Damals: Eine Doppelspur, die keine ist

Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Vor 111 Jahren konnte die Strecke Romanshorn–St.Gallen–Wattwil eröffnet werden.

Vor 111 Jahren konnte die Strecke Romanshorn–St.Gallen–Wattwil eröffnet werden.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

10. März: Vom Wetter. Auf der meteorologischen Zentralstelle wurde Freitag nachmittags um 2 Uhr die Schattentemperatur von 20 Grad Celsius notiert, was bis jetzt für diese Jahreszeit niemals vorgekommen ist. Auch die höheren Berglagen verzeichnen ganz ungewöhnliche Wärmestände. Die gegenwärtige mittlere Tagestemperatur übersteigt in der Niederung den Normalbetrag um fast 10 Grad Celsius. Seither hat sich aber ein gründlicher Witterungsumschlag vollzogen. Nun überzieht bei minus 3 Grad eine 30 Zentimeter hohe Schneeschicht die Toggenburger Landschaft.

10. März: Wattwil. Der Einwohnerverein Ulisbach-Schmidberg wurde aus der Taufe gehoben. Zwei Referate, der Bürgerheimneubau und die Krankenhausfrage orientierten auch die dortigen Bewohner über die nächst zu lösenden Aufgaben in der Gemeinde. Die gründlichen und fachlichen Orientierungen der beiden Referenten fanden dankbare Zuhörer.

Vor 50 Jahren

13. März: Ebnat-Kappel. Brandfall in Blousenfabrik. Im Laufe des Nachmittags brach in der Näherei ein Brand aus. Dieser konnte nur dank dem raschen Eingreifen durch die örtliche Feuerwehr von Ebnat auf den Büroraum des Betriebes lokalisiert werden. Eine Büroangestellte, welche kurz vorher noch geraucht und nach ihren Angaben die Zigarette im Aschenbecher ausgedrückt hatte, entleerte kurz vor dem Verlassen des Büros den Aschenbecher in ein Zeitungspapier. Dieselbe warf sie mit weiterem Abfallpapier in den Papierkorb. Als die Angestellte nach einiger Zeit in das Büro zurückkehrte, stand dasselbe bereits in Flammen. Das Feuer war schon soweit fortgeschritten, dass es den Betriebsangehörigen nicht mehr gelang, es unter Kontrolle zu bringen.

16. März: Wattwil. Lehrschwimmbecken oder Hallenbad? Im Zusammenhang mit dem Projektwettbewerb «Sekundarschulhaus-Erweiterung» wird der Einbau eines Lehrschwimmbeckens geprüft. Eine Initiativgruppe hat sich die Aufgabe gestellt der Bevölkerung die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen und Lösungen vorzuschlagen. Vorschlag der Sekundarschule: Lehrschwimmbecken Baukosten 600'000.00 bis 800'000.00 Franken; Vorschlag der Initiantengruppe «Pro Hallenbad» Baukosten 2,5 bis 3,5 Mio. Franken.

Kann sich Wattwil ein Hallenbad leisten? Die Argumentation, Wattwil dürfe aus steuerpolitischen und finanziellen Gründen nicht an die Erstellung eines Hallenbades herantreten, kann bei etwas grosszügiger und objektiver Betrachtungsweise nicht als stichhaltig beurteilt werden. Die industrielle Expansion wie auch die seit Jahrzehnten anhaltende Vollbeschäftigung von Handwerk und Gewerbe und die damit fortschreitende Bevölkerungszunahme lassen darauf schliessen, dass Wattwil in den nächsten Jahren eine finanziell starke Trägerschaft werden wird, die es sich leisten kann, für die Gesundheit und die körperliche Ertüchtigung der Bevölkerung einen mutigen Schritt in die Zukunft zu wagen. Es lohnt sich bestimmt, für diese Idee eine gemeinsame finanzielle Anstrengung zu wagen.

Vor 20 Jahren

13. März: Iltios. Mehr ausgelassene Stimmung als sportlicher Ehrgeiz waren am «Snow Soccer»-Turnier zu spüren, das vom Sport Treff Unterwasser organisiert und auf dem Iltios durchgeführt wurde. In zwei Gruppen zu je sechs Dreier-Teams spielte jeder gegen jeden, bis die erst- und zweitplatzierten Mannschaften ermittelt waren. Angefeuert von einem zahlreichen Publikum sowie fetziger Musik rutschten die Akteure auf dem Schnee umher und versuchten die Minitore zu treffen. Die Goalies waren natürlich eifrig bemüht, ihr Tor sauber zu halten und im weichen Schnee liess es sich auch gut nach den Bällen hechten.

18. März: Lichtensteig. Vor fast hundert Jahren hatte Lichtensteig mit der Fertigstellung des Wasserfluh-Tunnels einen denkwürdigen Tag zu feiern. Heute sind die Umstrukturierungen und Erneuerungen nicht mehr so spektakulär, aber ebenso wichtig. Zwischen den eng verschachtelten Häusern in Lichtensteig begann am 27. Dezember 1905 der Bau des 3,55 Kilometer langen Wasserfluh-Tunnels. Nebst viel Prominenz feierte auch die Bevölkerung der Umgebung den Durchbruch des Sohlstollens am 1. April 1909.

Die Strecke Romanshorn–St.Gallen–Wattwil konnte nach rund vierjähriger Bauzeit im Herbst 1910 eröffnet werden. Zusammen mit der gleichzeitig von den SBB erbauten Rickenlinie Wattwil– Uznach war damit die Ostschweiz zu der lang ersehnten Direktverbindung zum Gotthard und zur Zentralschweiz gekommen. Der Bau der BT-Bahn erforderte 85 Brücken und 17 Tunnels. Zwischen Lichtensteig, wo täglich 900 Personen ein- und aussteigen, und Wattwil liegen zwei Gleise. Das westliche Gleis gehört der SBB und wird von den Zügen von Wil–Wattwil–Nesslau–Neu St.Johann befahren. Das östliche Gleis ist Eigentum der Bodensee-Toggenburg-Bahn. Auf ihm verkehren die Züge von St.Gallen–Wattwil–Rapperswil. Obwohl äusserlich nicht erkennbar, handelt es sich eigentlich um zwei Einspurstrecken. In Verspätungsfällen ist es sinnvoll, Kreuzungen von Wattwil auf diesen Abschnitt zu verlegen. Um die volle Freizügigkeit zu erreichen, werden aber noch einige Anpassungen benötigt.

Vor 10 Jahren

13. März: Ganterschwil. Eine Gemeindefusion ist keine einfache Sache und will gut überlegt sein. Das zeigte sich an der von der Politischen Gemeinde und Primarschulgemeinde durchgeführten Information. Die rund 70 Anwesenden stellten nach den Ausführungen der Behörden kritische Fragen. Verschiedene Wortmeldungen deuteten an, dass die Absenz von Lütisburg bei den Fusionsabklärungen bedauert wird. Zwei kleine Gemeinden zusammen hätten mehr Gewicht als eine allein. Ein Votant fragte, ob die Bevölkerung von Lütisburg überhaupt gefragt worden sei, oder ob die Behörden allein entschieden hätten.

22. März: Wattwil. Die Ortsgemeinde Wattwil hat ihren Alpen- und Waldbesitz verkauft. Der Erlös wird der Politischen Gemeinde übergeben, die in einem Reglement verpflichtet wird, die rund 1,1 Millionen Franken zweckbestimmt zu verwenden.