Damals
Das Neckertal besucht Deutschland

Aus vergangenen Zeiten – das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Die geschnitzten «Chüeli» des Hembergers Ernst Reich waren nur eine der vielen Neckertaler Attraktionen am Kulturfest in Konstanz.

Die geschnitzten «Chüeli» des Hembergers Ernst Reich waren nur eine der vielen Neckertaler Attraktionen am Kulturfest in Konstanz.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

14. Mai: Bütschwil. Letzten Dienstag wurde die Gemeinde von einem furchtbaren Unwetter heimgesucht. Nachmittags früh fielen zuerst vereinzelte schwere Regentropfen, denen aber bald ein wolkenbruchartiger Regenschauer mit Hagelschlag folgte. Vereinzelte Striche waren, nachdem sich das ungefähr zwei Stunden dauernde Gewitter verzogen hatte, noch wie eine Winterlandschaft anzusehen. Donner und Blitz folgten einander und mancher zersplitterte Baum gibt Zeugnis ihrer furchtbaren Wirkung. Während die höheren Lagen vom Hagel jedenfalls ziemlich mitgenommen wurden, scheinen die unteren Teile unserer Gegend glimpflich weggekommen zu sein, da die Wirkung der Hagelkörner durch den starken Regen merklich abgeschwächt wurde.

18. Mai: Obertoggenburg. In einer letzter Tage abgehaltenen gemeinsamen Konferenz der Schulratsmitglieder der Gemeinden Nesslau und Krummenau wurde einhellig beschlossen, mit einem wohlbegründeten Gesuch an die Verwaltung der Kreisalpen zu gelangen, um eine Beitragsleistung aus den Erträgnissen dieser Alpen für Umbauten oder die Neuerstellung von Schulhäusern, deren Zustand fast ausnahmslos zu wünschen übrig lässt, zu erwirken. Besondere Erwähnung verdient an dieser Stelle auch ein im Schosse dieser Konferenz von dem bekannten Schulfreund Major Grob gehaltenes Votum, worin in überzeugenden Worten dem Wunsche Ausdruck verliehen wurde, es möchte im Hinblick auf die bestehenden misslichen Schulverhältnisse die baldige Lösung der Frage einer Verschmelzung beider Gemeinden ernstlich ins Auge gefasst werden, damit zum Wohle der Jugend, deren Schulweg in vielen Fällen an den Schulhäusern der jetzigen konfessionellen Schulhäuser vorbeiführt und zwei und mehr Stunden Zeit in Anspruch nimmt, die bürgerliche Schule ins Leben gerufen werden könne.

Vor 50 Jahren

17. Mai: Wattwil. Der Männerchor Wattwil dampft ab. Am Mittwochabend tritt der Männerchor Wattwil seine Vereinsreise an, welche nach dem «sagenhaften» Hamburg führt. Mit dem Schlafwagenzug wird Hamburg gegen morgens acht des Auffahrtstages erreicht und sofort beginnen die Entdeckungsfahrten: eine Stadtrundfahrt mit anschliessender Besichtigung der riesigen Hafenanlagen mit den dort stationierten Ozeanriesen, den vielen Werften und Docks. Wahrlich, das wird ein Erlebnis für die Bergler aus dem Toggenburg werden!

17. Mai: Obertoggenburg. Nach nur einjähriger Bauzeit konnte die modern eingerichtete Tierklinik/Tierheim in Nesslau ihren Betrieb unter tierärztlicher Leitung am 1. April aufnehmen. Die offizielle Eröffnungsfeier dieses für das gesamte Toggenburg, aber auch für die ostschweizerische Region bedeutsamen Unternehmens wird Anfang Juni erfolgen.

17. Mai: Nesslau. Aus dem Handelsamtsblatt. Genossenschaft Hallenbad Stein-Nesslau-Krummenau, in Nesslau. Unter dieser Firma besteht gemäss Statuten vom 9. Februar 1971 eine Genossenschaft. Zweck: Bau und Betrieb eines Klein-Hallenschwimmbades. Es werden Anteilscheine zu 200 Fr. ausgegeben. Für die Verbindlichkeiten der Genossenschaft haftet ausschliesslich das Genossenschaftsvermögen. Publikationsorgan: SHAB. Verwaltung: mindestens drei Mitglieder.

Vor 20 Jahren

14. Mai: Neckertal/Konstanz. Am Wochenende besuchten Vertreter der Neckertaler Gemeinden das vierte Konstanzer Kulturfest. Alle fünf Gemeindepräsidenten der beteiligten Gemeinden markierten Präsenz. Bei strahlendem Wetter fand am unteren Ende des Bodensees ein Fest im Rahmen des grenzüberschreitenden Kulturaustauschs statt. Unter grossem Andrang der interessierten süddeutschen Bevölkerung eröffnete der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank die Kulturtage und begrüsste im Speziellen die Region Neckertal, welche durch den Mogelsberger Gemeindepräsidenten Hans Bütikofer offiziell vertreten wurde. Aus dem ganzen Spektrum kulturellen Schaffens aus dem Neckertal stellten die Kulturschaffenden unter der Koordination von Cornelia Buder aus Mogelsberg eine repräsentative Auswahl zusammen. Neben folkloristischem Liedergut präsentierte sich moderner Jazz, geschnitzte Kühe neben geräuchertem Lachs, Radierungen neben Puppenspiel, laute Alphörner neben leisem Monochord. Umrahmt durch das Heimetchörli Hemberg wurde der offizielle Akt durch den Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank eröffnet. In seiner Rede ging Frank speziell auf die Gäste aus der Schweiz ein und versprach: «Es lohnt sich, ins Neckertal zu kommen, und wir werden kommen.»

14. Mai: Ebnat-Kappel. Die Druckerei Fuchs in Ebnat-Kappel feierte am Wochenende den 150. Geburtstag der «Toggenburger Nachrichten». An der eigentlichen Feier am Freitagabend fanden sich viele Gäste ein. Der Ebnat-Kappler Gemeindepräsident Arthur Lieberherr, Regierungsrätin Karin Keller-Sutter, Vizekanzler Achille Casanova und Hans Heinrich Coninx, Präsident des Verbandes Schweizer Presse, liessen sich von Walter Fuchs die Redaktion und die Druckerei zeigen.

Vor 10 Jahren

17. Mai: Ennetbühl. Mit fünf Pferdestärken von Ennetbühl nach Urnäsch. Seit Sonntag verbindet eine fünfspännige, originalgetreu nachgebaute Postkutsche das Toggenburg mit dem Appenzellerland. Mit einem feierlichen Rahmenprogramm wurde die Route eingeweiht. Auch eine von der Säntisbahn eingerichtete Haltestelle auf der Schwägalp wurde eröffnet. Der Wettergott war am Sonntag nicht gnädig gestimmt. Tiefe Temperaturen und Schneeregen luden nicht gerade zu einer Kutschenfahrt ein. Mit zwei alten Pelerinen der Post ausgestattet, war die Eröffnungsfahrt für Werner Stauffacher und Sämi Frick, die beiden Kutscher und Initianten der Postkutschenstrecke Ennetbühl–Urnäsch, jedoch erträglich. Die Fahrgäste liessen sich vom Regen ebenfalls nicht davon abhalten, ihre Kleider aus früheren Zeiten anzuziehen.

18. Mai: Neu St.Johann. Am Montag fanden sich die Initianten der Brauerei St.Johann AG zum symbolischen Spatenstich beim ehemaligen Restaurant Mauer ein. Der Baubeginn soll noch vor den Sommerferien erfolgen. Die Liegenschaft Mauer ist grundbuchamtlich verschrieben worden und in den Besitz der Brauerei St.Johann AG übergegangen. Dies nahmen die Verwaltungsräte André Meyer, Philipp Grob und Tobias Kobelt sowie Architekt Bernhard Güttinger zum Anlass, im künftigen Biergarten der Brauerei einen symbolischen Spatenstich durchzuführen. Nun sollen am Bauprojekt noch die letzten Details geplant werden.