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Damals: Ein umweltfreundlicher Koloss


Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Das Kompetenzzentrum für Fleischverarbeitung wird ein imposanter Bau.

Das Kompetenzzentrum für Fleischverarbeitung wird ein imposanter Bau.

Bild: PD (12. Januar 2010)

Vor 100 Jahren

14. Januar: Vom Wetter. Der Föhn führt gegenwärtig sein Regiment. In den letzten zwei Nächten steigerte sich seine Macht zeitweilig zum heulenden Orkan. Dabei fiel klatschender Regen, der zum zweiten Mal innert drei Wochen Hochwassergefahr im Gefolge hatte. Die Temperatur ist für die Jahreszeit hoch, 11 Grad Celsius Wärme. Bis auf die Höhe des Regelsteins ist die Gegend grösstenteils schneefrei.

14. Januar: Wattwil. Wie uns mitgeteilt wird, soll hier demnächst eine Versammlung aller interessierter toggenburgischer Gemeinden von Wildhaus bis Wil inklusive derjenigen des Neckertales abgehalten werden, wozu sämtliche Aerzte, Grossratsmitglieder und Gemeindevertreter eingeladen werden, um in Sachen des projektierten Ueberganges des Krankenhauses an den Staat, sowie der Erweiterungsbauten Stellung zu nehmen. Diese Angelegenheit will auch von der Gemeinde Wattwil wohl erwogen werden; es herrscht die Ansicht vor, die Gemeinde-Autonomie über unser Krankenhaus nicht ohne weiteres preiszugeben.

Vor 50 Jahren

14. Januar: Krinau. In Zürich ist der bekannte Toggenburger Künstler Giovanni Müller gestorben. Vor allem als Holzschnitt-Meister ist der Toggenburger weitherum bekannt geworden. Hannes Müller, als drittes Kind eines Kleinbauern in der kleinsten Gemeinde Krinau am 25. April 1890 geboren, lebte in seinen beinahe vollendeten 80 Jahren eine typisch schweizerische mittlere Künstlerexistenz aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. Lehrer und Pfarrer hatten dem zeichnerisch begabten Bauernbuben Hannes Müller zur Zeit der Stickereiblüte den Weg an die Kunstgewerbeschule St. Gallen gebahnt.

Zum Textilzeichner ausgebildet, arbeitete der junge Mann in einem Pariser Atelier als Entwerfer der Tapeten und Möbelstoffe. Der Heimgekehrte Müller legte Ferdinand Hodler und H. Beat Wieland seine freien Arbeiten zur Begutachtung vor. Ihre Fürsprache verschaffte ihm ein Stipendium zur künstlerischen Ausbildung in München.

Vor 20 Jahren

11. Januar: Wattwil. Die Busunternehmen BLWE und Postauto St.Gallen Appenzell mit den Linien Nesslau–Buchs und Nesslau–Schwägalp arbeiten seit dem 1. Januar enger zusammen. Dank eines gemeinsamen Reservefahrzeuges werden die jährlichen Kosten um rund 50000 Franken gesenkt.

12. Januar: Wattwil. Seit «Lothar» ist der Wattwiler Schadenschätzer Walter Rüegg nahezu jeden Tag auf Schadensaufnahme. Die Schadenschätzer sind nebenamtlich für die Gebäudeversicherung (GVA) tätig. Abgedeckte Dächer, eingedrückte Tore und Fenster gibt es zuhauf. Seit dem 26. Dezember hat Walter Rüegg etwa 150 Gebäudeschäden inspiziert. Täglich habe er in Wattwil zwischen 50 und 100 Kilometer zurückgelegt. Die grössten Gebäudeschäden gab es auf etwa 800 Metern Höhe. Der Schönenberg und die Laad waren besonders stark betroffen. Bei der Firma Turbo-Separator im Flooz wurde ein Tor zerschmettert.

Für Walter Rüegg eine einfache und klare Sache: Die GVA wird die Kosten für den Ersatz übernehmen. Laut Auskunft von Revierförster Urs Kern beläuft sich der Waldschaden allein in Wattwil auf etwa 16000 Kubikmeter Holz (vorwiegend Tannen, Fichten und Buchen), davon betroffen sind ungefähr 14000 Kubikmeter von Privatwaldungen. Die Schadenfläche beträgt ungefähr zehn Hektaren.

Vor 10 Jahren

12. Januar: Bazenheid. Vor bald zwei Monaten verschwand das Wahrzeichen von Bazenheid, der 95 Meter hohe Hochkamin der Kehrichtverbrennungsanlage, endgültig von der Bildfläche. Im Industriepark Zwizach, zwischen Umfahrungsstrasse und Dorfeinfahrt, erregt jedoch bereits ein anderer grosser Bau die Aufmerksamkeit der Passanten: Das Kompetenzzentrum für Fleischverarbeitung der Ernst Sutter AG, in welches insgesamt 90 Mio. Franken investiert werden.

Das Frischfleischzentrum soll mit Fernwärme aus der nahegelegenen Kehrichtverbrennungsanlage versorgt werden. Auf den Dachflächen des Gebäudes ist zudem eine Photovoltaikanlage geplant, die es mit elektrischer Energie versorgen soll. Im zweigeschossigen Neubau, was für einen solchen Betrieb eher ungewöhnlich sei, werden 220 Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz finden – 180 in den Bereichen Produktion und Logistik, 40 in den Bereichen Administration und Verkauf. Zudem dürfte das Kompetenzzentrum auch Arbeit im Unterhalt für das regionale Handwerk generieren.

13. Januar: Wattwil. Tausend Tonnen Holzwolle produziert die Linder Produktions AG pro Jahr. Der Rohstoff: Fichten und Föhren aus einheimischen Wäldern. Die Toggenburger Holzwolle findet sich in über 170 Produkten. Das jüngste Produkt: Holzwolle-Kisten aus Mondphasen-Holz.

15. Januar: Toggenburg. Von Februar bis März dreht das Schweizer Fernsehen in und um Wildhaus den Fernsehfilm «Charly’s Comeback» mit Schauspieler Christian Kohlund. Für die Dreharbeiten werden zahlreiche Statisten von 5 bis 95 Jahren gesucht. Die Churfirsten bilden die Kulisse zum Film.