DAMALS
Ein Kraut gegen (fast) jedes Leiden

Aus vergangenen Zeiten – das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Der Garten des ehemaligen Benediktinerklosters dient nun als Schaugarten für Kräuter und Heilpflanzen.

Der Garten des ehemaligen Benediktinerklosters dient nun als Schaugarten für Kräuter und Heilpflanzen.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

28. Mai: Ebnat-Kappel. Am nächsten Sonntag findet in hier bei schönem Wetter die Fahnenweihe des Arbeiter-Radfahrerverein «Freie Radler» Ebnat-Kappel, verbunden mit grossem Sektions- und Hindernisrennen statt. Wer etwas Interessantes auf diesem Sportgebiet sehen will, der versäume diese Gelegenheit nicht.

28. Mai: Neckertal. Vom kommenden 1. Juni an werden die Postautokurse St. Gallen-Hundwil-Schönengrund-St. Peterzell bis nach Brunnadern und zurück geführt.

1. Juni: Bütschwil. Evangelisches Kapitel Toggenburg. Letzte Woche tagte in Bütschwil das evangelische Kapitel des Toggenburgs. Die Verhandlungen leitete Präsident Pfarrer Kambli. Das Tagesreferat hielt Pfarrer Grob über Kirche und Bekämpfung des Alkohols. Er schilderte die Schäden des Alkoholmissbrauchs und zeichnete den Weg, den die Kirche zu gehen habe, um wirksam gegen den grossen Feind des Schweizervolkes kämpfen zu können. Es sei eine unbedingte Pflicht der Kirche, als der Mutter des Volkes, mit allen Mitteln den Kampf aufzunehmen. Die Diskussion zollte dem Referat mehrfach entschiedenen Beifall. Eigentlicher Widerspruch blieb aus.

Vor 50 Jahren

26. Mai: Ebnat-Kappel. Der Schulrat beschloss auf Frühjahr 1972 das neunte Schuljahr in Ebnat-Kappel einzuführen. Seit vielen Jahren erkennt man, dass für die Schüler der siebten und achten Primarschulklassen eine Lücke besteht zwischen dem Schulschluss und der beruflichen Tätigkeit. Bei den Mädchen konnte diese Lücke durch die Einführung der Toggenburgischen hauswirtschaftlichen Jahreskurse teilweise überbrückt werden. An verschiedenen Orten wurde das neunte Schuljahr als Werkjahr bereits eingeführt, so auch in Wattwil. Dort wurde der Betrieb im Jahre 1967 aufgenommen. Anfänglich konnten Schüler aus unserer Gemeinde in die dortige Schule eintreten. Die Anmeldungen aus der eigenen Gemeinde mehrten sich aber derart, dass keine auswärtigen Schüler mehr aufgenommen werden können. Damit auch in Ebnat-Kappel diese umfassendere Bildungsmöglichkeit besteht, entschloss sich der Schulrat zur Schaffung des neunten Schuljahres unter dem Vorbehalt, dass eine geeignete Lehrkraft gefunden werden kann. Vorerst ist das neunte Schuljahr noch freiwillig, wird aber nach Einführung der vorgesehenen Schulkoordination obligatorisch erklärt werden.

2. Juni: Nesslau. Am 26. Mai ist mit den Aushubarbeiten der geplanten Schulanlage Büelen begonnen worden. Die neue Ueberbauung sieht einen Sporttrakt, ein Hallenbad, ein Kirchgemeindehaus mit Theatersaal sowie ein Gebäude vor, in dem inskünftig die Sekundar- und Abschlussklassen der Region Nesslau, Krummenau, Ennetbühl und Stein untergebracht werden. Für die Finanzierung des Hallenbades können bei der Genossenschaft Anteilscheine gezeichnet werden. Es werden auch freiwillige Helfer gesucht, die bereit wären, am Bau des Bades durch Frondienst mitzuwirken.

Vor 20 Jahren

31. Mai: Alt St. Johann. Benediktinermönche bauten in den Gärten ihrer Klöster Heilpflanzen an. Das war auch im Kloster Alt St. Johann nicht anders. Benoît Kunz lässt die Tradition der Mönche weiterleben und pflanzt im Klostergarten Kräuter und Heilpflanzen an. Wer weiss, welches Leiden man mit Gamander (Teucrium chamaedrys) wegbringt? Oder das Quendel (Thymus pulegioides) gut gegen Husten ist? Beide Pflanzen wachsen in unseren Breitengraden und sind zwei von rund 200 Heilpflanzen im Kräutergarten, die im Schaugarten des Klosters Alt St. Johann wachsen. Unterhalten wird der Garten von Benoît Kunz. Viele Leute wüssten nicht, dass der Klostergarten jeden Tag offen steht. Bis um 21 Uhr können Besucherinnen und Besucher durch die Anlage flanieren, die von den Benediktinermönchen aufgebaut wurde und schon damals als Anbauplatz für Heilpflanzen benutzt wurde.

31. Mai: Oberhelfenschwil. In Oberhelfenschwil wird die weltweit erste industriell entwickelte Leichtwindanlage eingeweiht. Seit einem Jahr steht sie elegant und schlank auf dem Hügel über dem Dorfzentrum – die Leichtwind-Demonstrations- und Testanlage der Firma Aventa Energie AG. Am 7. Juni soll sie offiziell eingeweiht werden. Das Spezielle dieser Leichtwindanlage ist, dass sie bereits bei 2 m/sec. Windgeschwindigkeit Strom produziert, da sie unter anderem einen sehr grossen Rotor aufweist. Für Walter Büchi, Elektroniker bei der Herstellerfirma Aventa Energie AG, ist dies der entscheidende Faktor, der die Anwendung einer solchen Windkraftanlage in Binnenländern überhaupt ermöglicht.

Vor 10 Jahren

27. Mai: Bazenheid. Doppelt so viel Strom produzieren. Die Delegierten des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) genehmigten gestern einen 47-Millionen-Kredit für den Umbau von Anlagen und die Errichtung eines weiteren Turbinengebäudes. Zauberwort: KEV. Kostendeckende Einspeisevergütung. Diese beantragt in der Regel ein Hausbesitzer, der eine Solaranlage aufs Dach montiert. Ein Teil des so produzierten Stroms braucht er selbst. Was zu viel ist, kann er ins Netz einspeisen – und erhält dafür Geld aus einem Fonds des Bundes. Aktuell 0,45 Rappen pro Kilowattstunde, ab 2013 noch etwas mehr. In diesem Falle ist der Hausbesitzer allerdings kein umweltbewusster Bürger, sondern der ZAB, der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid. Und bauen will der ZAB keine Solaranlage, sondern eine neue Turbine. Sie wandelt den Dampf aus der Kehrichtverbrennung in Energie um. Die bestehenden Anlagen werden zudem umgebaut, um eine optimale Energienutzung zu erreichen. Kostenpunkt: 47,5 Millionen Franken. Kein Problem – KEV und den bereits getätigten Rückstellungen sei Dank. Die grosse Investition kann innert 20 Jahren vollständig refinanziert werden.

31. Mai: Unterwasser. Neuerdings kann man auf dem Klangweg der Klangwelt Toggenburg nicht nur spazieren, sondern auch Velo fahren. Für die diesjährige Eröffnung haben gleich zwei Klangkünstler neue Instrumente für den Klangweg geschaffen. Beim ersten Instrument erzeugt ein simpler Schlauch die Naturtonreihe, beim zweiten sorgen grosse Metallschalen für Obertöne sowie sicht- und fühlbare Schwingungen. Das Heulvelo von Heinz Bürgin aus Lichtensteig erzeugt die gleichen Tonreihen wie zum Beispiel ein Alphorn. Mit dem Klangschalenbaum will Ferdinand Rauber neben hörbaren Tönen auch sicht- und spürbar die Schwingungen auf ein anderes Material übertragen.