Interview
Christian Gressbach zur positiven Entwicklung der Übernachtungszahlen in der Hotellerie: «Wir müssen den positiven Elan mitnehmen»

Das Toggenburg weist für das erste Halbjahr 2019 4,4 Prozent mehr Logiernächte und 8,7 Prozent mehr Ankünfte auf als in der gleichen Periode im Vorjahr. In der Schweiz betrug der Zuwachs der Logiernächte im selben Zeitraum 1,5 Prozent, die Ostschweiz verzeichnete ein Minus von 2,4 Prozent. Christian Gressbach, Geschäftsleiter von Toggenburg Tourismus, begründet diese Entwicklung unter anderem mit den guten Wetterbedingungen im Winter.

Sabine Camedda
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Christian Gressbach, Geschäftsleiter Toggenburg Tourismus. (Bild: PD)

Christian Gressbach, Geschäftsleiter Toggenburg Tourismus. (Bild: PD)

Hemberg, Neckertal und die Obertoggenburger Gemeinden verzeichneten im ersten Halbjahr 4,4 Prozent mehr Logiernächte als 2018. Worauf führen Sie dies zurück?

Christian Gressbach: Diese guten Zahlen freuen mich als Touristiker natürlich. Sie zu erklären ist aber schwierig, denn da dürften mehrere Faktoren mitspielen. Wir hatten einen guten Winter mit viel Schnee, das bringt uns Gäste. Dazu kommt, dass das Wetter an den Wochenenden besser war als im Winter zuvor. Das ist mitentscheidend für die Gästezahlen.

Im Mai 2019 gab es einen Einbruch bei den Logiernächten, es gab sogar weniger als im Vorjahr. Warum?

Im ersten Halbjahr merken wir jeweils, wie schneeaffin die Gäste sind. Ein guter oder schlechter Winter zeigt sich in den Zahlen. Im Mai wird kein Wintersport mehr gemacht. Zwar war der Lift auf dem Chäserrugg in diesem Jahr an Auffahrt noch offen. Das hat erfreulicherweise grosse Publizität, aber keine Massen am Übernachtungstouristen gebracht. Im vergangenen Jahr fand im Mai in Alt St.Johann das Klangfestival Naturstimmen statt. Das bringt jeweils zwischen 1500 und 2000 Logiernächte.

Also kann ein einzelner Anlass grosse Schwankungen bei der Statistik mit sich bringen?

Ja, unsere Zahlen sind nicht so gross, da kann sich schon das Kommen oder das Wegbleiben von einer grösseren Gruppe niederschlagen.

Setzt man die Anzahl Logiernächte in die Relation zu den Ankünften, so hat die Verweildauer von 2,5 auf 2,4 Nächte leicht abgenommen. Entspricht das einem Trend?

Der allgemeine Trend ist, dass die Menschen kürzer verreisen, dafür öfter. Wir versuchen, gegen die Dauer anzukämpfen, denn für die Hoteliers ist es lukrativer, wenn ein Gast länger bleibt. Es braucht aber auch ein entsprechendes Angebot in der Region. Je breiter die Angebotspalette, desto länger bleibt der Gast.

Die veröffentlichten Zahlen sprechen ausschliesslich für die Hotellerie. Wie sieht die Situation bei der Parahotellerie aus?

Wir haben noch keine konkreten Zahlen zur Parahotellerie. Ich denke aber, der Trend geht in dieselbe Richtung. Bei unserer Tochterfirma Berg & Bett haben wir sehr positive Zahlen für das erste Halbjahr. Ich bin mir aber bewusst, dass dies nur einen kleinen Teil der Parahotellerie abdeckt.

Was bedeuten diese guten Zahlen für das Toggenburg als Ferienregion?

Für uns ist es erfreulich und zeigt, dass der Tourismus im Toggenburg teilweise in die richtige Richtung unterwegs ist. Wir können diesen positiven Elan mitnehmen, denn wir müssen weiter arbeiten. Gerade auch, weil der übernachtende Gast am meisten Wertschöpfung ins Tal bringt.