Corona beraubte die Sharks der Aufstiegschance – nun dürfen sich die Nesslauerinnen doch noch auf die Nati B freuen

Die Damen des UHC Nesslau Sharks spielen nächste Saison in der Nationalliga B. Es ist ein Aufstieg am grünen Tisch.

Timon Kobelt
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Die Spielerinnen der Nesslau Sharks konnten im März den Sieg der 1.-Liga-Playoffs bejubeln. Der Aufstieg in die Nationalliga B erfolgte Anfang Mai am grünen Tisch.

Die Spielerinnen der Nesslau Sharks konnten im März den Sieg der 1.-Liga-Playoffs bejubeln. Der Aufstieg in die Nationalliga B erfolgte Anfang Mai am grünen Tisch.

Bild: PD

Für die erste Damenmannschaft des UHC Nesslau Sharks waren die letzten zwei Monate ein Wechselbad der Gefühle. Anfang März gewann das Team zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die 1.-Liga-Playoffs und qualifizierte sich für die Aufstiegsspiele zur Nationalliga B (NLB). Die Vorfreude war riesig.

Doch dann kam die Coronakrise und alles war anders. Alle Unihockey-Spiele wurden abgesagt. Die Sharks der Chance beraubt, in die zweithöchste Spielklasse des Landes aufzusteigen. Coach Martin Zimmermann beschreibt die Situation, als die Kunde des Saisonabbruchs in Nesslau eingetroffen ist:

«Es herrschte Totenstille in der Halle.»

Es waren unterschiedliche Gefühle, die Zimmermann beschlichen. «Wir steckten mitten in den Vorbereitungen für die Aufstiegsspiele – und dann das. Ich wusste nicht, ob ich enttäuscht oder wütend sein soll.»

Das Blatt wendet sich nochmal

Zwei Monate später ist wiederum alles anders. Die Sharks spielen kommende Saison in der NLB. Der Aufstieg am grünen Tisch wurde möglich, weil sich das Tessiner Frauenteam SU Mendrisiotto aus der Nationalliga A zurückgezogen hatte und der Qualifikationssieger der NLB, die Floorball Riders DBR, nachrutschten. Nesslau als Meister wder 1. Liga beerbt wiederum die Riders. Der Verband Swiss Unihockey ist bestrebt, die oberen Ligen voll zu besetzen.

Somit beissen sich die Nesslau Sharks trotz Saisonabbruch in der NLB fest. Selbst wenn der Aufstieg am grünen Tisch realisiert worden sei, sei er verdient, betont Trainer Zimmermann: «Wir sind bereits dreimal erst kurz vor der Qualifikationsrunde gescheitert, waren immer nahe dran. Ausserdem hat das Team eine unglaubliche Moral gezeigt und viele Spiele gedreht, die bereits verloren schienen. Der Teamgeist hat uns stark gemacht.»

Erfolgsfaktor Doppel-Trainer

Zimmermann teilt sich das Traineramt mit Mirco Bischof – ebenfalls ein Erfolgsfaktor. Zu zweit könne eine Grossfeldmannschaft besser betreut werden, betont Zimmermann, und Mirco Bischof mache seine Sache hervorragend. Er traue «seinen Mädels» auch in der NLB einiges zu, denn in Cupspielen gegen Teams der zweithöchsten Spielklasse hätten sie bereits gut mithalten können.

«Dennoch wird das Tempo eine Herausforderung werden», sagt der Trainer. Momentan überwiege die Vorfreude auf die NLB. «Das wird ein Erlebnis, das uns niemand mehr wird nehmen können. Womöglich lachen wir noch in 40 Jahren ungläubig über die Zeit in der Nati B», sagt der 42-Jährige.

Ein Car für die langen Reisedistanzen

Laut der Sportchefin des Damenbereichs Karin Scherrer ging mit dem Aufstieg ein Traum in Erfüllung. «Nesslau hat es noch nie geschafft, in einer Nationalliga zu spielen. Wir haben kein riesiges Einzugsgebiet und für einen Verein unserer Grösse ist das eine Riesenleistung», sagt Scherrer, die selbst in der Aufstiegstruppe spielt.

Verändern werde der Aufstieg nicht allzu viel, Spielerinnenlöhne würden keine fällig, weil die NLB noch nicht zum Profisport gehöre. Die Kosten könnten dennoch zunehmen. «Deshalb versuchen wir allenfalls, Spielerinnensponsoren zu suchen», so die Sportchefin. Die grösste Umstellung werde wohl der zeitliche Aufwand. Drei Trainings pro Woche sind geplant, die längeren Reisedistanzen an Matchtagen kommen hinzu. «Wir werden schauen, dass wir eine Car-Lösung finden, damit die Spielerinnen vor und nach den Spielen keine zusätzliche Energie verbrauchen», sagt Scherrer.

Keine Probetrainings möglich

Die Vorbereitungen auf die erste NLB-Saison der Sharks werden wegen des Coronavirus erschwert. Da die NLB nicht unter Leistungssport fällt, gelten keine lockereren Bedingungen für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs.

Das heisst: Zwei Meter Mindestabstand zwischen allen Personen; zehn Quadratmeter pro Person und kein Körperkontakt. Zudem kann nur in Kleingruppen von je fünf Personen trainiert werden. So schreibt es das Schutzkonzept des Verbands vor.

«Natürlich ist die Organisation schwierig. Aber es geht ja nicht nur uns so. In diesen Kleingruppen können wir zumindest die Fitness trainieren», erklärt die Sportchefin. Problematischer sei die Tatsache, dass keine Probetrainings durchgeführt werden könnten, denn man wolle sich noch mit dem einen oder anderen Transfer verstärken. «Mit den Probetrainings müssen wir warten, bis wir wieder als Team trainieren dürfen», sagt Scherrer.

Leerer Handy-Akku vor lauter Nachrichten

Das Coronavirus wirbelt nicht nur die sportliche Planung der Sharks durcheinander, sondern hat auch dafür gesorgt, dass die Damen den Aufstieg nicht feiern konnten. «Mein Handy surrte vor lauter Nachrichten, bis der Akku unten war», beschreibt Zimmermann die Situation, als die Nachricht des Aufstiegs die Runde machte. Es seien viele Fotos der Spielerinnen zirkuliert, die sich virtuell zugeprostet hätten.

«Wir werden die Feierlichkeiten auf jeden Fall nachholen», verspricht Karin Scherrer. Sie hatte ihren Mitspielerinnen die gute Nachricht mit einem kreativen Video mitgeteilt, in dem sie ihrem Freund erklärt, dass er sie nun etwas weniger sehen werde, weil sie fortan in der NLB spiele. Ein Wechselbad der Gefühle also auch hier.