Damals: Der Polizist mit der Armbrust

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Wendel Forrer aus Wattwil ist Präsident der Schweizer Armbrust-Veteranen. (Bild: PD)

Wendel Forrer aus Wattwil ist Präsident der Schweizer Armbrust-Veteranen. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

22. März: Wattwil. Am 5. Januar hat bekanntlich ein gewaltiger Föhnsturm durch Wegreissung des Blechdaches auf dem Kurhaus im Scherrer dem betreffenden Besitzer, Herrn Jakob Looser, einen Schaden von mehreren tausend Franken verursacht, der durch keine Versicherung gedeckt werden konnte. Da haben denn auch Angestellte und Arbeiter der Firma Heberlein & Cie. A.G. sich zusammengetan und eine Kollekte für ihren unglücklichen Mitarbeiter veranstaltet, welche den ansehnlichen Betrag von 635 Fr. ergab, der dann von genannter Firma auf 1000 Fr. aufgerundet wurde.

22. März: Kappel. Eine in Wintersberg stattgefundene Jnteressenversammlung beschloss nach Anhörung eines Referates von Herrn Kreis die Einführung der elektrischen Beleuchtung für die Gehöfte von Wintersberg-Bendel und Umgebung. Es wurde aus der Mitte der Versammlung eine Kommission bestellt zur sofortigen Anhandnahme der bezüglichen Vorarbeiten.

22. März: St.Peterzell. Die Suppenanstalt, die vor einem halben Jahre in Betrieb gesetzt wurde, wird laut Beschluss des Gemeinderates wegen ungenügender Frequenz und allzu grossen Defizites wieder aufgehoben.

Vor 50 Jahren

21. März: Ebnat-Kappel. Wie jeden Tag reinigte Landwirt Rudolf Bösch im oberen Steinenbach sein Milchgeschirr vor dem Gaden. Er hatte schon vorher ein Tier über die Wiese schleichen sehen, konnte aber erst später feststellen, dass es sich um einen Fuchs handelte, der es offenbar auf seine Hühner abgesehen hatte. Für diese Tageszeit, ca. 8.30 Uhr am Vormittag, schien es dem Bauern verdächtig. Er nahm einen Stock zur Hand und ging auf den Fuchs los, welcher gerade eines der Hühner erwischt hatte. Der Fuchs ging auf den angreifenden Bauern zu, konnte aber von Rudolf Bösch mit dem Stock niedergeschlagen werden. Vor dem Angriff liess sich der Fuchs um das Haus herum jagen. Die Untersuchung des toten Fuchses ergab Tollwut.

24. März: Wattwil. Am vergangenen Morgen betrat ein von der alten Strasse heraufkommender Fuchs im Bunt Wattwil-Lichtensteig die Hauptstrasse und biss einem Automobilisten, der anhielt, in einen Pneu. Vorher hatte das Tier bei einem Wohnhaus den Rahmen eines tiefliegenden Küchenfensters zerbissen. Ein alarmierter Jäger konnte den Fuchs abschiessen. Der Laboruntersuch ergab einwandfrei Tollwut.

Vor 20 Jahren

23. März: Volleyball. Erstmals in der Geschichte des Schweizer Volleyballs spielen zwei Teams aus dem Regionalverband Nordostschweiz um den Meistertitel bei den Frauen: KSV Wattwil und Kanti Schaffhausen. Während die Wattwilerinnen als Tabellenführer schon lange für den Final feststanden. Ging es für Köniz, Luzern und Schaffhausen um alles oder nichts. Von 800 begeisterten, lautstarken Zuschauern lieferten sich BTV Luzern und Kanti Schaffhausen einen offenen Schlagabtausch, den am Ende die Schaffhauserinnen glücklich, aber durchaus verdient für sich entscheiden konnten. Der KSV Wattwil qualifizierte sich nach der Saison 1996/97 wiederum souverän für das alles entscheidende Finale, bei dem die Rechnung bei Null beginnt. Dass das gegnerische Team der Toggenburgerinnen in diesem Jahr Kanti Schaffhausen heisst, erfüllt sicherlich den Traum vieler. Die Begegnungen zwischen diesen beiden Teams zeigten sich immer als ausgeglichen und spannend, aber auch voller Emotionen.

24. März: Lichtensteig. «Was lange währt wird endlich gut» – dieses Sprichwort passt zur Geschichte der Neugestaltung des Postplatzes. Funktionalität und Ästhetik waren die Hauptfaktoren für die architektonischen Projektierungsarbeiten. Das Provisorium des Gartencafés, welches acht Jahre lang für eine kurze Zeit im Sommer erstellt wurde, erwies sich schon bald als ungenügend. Die Holztribüne durfte jeweils erst Anfang Mai montiert werden und Ende September verschwand sie aus dem Städtlibild. Somit konnten die herrlichen Sommertage im Frühjahr, die manchmal über Wochen dauerten, nicht genutzt werden.

Vor 10 Jahren

23. März: Wattwil. Wendel Forrer tritt auch als Pensionierter in «Uniform» auf: Nicht als Polizist, als man ihn lange auf Wattwils Strassen sah, sondern im Vereinshemd der Armbrustschützen. Als Präsident der Veteranen aus der ganzen Schweiz organisiert Wendel Forrer die Veteranenmeisterschaft, das Veteranenschiessen (ein eigentliches Schützenfest mit etwa 200 Armbrustschützen) und die Generalversammlung. «Armbrustschiessen fördert die Konzentration, bietet Geselligkeit und manchmal kann man dabei auch Stress abbauen», fasst Forrer zusammen. Lautes Knallen wie beim Gewehrschiessen gäbe es beim Armbrustschiessen nicht. Nur jeweils ein dumpfes «Plopp». So sei das Armbrustschiessen eigentlich eine auch im Alter sehr gute Möglichkeit, sportlich aktiv zu bleiben. An der Veteranenversammlung wurden denn auch viele 80-Jährige geehrt. Der älteste aktive Armbrust-Veteran ist 92 Jahre alt.

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