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Damals: Erste Bahn dampfte durchs Toggenburg

Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Ein Ausschnitt eines ersten Fahrplans der Toggenburgerbahn im Jahr 1870. Publiziert in der Zeitung.

Ein Ausschnitt eines ersten Fahrplans der Toggenburgerbahn im Jahr 1870. Publiziert in der Zeitung.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

19. Juni: Wattwil. Fräulein Emma Birnstiel ist gestorben. Diese Trauerbotschaft durchlief das Dorf. Und wer sie kannte, war ergriffen, denn Wattwil verliert viel, sehr viel sogar. Das Herz einer Wohltäterin im vollen Sinne des Wortes hat zu schlagen aufgehört. Das will etwas bedeuten für unsere Armen und Kranken, für die Kleinkinderschule, für verschiedene gemeinnützige Institutionen und für viele, die sonst in Bedrängnis kamen. Still, wie die nun Entschlafene überhaupt war, übte sie ihre Liebeswerke aus, wirklich herzlichen Anteil am Geschicke ihrer Nächsten nehmend. Mit einfachem Wesen und echter Freundlichkeit trat sie ihren Mitmenschen näher. Verklärt durch solche Tugenden wird Fräulein Birnstiel als edle Frauenseele in den Herzen fortleben.

23. Juni: Bazenheid. Die Lokalzeitung «Alttoggenburger» ging zur dreimalig-wöchentlicher Ausgabe über.

23. Juni: Toggenburg. Am 15. Juni waren es zehn Jahre seit der Hochwasserkatastrophe, die bei uns die Bevölkerung mit Angst und Schrecken heimsuchte. In aller Erinnerung stehen noch die Episoden im Thurgebiete, speziell der Talbewohner in unserer Gegend, wo das ganze Tal einem See glich und Schädigungen aller Art im Gefolge hatten. Den Zeitgenossen jener Tage werden die damals erlebten nächtlichen bangen Stunden nicht aus der Erinnerung schwinden.

Vor 50 Jahren

19. Juni: Bütschwil. Ein heftiges Gewitter entleerte sich über dem Dorf Bütschwil und Mosnang. Die beiden Bäche, die durch das Dorf fliessen, St.Ottilienbach und Dorfbach, vermochten die riesigen Wassermengen nicht mehr in sich aufzunehmen. Das Wasser strömte über die Ufer, wo es auf den Strassen ein neues Bachbett fand. Der Riss des Wassers war so heftig, dass es durch Türen in die Häuser drang. Nicht nur Keller wurden unter Wasser gesetzt. Stuben, Korridore und Küchen wurden an ausgeprägten Stellen unter Wasser gesetzt. Die aufgebotene Feuerwehr musste den Kellern Wasser entpumpen, doch das ausgepumpte Wasser wurde fortwährend durch neues ersetzt.

22. Juni: Nesslau. Drei neue Sportbahnen von Nesslau bis zur Wolzenalp sollen dem Skifahrer ein neues, herrliches Skigelände erschliessen. Anfänger werden sich über die vielen einladenden Übungshänge, Kanonen an den rassigen Abfahrten freuen. Die geplanten Anlagen – welche bereits im nächsten Winter den Sportlern zur Verfügung stehen sollen – bestehen aus drei Sektionen: Nicht weit von Bahnhof Nesslau und mit Parkmöglichkeiten für mehrere Hundert Fahrzeuge kommt die Talstation der Sesselbahn zu stehen. Mit dieser 1405 Meter langen Bahn, welche eine Höhendifferenz von194 Meter überwindet, wird die schneesichere Region Bürzlen erreicht. Von hier führt ein Skilift von 1000 Meter Länge 339 Meter höher zum Spitz, wo die Möglichkeit besteht, den zweiten Lift zu erreichen, welcher vom Schönenboden auf die Wolzenalp (1399 Meter über Meer) führt. Die geplanten drei Anlagen bringen eine direkte Verbindung zu den benachbarten Sportbahnen Krummenau-Wolzenalp.

24. Juni: Toggenburg. 100 Jahre sind es her, seit der Bahnbetrieb ins Toggenburg aufgenommen wurde. Am 23. Juni 1870 fand die feierliche Eröffnung der Bahn unter dem Jubel der toggenburgischen Bevölkerung statt. Als Anerkennung der grossen Verdienste um das Zustandekommen des Unternehmens wurde dem Präsidenten des Gründungskomitees, das Ehrenbürgerrecht von Lichtensteig verliehen. Das Rollmaterial bestand aus 14 Personenwagen mit 128 Sitzplätzen zweiter Klasse und 400 Plätzen dritter Klasse, 20 gedeckten und 30 offenen Güterwagen, einem Schneepflug und 10 Rollwagen.

Vor 20 Jahren

19. Juni: Wildhaus. Der neue Wintersportweg zwischen dem Chäserrugg und der Gamsalp kostet eine Million Franken. Ein schwerer Raupenbagger ist am Bergweg von der Gamsalp zum Sattel im Einsatz. Die Wegmacher erstellen einen 450 Meter langen und 4,50 Meter breiten Verbindungsweg, der die Skiberge Gamserrugg und Chäserrugg verbindet. Die Vernetzung der Skigebiete im obersten Toggenburg ist eine Idee der ersten Stunde! Bereits beim Bau der Luftseilbahn auf den Chäserrugg von knapp 30 Jahren ist diese Zielsetzung diskutiert worden. Immer wieder gab es Versuche, die Skigebiete von Alt St.Johann bis Wildhaus miteinander zu verbinden. Zwischen Alt St.Johann und Unterwasser half die Natur vor Jahren etwas nach. Den Sturmschäden wurde mit einem Holzrückeweg zu Leibe gerückt, welcher seither als Skiverbindungsweg zur Verfügung steht.

Weiter oben scheiterten alle Verbindungsinitiativen, vornehmlich auch die Seilbahnprojekte im Gebiet der Schwendiseen, bezug nehmenden auf die Rothenturm-Initiative und des Moorschutzs.

Vor 10 Jahren

18. Juni: Lichtensteig. Der frühere Lichtensteiger Stadtammann Robert Forrer wird mit dem Anerkennungspreis der St.Gallischen Kulturstiftung ausgezeichnet. Vor allem sein jahrzehntelanger, selbstloser Einsatz für die Ortsbilderhaltung wird gewürdigt. Robert Forrer war sein ganzes Berufsleben lang in der Gemeindeverwaltung Lichtensteig tätig. 1939 begann er als Lehrling, ab 1942 war er Kanzlist, 1945 folgte die Wahl zum Gemeinderatsschreiber und von 1968 bis 1988 war er Stadtammann. Mit der Pensionierung war sein Engagement nicht zu Ende. Bis heute hat er neun Gemeinde- und zwölf Vereinsarchive aufgebaut, neu geordnet oder aktualisiert. Den Kulturpreis erhält Robert Forrer aber nicht für die Archivierungsarbeit, sondern für seinen denkmalpflegerischen Einsatz zur Gestaltung und den Erhalt des Ortsbildes von Lichtensteig – wobei Archiv und Ortsbild in engem Zusammenhang stehen.

24. Juni: Ebnat-Kappel. Viel wird über die zwei Gebäude geredet, die im Zentrum gebaut werden sollen. Viel von ihren Plänen haben die Investoren Anton Gähwiler und Hans Ulrich Baumann zwar noch nicht preisgegeben. Klar ist hingegen, dass sich die Investoren gegenüber der Gemeinde verpflichten mussten, Räume für das lokale Gewerbe und eine Gemeinschaftspraxis einzuplanen. Das Gewerbe würde zusätzliche Ladenfläche begrüssen, wenn der Mietzins nicht zu hoch sei.

24. Juni: Bütschwil. Die Bäckerei Krapf bleibt für immer geschlossen. Bäckermeister Alois Krapf geht in Pension. 67 Jahre lang wurden in der Backstube nebst dem knusprigen Brot auch andere Backwaren produziert. Beliebt waren, nebst den Honigleckerli, vor allem die feinen Zimtfladen.