Damals: Als Martin Künzle noch ein unbeschriebenes Blatt war

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Martin Künzle brachte als einziger Trainer der Welt auf der grossen und kleinen Schanze einen Springer aufs Podest. (Bild: PD)

Martin Künzle brachte als einziger Trainer der Welt auf der grossen und kleinen Schanze einen Springer aufs Podest. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

5. März: Wattwil. Wie man vernimmt, beschäftigen sich unsere Behörden eifrig mit dem Wiederaufbau unserer Armenanstalt. Definitiver Beschlüsse vorgängig, soll demnächst eine öffentliche Versammlung veranstaltet werden, um allfälligen Wünschen und Anregungen der Bürger entgegenzukommen. Es herrscht in den Behörden wie im Publikum die Meinung vor, dass ein Neubau an gleicher Stelle des alten Gebäudes erstellt werde.

5. März: Wattwil. Der seit 17. Januar vermisste Ferd. Rüegg von Walde ist in der Gegend der untern Kreuzegg von einem Skifahrer aus Bütschwil als Leiche aufgefunden worden. Rüegg hatte wie bekannt, in der Dämmerung die Rückkehr vom Steintal über die Tweralp nach seinem Wohnorte im «Atzmännig» angetreten. Er muss dabei vom Nebel und der völligen Dunkelheit irregeführt worden und fast auf die entgegengesetzte Richtung geraten sein. Vor Erschöpfung wird er Unglückliche hingesunken und eingeschlafen sein, wo er der Kälte erlag. Die Leiche wies keinerlei Verletzungen auf und Uhr und Barschaft waren noch vorhanden.

Vor 50 Jahren

28. Februar: Nesslau. Die Presseleute der näheren und weiteren Umgebung haben das Projekt, in Nesslau eine Tierklinik und ein Tierheim zu bauen, kennengelernt. Der Verwaltungsrat der neugegründeten Genossenschaft will im Obertoggenburger Bezirkshauptort für 400 000 Franken eine Tierklinik mit zweckdienlichen Einrichtungen für Operationen an Gross- wie Kleintieren schaffen. Damit soll ein Tierheim verbunden werden. Ein Zwinger für 30 Hunde und ein Hundesalon sind eingerechnet.

28. Februar: Lichtensteig. 28. Toggenburger Stafetten- und Waffenlauf. Zum 3. Mal auch als Waffenlauf. Am Sonntag-Vormittag werden über 236 Waffenläufer und 30 Stafetten zu je 6 Wettkämpfer begrüsst werden. Der Lauf der Stafetten präsentiert sich gleich wie in den Vorjahren und wird von kombinierten Mannschaften beschickt, welche aus vier Läufern, einem Radfahrer und einen Skilangläufer bestehen. Auf der Skilanglaufstrecke (7,6 km) werden vier Einzelwettkämpfer starten. Die Waffenläufer erhalten zu Saisonbeginn eine erste Startgelegenheit auf der bewährten 16-km-Strecke mit einer Höhendifferenz von 210 Metern.

Vor 20 Jahren

2. März: Kirchberg. Zu welcher Region zählt Kirchberg künftig? In einer Mitteilung äussert sich der Gemeinderat dazu, ob Kirchberg künftig zur Region Toggenburg oder Fürstenland gehören soll. Die Fakten sprächen für das Fürstenland. Zurzeit läuft in der Gemeinde eine Meinungsumfrage. Eine Erhebung bei den Kirchbürger Stimmberechtigten zeigt folgendes Bild: 1209 wohnen seit Geburt in der Gemeinde, 530 zogen aus der Region Toggenburg zu, 867 stammen aus der Region Fürstenland, 1892 kamen aus anderen Orten. Mit anderen Worten: 39 Prozent sind entweder eingesessen oder aus der Region stammend, 61 Prozent kommen aus der Region Fürstenland oder anderen Orten.

3. März: Lichtensteig. Die CVP-Fraktion entschied zunächst, zwei getrennte «Tickets» für die Nachfolge der Bundesräte Koller und Cotti aufzustellen. Mit 32 zu 7 Stimmenbeschloss sie die Frauen-Doppelkandidatur der St. Galler Volkswirtschaftsdirektorin und Frau Landammann, Rita Roos, und der Innerrhoder Säckelmeisterin Ruth Metzler für die Nachfolge Arnold Kollers. Den Doppelvorschlag begründete Fraktionschef Jean-Philippe Maitre mit dem «bemerkenswerten Niveau» beider Frauen.

3. März: Wattwil. In Wattwil ist die erste Waldspielgruppe aktiv, sie verbringt jeden Montag zwei Stunden im Wald, egal welches Wetter herrscht. Die Waldspielgruppe gehört organisatorisch zu den Spielgruppen Wattwil, die dem Verein «pro wattwil» angehängt ist.

Vor 10 Jahren

2. März: Ski Nordisch. Martin Künzle ist immer der Sieger. Simon Ammann hat seinen Weltmeister-Titel auf der Grossschanze an Teamkollege Andreas Küttel verloren. Die Goldmedaille bleibt damit weitere zwei Jahre in der kleinen Schweizer Springer-Familie. Als am 2. April der Wildhauser Martin Künzle der Öffentlichkeit als neuer Cheftrainer der Skispringer vorgestellt wurde, rieben sich Insider verwundert die Augen. Künzle wer? Martin was? Toggenburger wie? Auf dem Markt wären erfahrene Könner mit erstklassigen Leistungsausweisen zu haben gewesen. Zumal der bodenständige Mann mit dem typischen Schweizer Namen während seiner Aktivzeit nie zu den Weitenjägern zählte und der gleichen Generation angehört wie Simon Ammann und Andreas Küttel. Wie soll ein Kumpel die Weltklasseathleten führen? Inzwischen sind die Fragen verstummt. Wo der Herr der Schweizer Flieger auftaucht, wird ihm Respekt gezollt. Der österreichische Alex Pointner, der selbst bei der durchschnittlichen Weiten wie Rumpelstilzchen auf dem Turm herum hüpft, muss zur Kenntnis nehmen, dass Martin Künzle als einziger Trainer in beiden Einzel-Konkurrenzen einen Athleten aufs Podest brachte.

4. März: Alt St. Johann. Nach einem Tourismusboom im Toggemburg in den 60er- und 70er-Jahren sank die Anzahl an Logiernächten in den 80er-Jahren stark. Mittlerweile haben sich die Zahlen etwas erholt und liegen bei rund 200'000 Hotelübernachtungen und etwa 500'000 Logiernächten in der «Parahotellerie», also in Gruppenunterkünften und Ferienhäusern. Als Gründe für die schlechte Auslastung nannte Remo Daguati den gesellschaftlichen Wandel. Zudem wurde der Zugang zu den grossen Schweizer Destinationen im Wallis und Graubünden verbessert und schliesslich fehlen dem Toggemburg Attraktionspunkte. «Das Toggenburg braucht einen Relaunch», so Daguatis Schlussfolgerung. Dazu seien nicht nur mehr Hotelbetten nötig. Sondern das Toggenburg müsse sich auch als Gesamtprodukt neu positionieren. Die Klangwelt mit dem geplanten Klanghaus sei ein möglicher Attraktionspunkt, jedoch brauche es noch mehr.