Christian Rufer und Mario Ammann wollen Ebnat-Kappler Schulratspräsident werden

Sabine Schmid
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Mit Mario Ammann und Christian Rufer bewerben sich zwei Kandidaten um das Amt des Schulratspräsidenten. Vor der Wahl am 25. November treffen sich der Versicherungsberater und der Snowboardtrainer am 29. Oktober auf einem Podium.

Christian Rufer, parteilos

«Schüler sollen fit
und zukunftsfähig werden»
Weil er im Winter häufig unterwegs ist, suchte sich Christian Rufer ein Sommerhobby. Er kümmert sich um den Garten und um seine Bienen. (Bild: Sabine Schmid)

Weil er im Winter häufig unterwegs ist, suchte sich Christian Rufer ein Sommerhobby. Er kümmert sich um den Garten und um seine Bienen. (Bild: Sabine Schmid)

Die Schule in Ebnat-Kappel kennt Christian Rufer aus Elternsicht. 1999, als der älteste von drei Söhnen eingeschult wurde, zog die Familie von Interlaken hierher. Mittlerweile stehen alle Kinder im Berufsleben. «Wenn ich meine Schulzeit in Chur mit derjenigen meiner Söhne vergleiche, wäre ich gerne in Ebnat-Kappel zur Schule gegangen», sagt Christian Rufer rückblickend.

Der Gedanke, die Schule als Präsident verantwortungsvoll mitgestalten und seine Erfahrungen einbringen zu können, fasziniert ihn. Er hat sich nicht auf das Inserat der Findungskommission beworben, sondern fristgerecht seine Kandidatur bei der Gemeinderatskanzlei eingereicht. Er habe sich diesen Schritt gut überlegt und diverse Gespräche geführt, erklärt er. Das Amt würde für ihn eine berufliche Neuorientierung bedeuten.

Den Gesamtfokus nicht aus den Augen verlieren

Der gelernte Schreiner ist als Nationaltrainer durch die Olympia-Erfolge – zuletzt durch Nevin Galmarini – im Spitzensport etabliert. Im Zuge des Snowboardbooms der späten 80er-Jahre war er schon als Snowboardlehrer und einer der ersten Trainer in der Aufbauarbeit dieser Sportart tätig. Dabei beschäftigte er sich nicht nur mit der Ausbildung von zukünftigen Snowboardlehrern, sondern gestaltete dafür auch die dazu notwendigen Lehrmittel. Nach zehn Jahren im Amt trat er 2014 zurück, um im Coachingbereich zu arbeiten. Zwei Jahre später holten ihn Swiss-Ski als Trainer, Coach und Organisator zurück auf den Schnee.

Durch die Arbeit mit Spitzensportlern ist es Christian Rufer gewohnt, mit den individuellen Bedürfnissen der Menschen, aber auch mit Druck, Emotionen und dem Lösen von Konflikten umzugehen.
Parallelen zwischen Sport und Schule sieht der 50-Jährige durchaus. «Wo immer ich mit Menschen arbeite, habe ich gelernt, dass die Prinzipien der täglichen Arbeit, das Führen und die Art und Weise der Kommunikation deckungsgleich sind.» Er ist überzeugt: Fühlen sich die Lehrpersonen wohl, wirkt sich die Zufriedenheit positiv auf die Arbeit aus. Läuft etwas nicht rund, hat der Sand im Getriebe Auswirkungen auf das Ganze. «Da sind Lösungen gefragt, die ursächlich sind, Symptombekämpfung kann unter Umständen kurzfristig sinnvoll sein und helfen, nachhaltig ist sie aber nicht», betont Rufer. Teamarbeit bildet für ihn die Basis, die es ermöglicht, den Gesamtfokus zielführend im Blick zu behalten.

Mehr Eigenverantwortung und Innovation gefragt

Den Erweiterungsbau der Schulanlage Wier mit der neuen Turnhalle verfolgt Christian Rufer mit Interesse. «Die Entwicklung von jungen Menschen gilt es immer ganzheitlich zu betrachten, in sozialer, emotionaler, geistiger und körperlicher Hinsicht. Neue Räume schaffen neue Möglichkeiten für Ideen und Weiterentwicklungen». Aber auch auf Basis seines praktischen Hintergrunds wäre es für ihn spannend, diesen Neubau mit zu begleiten.

Als grösste Herausforderung für die Schule sieht Christian Rufer, dass sie ihren Beitrag dazu leistet, die jungen Menschen für die zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen, welche das Berufs- und Privatleben an sie stellt, fit zu machen. Denkbar wäre seiner Ansicht nach mit Blick in die Zukunft, dass sich die Unterrichtsform mit der fortschreitenden Digitalisierung soweit wandelt, dass die Schüler teilweise von zu Hause aus arbeiten könnten: «Dies bräuchte allerdings innerhalb des rationellen und bewährten Schulsystems eine neu erlernte Eigenverantwortung ohne Einbusse der Sozialkompetenz.»

Bei einer Wahl würde es vom 1. Januar 2019 bis zum März eine Übergangslösung geben, weil Christian Rufer den Vertrag bei Swiss-Ski erfüllen wird. Im Februar 2019 stehen mit der WM in den USA und dem Heim-Weltcup in Scuol die Saisonhöhepunkte bevor.

Mario Ammann, FDP

«Wissen vermitteln gehört zum Arbeitsfeld einer Lehrperson»
Mario Ammann hält sich gerne in der Natur auf. Er ist im Obertoggenburg aufgewachsen, lebt aber seit 25 Jahren in Ebnat-Kappel. (Bild: Sabine Schmid)

Mario Ammann hält sich gerne in der Natur auf. Er ist im Obertoggenburg aufgewachsen, lebt aber seit 25 Jahren in Ebnat-Kappel. (Bild: Sabine Schmid)

Die Themen der Schule interessieren Mario Ammann. Seit sechs Jahren ist der 49-Jährige im Schulrat. Bisher im Nebenamt, was mit sich bringt, dass seine Zeit beschränkt ist und er sich nicht mit allen Themen so in der Tiefe befassen kann, wie er es gerne möchte. Der Rücktritt des Schulratspräsidenten Pierre Joseph auf Ende Jahr biete nun nach reiflicher Überlegung die Möglichkeit, das Amt zu übernehmen und folglich mehr Zeit für diese Themen zu haben. Dass das auch eine grössere Verantwortung mit sich bringt, ist im durchaus bewusst, sagt Mario Ammann. Er sieht darin eine weitere Herausforderung, die er gerne übernehmen möchte. «Als Schulrat habe ich vorwiegend mit strategischen Entscheiden zu tun. Der Schulratspräsident hingegen ist, zusammen mit der Schulleitung, auch operativ tätig. «Dieses Arbeitsfeld ist mir als Ratsmitglied bereits bekannt», sagt er.

Schule wie früher ist nicht mehr vergleichbar

An seiner Aufgabe als Schulrat schätzt Mario Ammann die Vielfalt der Themen. Eines der Hauptthemen sei die Erweiterung der Schulanlage Wier. «Aber», schränkt er ein, «direkt involviert in die Baukommission sind von unserer Seite her der Schulratspräsident und der Schulleiter der Oberstufe. Wir Schulräte werden aber laufend informiert.» Die zukunftsorientierte Festlegung der Raumbedürfnisse liegt im Aufgabenbereich vom Schulrat.

«Wir möchten unsere Schule bezüglich der Attraktivität weiterentwickeln», sagt er. Die Lehrpersonen sind in diesem Prozess ein wichtiger Bestandteil, da die Umsetzung durch sie erfolgt. «Der Unterricht von heute ist nicht mehr vergleichbar, wie es zu unserer Schulzeit war.»

Der Vater von zwei schulpflichtigen Kindern ist überzeugt, dass sich das Aufgabenfeld der Lehrpersonen weiter wandeln wird. «Sie werden den Schülerinnen und Schülern weiterhin Grundwissen vermitteln, damit diese für eine Anschlusslösung nach der obligatorischen Schulzeit gut vorbereitet sind. Die Herausforderung wird darin liegen, wie es vermittelt wird. Es gilt den neuen Bedürfnissen gerecht zu werden, die mit all den neuen, täglich erlebten Veränderungen auf uns zukommen.»

Nicht nur Themen von heute und jetzt

Mario Ammann ist Mitglied der FDP-Ortspartei. Dass er als Schulratspräsident von Amtes wegen im Gemeinderat vertreten wäre, ist für ihn eine weitere Motivation. «Mich interessieren aber nicht nur die Themen von heute und jetzt», sagt er. Die beiden aktuell grossen Bauprojekte der Schule und des Pflegeheims Wier seien zukunftsgerichtet, ebenfalls die Diskussion um die Zentrumsgestaltung. «Sowohl als Behördenmitglied als auch als Bürger bin ich daran sehr interessiert, wie sich die Gemeinde entwickelt, bezogen auf das Gewerbe, auf den Wohnraum und wie das Zusammenleben in der Gemeinde funktioniert.»

Ein wichtiger Bestandteil dieses Zusammenlebens sind die Vereine. Von seiner langjährigen Vorstandstätigkeit beim örtlichen Fussballclub hat sich der gebürtige Obertoggenburger, der über den FC nach Ebnat-Kappel gekommen ist, gelöst. Als Mitglied der Jungendkommission sind ihm auch die Anliegen und Bedürfnisse der Jugend im Dorf bestens bekannt.

Wenn Mario Ammann am 25. November zum Schulratspräsidenten gewählt wird, geht dies mit einer beruflichen Veränderung einher. Das Pensum von 60 Prozent liesse sich aber mit einer weiteren Tätigkeit als Versicherungsberater vereinen, sagt er.