Damals: Auf der Alp gibt es immer etwas zu tun

Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Jakob Grob schätzte seit 75 Jahren die Ruhe und Einsamkeit auf seiner Alp.

Jakob Grob schätzte seit 75 Jahren die Ruhe und Einsamkeit auf seiner Alp.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

28. August: Wattwil. Schulgemeinde Krummbach. Genossenschaftliche Versammlung, Sonntag, den 5. September, nachmittags 2 Uhr, im Schulhaus. Traktanden: Rechnungsablage und deren Bericht. Krummbach, den 21. August 1920. Der Schulrat. (Inserat).

28. August: Toggenburg. Maul- und Klauenseuche. Nachdem man im Neckertal die Seuche als erloschen betrachtete (2 verseuchte Ställe befanden sich nur noch an der Peripherie in Mogelsberg), tauchte sie neu bei J. Näf im Haggen und bei Frei in Oberburg, direkt ob Brunnadern, auf. Der Viehbestand des Ersteren zählt 7 Kühe, derjenige des Letzteren 38 Tiere. Von der Abschlachtung ist Umgang genommen worden. Auch auf der Alp Girlen konnte die Seuche nicht lokalisiert werden, da dieser Tage ein neuer Fall bei Wälle im Ganten zu konstatieren ist.

28. August: Wattwil. Der Kaufmännische Verein Toggenburg hat in seinem Lokal in Wattwil ein Schlagwortverzeichnis über die von der Carnegie-Friedens-Stiftung dem Schweizervolk geschenkten zirka 2000 Bände fassende Büchersammlung aufgelegt. Die sorgfältig zusammengestellten Werke über Recht, Politik, Volk, Geschichte und Literatur der Vereinigten Staaten von Amerika, in englischer Sprache geschrieben, liegen in der Zentralbibliothek in Zürich und werden unter weitgehenden Benützungsvorschriften ausgeliehen. Interessenten steht der bezügliche Bibliothekskatalog bereitwilligst zur Verfügung.

Vor 50 Jahren

28. August: Ebnat-Kappel. Es verbreitete sich die unfassliche Trauerbotschaft, Gemeindeammann Karl Dangel sei an einem Herzschlag gestorben. Wenn die Schreckensnachricht vorerst kaum Glauben fand, so musste sie von der Gemeindeverwaltung aus doch offiziell bestätigt werden. Karl Dangel weilte als Mitglied der Staatswirtschaftlichen Kommission des Kantonsrates für eine zweitägige Sitzung in den Flumserbergen. Zu Beginn des zweiten Sitzungstages fehlte Karl Dangel. Mitten aus seiner vielseitigen, rastlosen Tätigkeit in der Gemeinde und Öffentlichkeit war der Tod an den beliebten Magistraten und Politiker herangetreten. Der am 22. Juli 1925 in Ebnat geborene und aufgewachsene Karl Dangel besuchte dort die Primar- und Sekundarschule. In der Folge absolvierte er eine Lehre auf der Gemeindeverwaltung von Ebnat. Das Militärdepartement St.Gallen und die Kantonale Verwaltung Zürich waren während mehrerer Jahre die Wirkungsstätten des jungen, tüchtigen Beamten. Hier konnte er seine Kenntnisse vertiefen. Seine Erfahrungen kamen Karl Dangel sehr zugute als er, kaum 30 Jahre alt, am 13. November 1955 zum Gemeindeammann der damaligen Politischen Gemeinde Ebnat gewählt wurde.

31. August: Kirchberg-Dietschwil. Mit der Genehmigung der Staturen und der Festlegung der Ansätze der Mitgliederbeiträge und des Schulgeldes wurde der entscheidende Schritt zur Eröffnung des Kindergartens Dietschwil getan. Der Kommission, mit Frau Egli-Böhi als Präsidentin, stehen zwar noch grosse Aufgaben bevor, sind doch die Anschaffungskosten für Lehrmaterial und Mobiliar erst zum Teil gedeckt. Frau Raaber-Hügin, Kindergärtnerin, wird die fachkundige Betreuung der vorschulpflichtigen Jugend übernehmen.

Vor 20 Jahren

29. August: Bächli-Hemberg. Jakob Grob verbringt seinen 75. Sommer auf der Alp Hauptmannsnecker weit hinten im Neckertal. Vermutlich stimmts doch, was der Volksmund sagt: Dass Milch müde Männer munter macht. Nicht dass Jakob Grob ein müder Mann wäre. Aber vielleicht tragen die fast zwei Liter dazu bei, dass er mit 90 Jahren noch so rüstig ist. Auf der Alp Hauptmannsnecker verbringt er seit 1924 mit Ausnahme eines Sommers in der warmen Jahreszeit den Sommer. Etwas ruhiger kann er es mittlerweile schon nehmen. Die ersten Wochen des Alpsommers verbringt jeweils sein Schwiegersohn Hansueli Knöpfel – der auch das Heimet im Harzenmoos bewirtschaftet – mit den Kühen auf Hartmannsnecker. Seinen ersten Alpsommer verbrachte Jüngling Grob zusammen mit einem Knecht. Schon im ersten Jahr brannte die Alphütte nieder. Es war die einzige Nacht, in der er nicht auf der Alp schlief. Die Hütte wurde im gleichen Jahr wieder aufgebaut. Ab 1948 war er alleine verantwortlich und übernahm 1958 die Alp vom Vater. Lediglich 1989 war er nicht z’Alp, als er die Hüfte operieren lassen musste. Eine andere Sommertätigkeit kann sich Jakob Grob gar nicht vorstellen. «Me hät all näbis z tue», meint er gelassen.

Vor 10 Jahren

28. August: Wildhaus. Durch einen Blitzschlag hat der Jungbauer Thomas Brändle in der Nacht vom 10. Juli Wohnhaus und Stall verloren. Der Schicksalsschlag löste in der Gemeinde und Umgebung eine Welle der Solidarität aus. Die von seinen Freunden organisierte Spendenaktion ermöglicht ihm einen Neustart.

2. September: Neckertal. Wenn in der Ostschweiz ein Naturpark entstehen soll, dann in dieser Region – dies das Fazit zweier Studierender der Hochschule für Technik in Rapperswil, die den geplanten regionalen Naturpark im Neckertal zum Thema ihrer Diplomarbeit wählten. Die angehenden Landschaftsarchitekten Corinne Büchi und Christoph Oswald präsentierten ihre Diplomarbeit unter dem Titel «Naturpark Necker-Hochhamm – auf und ab im Herzen der Ostschweiz». Das Publikum war die Arbeitsgruppe, die sich tatsächlich mit einem möglichen Naturpark der Gemeinden Oberhelfenschwil, Neckertal, Hemberg, Schönengrund, Urnäsch und einem Teil von Nesslau-Krummenau auseinandersetzt.