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Damals: Eröffnung der mitteltoggenburgischen Buslinie

Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Nach sorgfältigen Abklärungen hat man sich auf ein lichtes Stahlblau als Normfarbe für die Fahrzeuge geeinigt.

Nach sorgfältigen Abklärungen hat man sich auf ein lichtes Stahlblau als Normfarbe für die Fahrzeuge geeinigt.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

3. November: Wattwil. Die beginnende Grossratssession hat unter anderem auch über die Verstaatlichung unseres Gemeindekrankenhauses zu beraten und darüber endgültigen Beschluss zu fassen. Nachdem im Amtsblatt die bereinigten Anträge des Regierungsrates an den Grossen Rat erschienen sind, erachtet es die Kommission des freisinnig-demokratischen Einwohnervereins als notwendig, die Frage öffentlich zu besprechen.

3. November: Wattwil. Mit aller Entschiedenheit darf konstatiert werden, dass besonders in kaufmännischen Betrieben und in Verwaltungen die Stenographie an Bedeutung gewaltig zugenommen hat. Dafür sprechen nicht nur die Urteile von kompetenten Männern, wie Nationalrat Hirter und Nationalrat Sulzer-Ziegler, nicht nur das Resultat einer Umfrage, die der Chef des eidgen. Sekretariates für kaufmännisches Bildungswesen, A. Junod, unter mehreren hundert ehemaligen Schülerinnen und Schüler von Handelsschulen veranstaltet hat.

Vor allem tritt der Fortschritt in der Wertschätzung der Stenographie täglich deutlich hervor in der Liste der Stellenangebote, wo in Hunderten von Fällen der Stenograph vor dem, der der Kurzschrift nicht mächtig ist, den Vorzug erhält. So dürfte die Zeit gekommen sein, wo die Schule, die in so vielen Dingen den Forderungen des praktischen Lebens nachgegeben hat, auch die Stenographie allgemein als Unterrichtsfach einführt.

3. November: Wattwil. Vor einigen Tagen ist die neue Telephonlinie Wattwil-Wil in Betrieb genommen worden, wodurch wiederum eine wesentliche Verbesserung im Gesprächsverkehr nach auswärts erzielt wird.

Vor 50 Jahren

30. Oktober: Mitteltoggenburg. Am 1. November 1970 nimmt die Buslinie Lichtensteig-Wattwil-Ebnat-Kappel ihren fahrplanmässigen Betrieb auf. Für die breite Oeffentlichkeit ein wichtiges Ereignis.

Daher wird ihr freundlicherweise schon vorher Gelegenheit geboten, das neue mitteltoggenburgische Verkehrsmittel kennen zu lernen. Heute und morgen verkehren die Autobusse normal nach Fahrplan für jedermann gratis.

2. November: Wattwil. Erster Wattwiler Quartiersabend. Quartiersabende, wie man sie in manchen grossen und kleinen Städten gelegentlich veranstaltet, sind für das Toggenburg eine Neuigkeit. Umsomehr war man also am vergangenen Freitagabend darauf gespannt, wieviele Schomattner sich aus ihrem «Schneckenhaus» wagen und der Einladung der beiden Kirchgemeinden zu einem gemütlichen Orientierungshock im Hotel Toggenburg folgen würden. Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Versuch ist geglückt.

Vor 20 Jahren

30. Oktober: Wattwil. Pflege der kulturellen Wurzeln. Türkischer Verein Wattwil und Umgebung eröffnete sein neues Klublokal. In festlicher und familiärer Atmosphäre, mit einem grossen Buffet voller Köstlichkeiten und mit Videobildern der fernen Heimat wurde das neue Klubhaus des türkischen Vereins, an der Zwinglistrasse, seiner zukünftigen Bestimmung übergeben.

31. Oktober: Hemberg. Für die Skisaison bestens gerüstet. Als einen Glücksfall bezeichnet Verwaltungsratspräsident Paul Dähler den Kauf eines zweiten Pistenfahrzeuges Marke «Kässbohrer». Das gut gepflegte und jetzt vollständig revidierte Fahrzeug konnte durch die Vermittlung der beiden Verwaltungsräte Stefan Koller, Niederglatt, und Stefan Würms, Hemberg, von einem bekannten Aroser Bergbahnunternehmen erworben werden.

«Damit sind wir die Hauptsorge los, eines Tages vor einer unverhältnismässig hohen Investition eines neuen Fahrzeuges zu stehen», sagte Dähler. Somit verfügt die Skilift Hemberg AG über ein zweites modernes Pistenfahrzeug, welches mit ausschliesslich eigenen Mitteln finanziert werden konnte.

2. November: Nesslau/Krummenau. Verschiedene Blickwinkel aufzeigen. Für die Grundsatzabstimmung zur Verschmelzung der Gemeinden Nesslau und Krummenau findet am 6. November im Büelensaal eine öffentliche Diskussionsveranstaltung statt.

Am 26. November werden die Bürgerinnen und Bürger von Nesslau und Krummenau über den Grundsatz zur Verschmelzung der beiden Gemeinden abstimmen. Die politischen Parteien sind unisono der Ansicht, dass es sich um eine der wichtigsten Abstimmungen der Geschichte beider Gemeinden handelt.

Vor 10 Jahren

29. Oktober: Wattwil. Ein Katastrophenhelfer aus Wattwil. Der alt Gemeinderat Hans Keller hat auf Einladung der FDP Wattwil im Thurpark über seine Arbeit als Katastrophenhelfer gesprochen. Der Ingenieur ist Mitarbeiter der Deza, der Fachstelle des Bundes für Entwicklungszusammenarbeit.

Er hat das Grauen und die Verzweiflung gesehen: Ob die Tsunami-Tragödie in Indonesien, das verheerende Erdbeben auf Haiti oder die Überschwemmungskatastrophe vor wenigen Monaten in Pakistan – der Wattwiler Hans Keller steht überall sofort zur Stelle, um zu helfen.

Denn er ist einer, der nicht nur über Hilfe spricht; er handelt. Keller ist freiwilliger Katastrophenhelfer. «Am Anfang herrscht immer Chaos», berichtete der Wattwiler vor fast fünfzig Besuchern. «Die Schweizer Einsatzkräfte retten Leben, leisten Überlebenshilfe für Menschen in Not und unterstützen sie beim Wiederaufbau», heisst es in einer Deza-Broschüre.

Was das konkret bedeutet, wusste der smarte Ingenieur und frühere FDP-Gemeinderat spannend zu erzählen. «Bis man wirklich einen Überblick darüber hat, was vor Ort passiert ist», sagte er, «vergehen zwei bis drei Wochen.» Eine gefährliche Zeitspanne, denn wenn danach Wasser und Lebensmittel knapp werden, drohen Unruhen.

«Bei Katastrophen sind es meistens die Ärmsten, die es erwischt.»

Diese wüssten dann sehr bald, wer ihnen wirklich helfen könne und wer bloss auf ein paar sensationelle Fernseh- oder Pressebilder aus sei. «Die Dankbarkeit, die man dann spürt, die ist wirklich gewaltig.»