Damals: Als Bundesrat Ogi den Soldaten ein Geschenk ins Toggenburg brachte

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Erinnerungsbild für Hans-Ulrich Scherrers Mutter und Adolf Ogis Gotte Edith Scherrer. (Bild: PD)

Erinnerungsbild für Hans-Ulrich Scherrers Mutter und Adolf Ogis Gotte Edith Scherrer. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

1. Januar: Mosnang. Um zirka 2 1/2 Uhr wurden die Bewohner hiesiger Gegend durch Feuerlärm in ihrer nächtlichen Ruhe gestört. In der Wirtschaft zum «Schäfli» im Krimberg, an der Gemeindegrenze Mosnang–Kirchberg, war Feuer ausgebrochen, das mit rasender Schnelligkeit so grosse Fortschritte machte, dass die ankommenden Feuerwehrleute machtlos waren und das ganze Gebäude samt Scheune und Sticklokal gänzlich auf den Grund niederbrannte, ohne dass irgendwie Mobiliar gerettet werden konnte. Das Vieh konnte wenigstens noch rechtzeitig losgekoppelt werden. Die Bewohner konnten nur in Angst und Schrecken das Leben retten und mussten zusehen, wie rasch herbeigeeilte Hilfe machtlos war gegen die Natur- und Feuergewalten.

Vor 50 Jahren

3. Januar: Nesslau. Ein neuer «Sternen» in Nesslau bringt frischen Wind in die Toggenburger Hotellerie. Das Architekturbüro Brunner & Sohn, Wattwil, hat im Auftrage der Brauerei Schützengarten AG, St. Gallen, ein neues 45-Betten-Hotel projektiert. Dieses wird den alten «Sternen» bei der Kirche ersetzen. Der alte «Sternen» war einst weitherum bekannt und durfte sich eines grossen Zulaufes rühmen. Aber auch an ihm ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Sein Aussehen und seine Einrichtungen sind den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Bauherrschaft schloss auch eine Renovation aus, sodass nur noch ein zeitgemässer Neubau im heutigen «Sternenpark» zur Diskussion stand, also nicht mehr am jetzigen Standort. Das Architekturbüro Brunner & Sohn, Wattwil, ging aus dem Projektwettbewerb als Sieger hervor. Im Frühjahr 1969 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Das Zimmer- und Bettenangebot gliedert sich folgendermassen: 6 Einerzimmer = 6 Betten, 18 Doppelzimmer = 36 Betten, 3 Reservebetten = 3 Betten, das gibt ein Total-Bettenangebot von 45 Betten. Das Restaurant wird ca. 60 Sitzplätze aufweisen, und der Speisesaal, der auch die Funktion eines Sitzungszimmers hat, ebenfalls ca. 60 Plätze. Es können in Kombination mit Saal/Restaurant auch kleinere Tagungen und Delegiertenversammlungen durchgeführt werden. Man hofft auch, kleinere Gruppen von ausländischen Gästen und Car-Reisegesellschaften im «Sternen» zur Beherbergung empfangen zu können.

Vor 20 Jahren

28. Dezember: Nesslau. Am Mittwoch Vesper erlebten die in Nesslau stationierten Soldaten des Inf Rgt 28 einen überraschenden Besuch. Angesagt waren Bundesrat Adolf Ogi und dessen Generalstabschef Hansueli Scherrer. Die Soldaten und deren Vorgesetzte waren schon etwas nervös, als der Super-Puma kurz nach 16 Uhr mit den Gästen aus Bern auf der Wiese hinter dem Nesslauer Mehrzweckgebäude zur Landung ansetzte. Im Windschatten der giftigen Bise stand ein mit Lametta, Milchschokoladen, Bisquits und elektrischen Lämpchen geschmückter Christbaum. Der Einweisposten glich innert Sekunden einem Schneemann. Der Fähnrich und die Fahnenwache standen stramm, als die Herrschaften strammen Schrittes zum Begegnungsort stapften. Doch die Kälte des Biswindes war bald vergessen, denn nach dem protokollarischen Melden rief Bundesrat Adolf Ogi die Soldaten zu sich und übergab jedem der Wehrmänner, den Vertretern des Gemeinderates und Bezirksammann Walter Gimmi ein beschriftetes Offiziermesser. Die Gemeindevertreter übergaben Adolf Ogi einen Sack voller Köstlichkeiten aus dem «Buurechoscht»-Angebot.

31. Dezember: Mosnang. Bräkers «Verdamte Näscherey». Minister Paul Widmer, Leiter der Aussenstelle der Schweizer Botschaft in Berlin, las Fragmente aus Ueli Bräkers Söldner- und Soldatenzeit. Der Referent, gebürtig aus Grämigen, zeigte sich erfreut über den Grossaufmarsch und richtete seine Begrüssungsworte in erster Linie an die prominenten Gäste aus dem Toggenburg: im Bereich Literatur Felix Kauf, Peter Weber und Rea Brändle, aus der Theaterszene Barbara Weber und aus der Musikwelt Komponist Paul Huber mit Gattin. Am 15. März 1756 begann für Ueli Bräker die beschwerliche vierundzwanzigtägige Fussreise nach Berlin. Als Bräker die Türme der Stadt sah und später zum Spandauer Tor einmarschierte, war er froh, die herrliche Stadt erreicht zu haben. «Da dacht’ ich Einfallspinsel, bringt man dich dein Lebtag nicht mehr weg.»

Vor 10 Jahren

29. Dezember: Oberhelfenschwil. Nach 17 Jahren Gemeindepräsidium übergibt er das Amt an seinen Nachfolger Toni Hässig. Im Abschiedsinterview bekennt er sich nochmals zur Selbstständigkeit seiner Gemeinde. Dies wegen der traditionellen Eigenständigkeit von Oberhelfenschwil, aber auch, weil die Gemeinde geografisch auf zwei Beinen steht: Eines im Neckertal, das andere in Richtung Thurtal. Die Selbständigkeit Oberhelfenschwils hat Holenstein bewahrt. Er hat aber auch Niederlagen einstecken müssen. So wurde sein Projekt eines Heims für minderjährige Asylbewerber im Füberg vor fünf Jahren von der Bevölkerung abgelehnt.

30. Dezember: Wattwil. Mit dem Traktor einen Misthaufen ins Gemeindehaus gekippt. Am 24. Dezember demolierte ein Bauer aus der Region mit seinem Traktor die Tür zum Gemeindehaus und schüttete ein Fuder Mist in das Foyer. Offenbar aus Unmut über einen Entscheid einer Gemeindebehörde. Alois Gunzenreiner will über die Hintergründe des Motivs keine detaillierten Angaben machen: Nur so viel: Es sei kein politisch motivierter Protest gewesen. Der Entscheid, auf den der Bauer so heftig reagierte, sei kein Gemeinderats-Beschluss gewesen, sondern ein Entscheid einer Verwaltungsstelle.

3. Januar: Neckertal. In der Silvesternacht hatten die Gemeinderäte von Mogelsberg, Brunnadern und St. Peterzell in den Weiler Furt geladen. Als letzte Amtshandlung übergaben die Gemeindepräsidenten ihre Aufgaben zuhanden der neuen Gemeinde Neckertal. Vreni Wild, abtretende Gemeindepräsidentin von St. Peterzell und neue Präsidentin der Gemeinde Neckertal, betonte, dass der Kanton St. Gallen die Gemeinden nicht zu Fusionen zwinge. Aber er erwarte, dass sie Aufgaben, die in der Zukunft gestellt werden, auch erfüllen können. Mit einem Handschlag vor dem neuen Gemeindewappen besiegelten Vreni Wild, Hans Bütikofer und Adolf Fäh die Gemeinde Neckertal.