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BÜTSCHWIL: «Es war kaum auszuhalten»

Mohammed Shirali geht im «b’Treff» ein und aus. Doch ursprünglich kommt er aus Afghanistan. Von dort ist Shirali gezwungenermassen geflüchtet und über Umwege in Bütschwil gelandet.
Monika Rösinger interviewt Mohammed Shirali im «b’Treff». (Bild: PD)

Monika Rösinger interviewt Mohammed Shirali im «b’Treff». (Bild: PD)

Mohammed Shirali, Sie leben seit fünf Jahren in der Schweiz, aber wo sind Sie aufgewachsen?

Ich bin in Afghanistan geboren und habe dort auf einem einfachen Bauernhof mit zwei Kühen und fünf Ziegen gelebt. Meine Mutter und meine zwei Schwestern leben noch heute dort. Als ich 15 Jahre alt war, wurden mein Vater und andere Männer aus dem Dorf von den Taliban umgebracht. Die Taliban wollten mich und andere Jugendliche mitnehmen, um uns für ihren Krieg einzuspannen. Deshalb schickte meine Mutter mich fort. Das war sehr schwierig für sie und auch für mich. Aber sonst hätte ich nicht überlebt.

Wohin gingen Sie?

Ich ging mit anderen jungen Männern in den Iran. Dort fand ich Arbeit in einem Metallbetrieb. Ich lernte schweissen und ein wenig Englisch. Acht Jahre arbeitete ich als Schweisser. Wir stellten Tür- und Fensterrahmen her. Diese Arbeit hat mir sehr gut gefallen. Als Flüchtling lebte ich dort illegal. Es war schwierig, in ständiger Angst zu leben. Als ich etwas Geld gespart hatte, ging ich zusammen mit anderen jungen Männern in die Türkei. Die Grenze kann man nur im Winter überqueren; sie ist gut bewacht. Dieser Marsch durch die Berge, im tiefen Schnee und bei grosser Kälte, war sehr schwierig und gefährlich. Ohne Papiere konnte ich auch in der Türkei nicht bleiben. Mit einem Boot gelangte ich nach Griechenland.

Wie war die Überfahrt nach Griechenland?

Die vielen Stunden auf dem Meer waren schrecklich; ich hatte grosse Angst. In Griechenland habe ich als Erntehelfer gearbeitet. Weil ich auch da nicht bleiben konnte, fuhr ich mit vielen anderen in einem Boot nach Italien. Dort waren sehr viele Flüchtlinge und so fand ich keine Arbeit. Ich war obdachlos und habe in Pärken oder auf Feldern geschlafen. Es war kaum auszuhalten.

Was hat Sie am Leben erhalten und Ihnen Hoffnung gemacht?

Ich habe in jedem Land, wenn immer möglich, gearbeitet. Das hat mir geholfen. So kann man überleben und vergisst ein wenig die Traurigkeit. Aber in Italien fand ich keine Arbeit und hatte deshalb kein Geld mehr. Ich habe mein Handy verkauft und für fünf Euro ein Billett für die kurze Strecke über die Schweizergrenze gekauft. Einige Zeit wohnte ich in einem Aufnahmezentrum. Dort fing ich an, Deutsch zu lernen. Das war sehr schwierig, weil ich in Afghanistan nie zur Schule gegangen bin. So musste ich gleichzeitig auch lesen und schreiben lernen.

Wo leben Sie jetzt?

Unterdessen arbeite ich im Ausflugsrestaurant Hulftegg als Küchenangestellter. Mittlerweile bereite ich Desserts und Salate selbstständig zu. Ein freiwilliger Begleiter vom Projekt «Zäme-Wachse» hat mir geholfen, diese Stelle zu finden. Den Deutschkurs besuche ich weiterhin einmal pro Woche. Ich freue mich, dass ich seit kurzem eine eigene Wohnung habe. Dies wurde möglich, weil ich jetzt selber für meinen Unterhalt aufkomme. Inzwischen kenne ich viele Leute in der Region und habe gute Freunde gefunden. Den Kontakt im «b’Treff» schätze ich sehr.

Welche Ziele und Träume haben Sie?

Obwohl mir die Arbeit im Restaurant gut gefällt, habe ich Träume. Ich würde gerne eine Arbeit in der Metallbranche finden und eine Familie gründen. Für mich ist es schwierig, dass ich meine Mutter und Schwestern wohl nie mehr sehen werde, aber so ist es nun mal. Ich bin froh und dankbar, dass wir leben.

Was denken Sie, ist für Menschen das Wichtigste?

Für mich sind es Freiheit und gute Freunde. (pd/mha)

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