Damals: Als die SBB den Bahnhof Lütisburg verkaufen wollte

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Bahnhof Lütisburg: Obwohl andere Stationen Vorrang haben, plant die SBB, den Bahnhof zu verkaufen.Die SBB will aber nur Bahnhöfe verkaufen, wenn der Ertrag stimmt. (Bild: PD)

Bahnhof Lütisburg: Obwohl andere Stationen Vorrang haben, plant die SBB, den Bahnhof zu verkaufen.Die SBB will aber nur Bahnhöfe verkaufen, wenn der Ertrag stimmt. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

18. Dezember: Wattwil. Freudig überrascht waren die Arbeiter der Firma Heberlein & Cie AG als ihnen beim letzten Zahltag eine Extrazulage als willkommenes Weihnachtsgeschenk ausgehändigt wurde und zwar jedem verheiratetem 75 und jedem ledigen Arbeiter 50 Franken. Die genannte Firma hat im Laufe des Jahres ihr Wohlwollen gegenüber ihrer Arbeiterschaft in nobler Weise zu wiederholten Malen bewiesen und sei derselben im Namen der Arbeiter der beste Dank ausgesprochen. Ehre solchem Opfersinn.

18. Dezember: Vom Wetter. Die starken Regengüsse Ende letzter Woche haben die Bäche und die Thur stark anschwellen lassen und erreichte letztere einen Höhestand, wie er seit längerer Zeit nicht mehr vorkam. Nicht zu verwundern; denn der ausgiebige Regen hat die Schneegrenze bis auf über 1500 Meter zurückgetrieben. Der Wassermangel, den namentlich die Elektrizitätswerke zu spüren bekamen, dürfte für längere Zeit behoben sein.

Vor 50 Jahren

13. Dezember: Wattwil. Der Neubau der Kantonsschule geht weiter voran. Wenn auch für die Laien die ganzen Zusammenhänge der fertigen Anlage aus den bei Winteranbruch stehenden Fragmenten noch nicht voll erkennbar sind, sieht man doch schon auf der Westseite des Bauareals den im Rohbau fertiggestellten Trakt für alle naturwissenschaftlichen Zimmer und die Hauswartwohnung. Im Osten sind die schwierigsten Teile des Klassentraktes, d.h. die Fundation, die Luftschutzräume, der Heizungsraum, die zentrale Eingangshalle für den Pausenaufenthalt, die Zentralgarderobe, der Singsaal und die grosse Decke darüber, im Rohbau ausgeführt. Sofern das Wetter es zulässt, wird man bald die Obergeschosse in Angriff nehmen und auch die Turnhalle sollte bald sichtbar werden.

16. Dezember: Wattwil. Ueber 2000 Mitarbeiter in der Wattwiler Firma – die Heberlein & Co AG wächst. Die Stoffdruck-Fabrik, die Helanca-Fabrik und die Maschinenfabrik laufen auf Hochtouren, sagte Dr. G. Heberlein. Die Maschinenfabrik steht mit dem Umsatz und mit dem Gewinn an der Spitze. Alle Profit-Centers haben 1968 Rekord-Umsätze erreicht. Im Ganzen sind in der Heberlein & Co. AG über 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Zweitausender-Marke wurde 1968 erstmals in der langen Geschichte des Toggenburger Unternehmens überschritten. Die Durchschnittslöhne haben sich weiter verbessert. Im Mai öffnete die Heberlein & Co AG erstmals die Türen für einen Besuch der Oeffentlichkeit. Ueber zehntausend Besucher benützten den Tag der offenen Türe, sich zu informieren. Im September gründete die Holding die Heberlein Computer Service AG. Sie wird im Endausbau rund 50 Personen beschäftigen.

Vor 20 Jahren

15. Dezember: Lütisburg. Bald Schlafzimmer statt Stellwerk? Die SBB prüft, sich von umsatzschwachen Bahnhöfen zu trennen, wenn deren Weiterbetrieb zu viele Kosten verursacht. Der Bahnhof Lütisburg-Station könnte einer davon sein. Jeder leidenschaftliche Modell-Eisenbahner darf nun seinem Hobby in einem echten Bahnhof frönen, sofern er das nötige Kleingeld aufzuwenden vermag, könnte man meinen. Nicht ganz: Das Projekt Bahnhof-Verkauf steckt noch in den Kinderschuhen. Wie zu erfahren war, steht auf einer internen Liste auch Lütisburg. Aber: «Toggenburger Bahnhöfe habe noch nicht Priorität», sagt SBB-Liegenschaftsverwalter Otto Rotach. Für Lütisburg im besonderen sieht Rotach gute Chancen, den Bahnhof zu gegebenem Zeitpunkt auch tatsächlich veräussern zu können.

18. Dezember: Toggenburg. Veränderte Rollenverteilung. Im Lebensablauf der Familie hat sich eigentlich wenig verändert, wohl aber in der Rollenverteilung der Familienmitglieder. In der Regel war doch stets die Mutter für den «inneren Dienst» im Hause verantwortlich, während der Vater das «Aussenministerium» innehatte und für die wirtschaftliche Situation der Familie zuständig war. Dass heute Väter die Rolle als Hausmann übernehmen und Mütter im Erwerbsleben stehen, ist keine Seltenheit mehr. Es scheint, dass dieser Rollentausch auch seine Vorteile hat, indem der Mann die Hausarbeit und Kindererziehung am eigenen Leib erfährt, während die Frau als Gattin und Mutter feststellen muss, dass das Berufsleben ausser Haus oft auch beschwerlich ist und die Früchte am Erwerbsbaum hoch hängen. Man lernt damit, besser aufeinander einzugehen. Vielleicht versteht man auch manche Handlungsweise des andern Geschlechtes besser.

Vor 10 Jahren

17. Dezember: Mosnang. Wie der Gemeinderat mitteilt, steht nun der Fusionsbeitrag fest. Regierungsrätin Kathrin Hilber, Vorsteherin des Departementes des Innern, hat die gute Botschaft dem Gemeinde- und Schulpräsidenten persönlich überreicht. Die Gemeinde Mosnang erhält einen Fusionsbeitrag von 165'500 Franken. Das Besondere am «Fall Mosnang» war, dass nicht politische Gemeinden, sondern Schulgemeinden sich vereinigen. Für diese Situation musste eine besondere Berechnungsmethode entwickelt werden. Diese wurde nun erstmals angewendet und wird für kommende Zusammenschlüsse von Schulgemeinden Anwendung finden. Der Betrag ist wie folgt aufgeteilt: Entschuldungsbeitrag Oberstufenschulgemeinde 80'100 Franken, Entschuldungsbeitrag Primarschulgemeinde Mühlrüti 42'400 Franken, Kantonsanteil an fusionsbedingte Mehrkosten, 50 Prozent, das sind
43' 000 Franken.