Interview

Chiara Scherrer aus Bütschwil: «Das Coronavirus war weit weg»

Die 24-jährige Leichtathletin – mit Spezialgebiet 3000-Meter-Hindernislauf – kehrte vor wenigen Tagen aus einem dreiwöchigen Trainingslager in Südafrika zurück. Nun verbringt sie die meiste Zeit zu Hause.

Beat Lanzendorfer
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Chiara Scherrer bleibt im Moment nichts anderes übrig als abzuwarten.

Chiara Scherrer bleibt im Moment nichts anderes übrig als abzuwarten.

Bild: PD

Wie geht es Ihnen?

Chiara Scherrer: Mir geht es gut, ich verbringe momentan die meiste Zeit zu Hause bei meinen Eltern in Bütschwil oder in meiner Wohnung in Winterthur, wo ich zwecks meines Studiums zur Zeit wohne.

Sie sind vor einer Woche aus Ihrem dreiwöchigen Trainingslager in Südafrika zurückgekehrt. Wie war der Aufenthalt?

Das Trainingslager war schön. Wir waren auf dem Land in Dullstroom, das ungefähr zweieinhalb Autostunden ausserhalb von Johannesburg auf 2000 Metern Höhe liegt. Leider konnte ich zweimal für ein paar Tage nicht nach Plan trainieren. Einmal auf Grund muskulärer Probleme und gegen Ende wegen einer Lebensmittelvergiftung, die mir doch etwas arg zugesetzt hat. 

Nichtsdestotrotz war das Lager positiv, denn ich konnte drei Wochen unbeschwert in der sonnigen Höhe, weit weg vom Coronavirus, geniessen.

Aber spürt man die Auswirkungen des Coronavirus auch in Südafrika?

Chiara Scherrer

Chiara Scherrer

Bild: Beat Lanzendorfer

Anfangs war es kaum ein Thema. In den letzten Tagen unseres Aufenthaltes wurde es jedoch immer ernster. Erst wollten wir das Trainingslager um eineinhalb Wochen verlängern, da es in Südafrika trotzdem sehr ruhig schien und weniger chaotisch als in der Schweiz und die Trainingsbedingungen weniger eingeschränkt waren. Dann änderte sich die Situation drastisch. Plötzlich wurden mehr Coronafälle in Südafrika bekannt und es wurde allen Touristen empfohlen, so schnell wie möglich nach Hause zu reisen. Der Flugverkehr wurde einige Tage später stark reduziert, somit wären wir eineinhalb Wochen später wahrscheinlich nicht mehr nach Hause gekommen.

Haben Sie noch Kontakt mit den Menschen in Südafrika? Hat sich seit Ihrer Abreise etwas verändert?

Ja, seit Donnerstag ist auch in Südafrika der Shutdown eingetreten. Es gibt zwar erst wenige Infizierte, aber die Dunkelziffer liegt bestimmt viel höher, da weniger getestet wird.

Wie ist Ihre Heimreise verlaufen?

Alles war etwas angespannt, es hatte viele Reisende, die unbedingt noch einen Flug erwischen wollten, darunter waren auch wir. Ich war sehr froh, als wir endlich in Zürich gelandet sind. Es ist immer wieder schön, in die Schweiz zurückzukehren.

Nun sind Sie wieder in der Heimat. Was ist für Sie zur Zeit noch möglich?

Ich bin momentan in Winterthur und verlasse die Wohnung nur für Einkäufe und für die täglichen ein bis zwei Trainings. Ich kann mich als Läuferin sehr glücklich schätzen, dass ich meinen Sport immer noch ausüben kann. Allerdings bin ich alleine unterwegs. Ich habe meinen Trainer und meine Trainingskameraden seit unserer Landung in Zürich nicht mehr gesehen. Was ebenfalls fehlt, ist das Krafttraining, dies muss nun durch Alternativen ersetzt werden.

Wie stark schlägt die derzeitige Situation auf Ihre Moral? Ein Sportler braucht Wettkämpfe. Die meisten Läufe, an denen Sie teilnehmen wollten, dürften abgesagt sein.

Es ist keine einfache Situation, da man als Sportler immer an Zielen festhält. Wenn die Ziele sprich Wettkämpfe ins Wasser fallen, muss man versuchen, ruhig zu bleiben und den Fokus trotzdem nicht verlieren, diesen vielleicht auf kleinere Zwischenziele lenken.

Und nun sind auch die Olympischen Spiele verschoben. Wie gehen Sie damit um?

Das sind für uns Sportler schon schwerwiegende Neuigkeiten. Schliesslich arbeitet man Jahre auf dieses Ereignis hin. Letztendlich ist der Entscheid aber vernünftig. Und anhand der Entwicklung in den letzten Wochen kommt er nicht mehr überraschend. 

Nun ist die Unsicherheit weg und wir können uns jetzt auf das kommende Jahr konzentrieren.

Wie sah denn Ihr Rennprogramm der kommenden Monate im Detail aus?

Im Mai wären zwei Steeplerennen in Deutschland geplant gewesen, ich denke nicht, dass diese stattfinden werden. Danach ist ein einmonatiger Höhenblock in St.Moritz vorgesehen. Nach diesem würden wieder Steeplerennen auf dem Programm stehen. Ich denke wir müssen nun Tag für Tag schauen und uns nicht zu stark auf Wettkämpfe fokussieren, die dann möglicherweise doch abgesagt werden.

Gibt es für Sie trotzdem einen Höhepunkt in dieser Saison?

Das könnten die Europameisterschaften Ende August in Paris sein. Das Rennen ist noch nicht abgesagt, ich hoffe, dass es stattfinden kann.

Wann glauben Sie, wird sich die Situation normalisieren?

Das kann ich nicht sagen, wenn alle ihren Teil dazu beitragen hoffentlich so bald wie möglich.