die in der Bauzone gelegenen Liegenschaften in den Weilern Sonnhalden, Dottingen, Aufeld sowie den Dörfern Libingen und Dreien erhalten per 1. Juni eine Hausnummer. Gleichzeitig werden die Weiler Dottingen und Aufeld mit Ortseingangstafeln bezeichnet.

22. Mai: Lichtensteig. Wie soll die Schulgemeinde nach der Schliessung der Lichtensteiger Oberstufe organisiert sein? Findet man genügend Leute für die politischen Ämter? Die Ortsparteien wollten vor einem Jahr Klarheit. Die Projektgruppe präsentierte erste Resultate. Neben der Einheitsgemeinde steht die Fusion mit der Nachbargemeinde Wattwil immer wieder an den Stammtischen zur Diskussion. Man habe diese Idee geprüft, sagt Jean-Claude Kleiner. Die Projektgruppe habe aber mit grossem Konsens die Einheitsgemeinde bevorzugt. Auch eine kleine Fusion der Schulgemeinde Lichtensteig mit der Schulgemeinde Wattwil-Krinau werde nicht gewünscht.

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