Bütschwil
Vier Jahrzehnte unter Strom: Norbert Koller arbeitete 40 Jahre beim Regionalwerk Toggenburg RWT – am Freitag hatte er seinen letzten Arbeitstag

1980 bei der damaligen Bütschwiler Dorfkorporation gestartet, hielt Norbert Koller dem Unternehmen auch nach dem Zusammenschluss mit der Energie AG Kirchberg bis zu seiner Pensionierung die Treue.

Beat Lanzendorfer
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Von der Dorfkorporation Bütschwil, über die Energie AG Kirchberg, bis zum Regionalwerk Toggenburg RWT – Norbert Koller war 40 Jahre in der Energieversorgung tätig.

Von der Dorfkorporation Bütschwil, über die Energie AG Kirchberg, bis zum Regionalwerk Toggenburg RWT – Norbert Koller war 40 Jahre in der Energieversorgung tätig.

Bild: Beat Lanzendorfer

Wer heute nicht innert Sekunden ein Smartphone zur Hand hat oder am Computer etwas Geduld aufbringen muss, weil der Aufbau einer Verbindung länger als gewohnt dauert, ist schnell genervt.

Telefone mit Wählscheibe waren noch in Betrieb

Wenn Norbert Koller hingegen über seine Anfänge im Berufsleben nachdenkt, kann er über die Probleme von heute nur schmunzeln. «Damals waren noch die Telefone mit Wählscheibe in Betrieb.» Wenn das Telefon bei der Dorfkorporation Bütschwil geklingelt habe und niemand anwesend war, wurde es zu seiner Privatadresse umgeleitet.

«In dringenden Fällen ist dann die Suche nach Norbert im Dorf losgegangen – zu Fuss oder mit dem Auto», erklärt Ehefrau Lucia lachend. Mit dem etwas gemächlicheren Tempo früherer Jahre sei man aber auch ans Ziel gekommen.

Angefangen hat der gelernte Elektriker bei der Dorfkorporation Bütschwil am 1. September 1980. Der Betriebsleiter hiess damals Paul Rutz, seine Frau Agnes erledigte die Büroarbeiten. Aus jener Zeit kommt Norbert Koller eine weitere Anekdote in den Sinn:

«Während vielen Jahren war ich mit einem grossen Buch im Dorf unterwegs und habe die Strom- und Wasserzähler abgelesen.»

Und da wäre noch die Geschichte mit den fünf Fernsehsendern: «Die Dorfkorporation hatte damals eine Gemeinschaftsantenne, über welche lediglich die drei Schweizer Sender sowie ARD und ZDF empfangbar waren.»

Grosse Veränderungen im neuen Jahrtausend

Die grossen Veränderungen hätten mit dem Wechsel ins neue Jahrtausend begonnen. Paul Rutz trat in den Ruhestand, für ihn übernahm die Betriebsleitung René Rüttimann, der heutige Geschäftsleiter des Regionalwerks Toggenburg.

In den Nullerjahren sei es zu den Zusammenschlüssen mit den Korporationen in Dietfurt, Kengelbach und Ganterschwil gekommen. Vor einem Jahrzehnt erfolgte dann die Fusion mit der Energie AG Kirchberg, womit auch der Name auf Regionalwerk Toggenburg RWT geändert habe.

War Norbert Koller bei der Dorfkorporation Bütschwil als Monteur für praktisch alle Bereiche zuständig, gehörte er bei der RWT dem Wasser-Team an.

«Durch die Grösse des Unternehmens war dies gar nicht mehr anders möglich. Die Fusion war ein weitsichtiger Entscheid.»

Er sei dankbar, dass er trotzdem einen Grossteil seiner Arbeit in Bütschwil erledigen konnte.

«Zusammen mit Otto Sutter, Köbi Egli, Josef Brändle und Daniel Koller gehörte ich einem Team an, in dem ich mich sehr wohl fühlte.» Durch den Zusammenschluss der diversen Energieversorger sei die RWT auch in der Lage, grössere Aufträge auszuführen. Norbert Koller erwähnt die Bütschwiler Umfahrungsstrasse, deren Auftragsvolumen nur mit den vorhandenen Ressourcen der RWT zu stemmen war.

Er betreut weiterhin die Dorfbrunnen

Nun tritt Norbert Koller Ende Monat seinen dritten Lebensabschnitt an. Mit einem kleinen Pensum wird er seinem langjährigen Arbeitgeber weiterhin erhalten bleiben. Er wird die Dorfbrunnen in Bütschwil, Ganterschwil und Kengelbach pflegen.

Langeweile dürfte bei ihm sowieso ein Fremdwort sein. Mit Ehefrau Lucia ist er gern wandernd oder auf dem E-Bike unterwegs. Darüber hinaus ist er ein erfolgreicher Kleintierzüchter. Kaninchen, Enten und Hühner bevölkern seine Umgebung – in früheren Jahren war er in verschiedenen Vereinen oder Verbänden als Funktionär tätig.

Und um den Reigen seiner Hobbys abzuschliessen: Er ist Koch und Grilleur mit Leidenschaft. Letzteres am liebsten im eigenen Garten mit Kollegen und Nachbarn. «Wir haben schon vor dreissig Jahren hier in der Bütschwiler Egg WM- und EM-Studios organisiert, leider ist das zurzeit ja nicht möglich».

Und dann erwähnt er noch, dass er seine Arbeit mit Freude gemacht habe und ihm die Zufriedenheit der Kunden immer sehr wichtig war. Jenes Kompliment eines ehemaligen Verwaltungsrates der Dorfkorporation Bütschwil erfülle ihn heute noch mit Stolz. Er erhielt es vor Jahrzehnten, es widerspiegle, mit welcher Einstellung er durch sein Berufsleben ging: «Ich gratuliere dir zu deiner Arbeit. Man sieht den Anlagen an, dass du deren Unterhalt sehr gewissenhaft erledigst, wie wenn es deine eigenen wären.»