Damals: Die erste Terrassensiedlung im Toggenburg nimmt Gestalt an – Diskussionen über den Umgang mit Boden gehen damit einher

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Oberhalb Ulisbach in Wattwil ist die erste Terrassensiedlung erstellt worden. (Bild: PD)

Oberhalb Ulisbach in Wattwil ist die erste Terrassensiedlung erstellt worden. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

22. November: Kantonale Krankenanstalten. Der Regierungsrat verlangt vom Grossen Rate einen Kredit von 750'000 Franken für die Erstellung eines Beobachtungspavillons im Kantonsspital. Ueber den Ausbau der staatlichen Krankenanstalten und event. auch über die Verstaatlichung des Gemeindekrankenhauses Wattwil will er Bericht und Antrag stellen, sobald die erforderlichen Grundlagen für die Deckung der Auslagen geschaffen sind.

22. November: Lichtensteig. Auf hiesiger Station wurden 34 Stück Kühe und trächtige Rinder eingeladen, die für den Export in Oberitalien bestimmt sind.

Vor 50 Jahren

21. November: Ebnat-Kappel. Die Umfahrungsstrasse wird offiziell dem Verkehr übergeben. Dem schönen Herbstwetter ist es zu verdanken, dass die neue Strasse schon eingeweiht werden kann, konnten doch alle Arbeiten speditiv vorangetrieben werden. Ebenso werden die zwei von Hand betätigten Barrieren bei der Buchdruckerei Haab und im Untersand mittels Fernbedienung geschlossen und geöffnet.

21. November: Bütschwil. An der Strasse von Bütschwil nach Ganterschwil ist der Bau der Besamungsstation Bütschwil des Schweizerischen Verbandes für künstliche Besamung in Angriff genommen worden. Die Fertigstellung wird auf Ende Sommer 1970 erwartet, so dass der Betrieb mit etwa 40 Stieren im nächsten Herbst aufgenommen werden kann.

21. November: Bütschwil. Bei den Aushubarbeiten der Erweiterungsbauten der Spinnerei und Weberei Dietfurt AG stiess man auf ein grosses Loch, bei dem es sich nach Untersuchungen eines Geologen um eine Gletschermühle handelt. Eine Gletschermühle ist ein Rundloch, das durch von Schmelzwasser gedrehte Steine entsteht. Bei der Entdeckung im Soor handelt es sich um eine vertikale Gletschermühle. Den nächsten Tagen wird die Gletschermühle noch besser freigelegt, damit genauere Untersuchungen gemacht werden können. In welcher Eiszeit der geologische Fund entstand, kann erst nach vollständiger Freilegeung festgestellt werden.

26. November: Ulisbach-Wattwil. In der Schweiz hat die Terrassenbebauung erst in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung erlebt, obwohl die Hügellagen im Mittelland und in den Voralpen geradezu prädestiniert sind für Terrassensiedlungen. Oberhalb Ulisbach in Wattwil ist nun die erste Terrassensiedlung im Toggenburg erstellt worden. Gerade im Toggenburg mit der relativ schmalen Talsohle muss man mit der ebenen Bodenfläche haushälterisch umgehen. Diese sollte der Industrie, den öffentlichen Bauten, den Mehrfamilienhäusern ja sogar der Landwirtschaft reserviert bleiben.

Vor 20 Jahren

23. November: Bazenheid. Umfahrung – Zeitpunkt dürfte sich verschieben. «Mit grösster Wahrscheinlichkeit kann mit dem Bau der Umfahrung Bazenheid nächstes Jahr nicht angefangen werden», sagte Gemeindammann Christoph Häne gegenüber unserer Zeitung. Dem Bund fehlt für einen rechtzeitigen Beginn das nötige Geld. Dass der Bund die für die Umfahrung Bazenheid zugesicherten Mittel kaum rechtzeitig wird frei machen können, ist offenbar eine Auswirkung des «Runden Tisches», wo am Finanzprogramm Abstriche gemacht wurden. «Im gleichen Kanton können derzeit durch den Bund nicht zwei Baustellen der Grössenordnung wie Bazenheid oder Schmerikon finanziell alimentiert werden», vermutet Gemeindammann Christoph Häne.

Vor 10 Jahren

21. November: Lichtensteig. Das Stellwerk vom Bahnhof Lichtensteig geht nach hundertjähriger Betriebszeit in Pension. Im Museum Erlebniswelt Toggenburg soll das sechs Meter lange und vier Tonnen schwere Stellwerk weiterleben und bedient werden können. Der Transport des 6-Meter-Koloss aus dem Jahr 1901 erweist sich als nicht ganz einfach. Da das Stellwerk zu gross und zu schwer ist, um durch den Eingang zu gelangen, bugsieren es die Fachkräfte durch ein Fenster, knapp zehn Meter über Boden. Damit es ebenmässig im Gebäudeinnern bewegt werden kann, stapeln sie Paletten auf Höhe des Fensters, die dann – Schicht um Schicht – wieder abgebaut werden und das Stellwerk auf festem. Tragstarken Boden zum Stehen bringen.

24. November: Bütschwil. Nach der Innenrenovation der katholischen Kirche wurde diese mit einem Festgottesdienst feierlich eingeweiht. Die Altarweihe übernahm Bischof Markus Büchel. Das zentrale Element der Restaurierung ist die flächendeckende Dekorationsmalerei in sanft-matten rot-rosa und blau Tönen, welche den Raum gliedern und ihm Wärme verleiht. Das Chorpodest wurde ins Schiff eingezogen, um die Länge des Raums zu brechen. Auch wurden gekrümmte, die Kirche aufteilende Palladium-Elemente eingefügt. Aus demselben Material sind die neuen Seitenaltäre mit den restaurierten Heiligenfiguren. Darin zeigt sich im besonderen Masse die Verbindung zwischen Tradition und Moderne.