Bürgerversammlung
Diskussionslos und einstimmig: Bürgerschaft von Ebnat-Kappel heisst das Budget 2022 gut

Die finanzielle Lage von Ebnat-Kappel ist und bleibt angespannt: Die grossen Investitionen haben Auswirkungen auf das Budget. Trotz Sparkurs rechnet die Gemeinde im kommenden Jahr mit einem Aufwandüberschuss von 1,8 Millionen Franken.

Sabine Camedda
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Doppelte Premiere: Für Gemeindepräsident Jon Fadri Huder war es die erste Bürgerversammlung, für die Schülerband der erste Auftritt überhaupt.

Doppelte Premiere: Für Gemeindepräsident Jon Fadri Huder war es die erste Bürgerversammlung, für die Schülerband der erste Auftritt überhaupt.

Bild: Sabine Camedda

Der Gemeinderat hat den Ernst der Lage schon vor Jahren erkannt: 2022 muss die Erweiterung und Erneuerung der Schulanlage Wier erstmals abgeschrieben werden, das alleine generiert Ausgaben von 780'000 Franken. So sieht die Finanzplanung für die kommenden Jahre jeweils einen Aufwandüberschuss vor, dies bei gleichbleibendem Steuerfuss von 139 Prozent.

Für das kommende Jahr beträgt dieser Aufwandüberschuss rund 1,8 Millionen Franken. Das sei um 250'000 Franken höher als in der Finanzplanung. Diese Mehrausgaben seien aber notwendig, sagte Gemeindepräsident Jon Fadri Huder an der Bürgerversammlung vom Mittwochabend.

Neue Fahrzeuge und steigende Kosten für die Gesundheit

Unter anderem brauchen die Hauswartteams neue Fahrzeuge und Arbeitsgeräte. So soll ein Rasentraktor angeschafft werden, der im Winter für die Schneeräumung auf den Schularealen Verwendung finden soll. Weiter werden ein Elektro-Kippfahrzeug gekauft und ein Elektro-Kastenfahrzeug geleast. Letzteres soll auch der Bevölkerung als Sponti-Car zur Verfügung stehen. Ausserdem muss ein Schulbus ersetzt werden.

Mit höheren Ausgaben als bisher rechnet die Gemeinde auch, weil sie neu 100 Prozent der Verlustscheine der Krankenkassenprämien übernehmen muss. Bisher finanzierte dies der Kanton mit. Die Kosten für die ambulante Pflege steigen ebenfalls. Dies begründete Jon Fadri Huder mit dem gestiegenen Bedarf. Um dies aufzufangen, soll die Nachbarschaftshilfe verstärkt werden. Dafür wird eine örtliche Koordinationsstelle von Zeitgut aufgebaut.

Weniger investieren als vorgesehen

Um die gestiegenen Ausgaben auszugleichen, hat der Gemeinderat die Investitionen gegenüber dem Finanzplan gekürzt. Diese betragen für das kommende Jahr 3,95 Millionen Franken. Drei Millionen davon sind für den Neubau des Pflegeheims vorgesehen, der Rest wird für diverse Ausgaben für die Schule und für den Anbau des Alpstalls auf der Säntisalp verwendet.

Die Verschuldung pro Einwohner von Ebnat-Kappel sei hoch, bilanzierte der Gemeindepräsident. «Das Gute daran ist, dass sich der Gemeinderat bewusst ist, dass investiert wurde.» Nun gelte es, bezüglich der Finanzen vorsichtig zu handeln. So werde der Steuerfuss von 139 Prozent gesichert.

Die Bürgerschaft unterstützt den Gemeinderat in seiner Arbeit. Von den 70 Stimmberechtigten am Mittwochabend in der evangelischen Kirche ergriff keiner das Wort, alle stimmten dem Budget zu.

Gemeinde rechnet mit Mehrkosten

Gemeindepräsident Jon Fadri Huder informierte über den Baufortschritt beim Pflegeheim Wier. Der Konkurs einer beteiligten Firma führte zu einem Baustopp von fünf Wochen. Bis deren Auftrag ausgeführt war, konnten die übrigen Unternehmen nicht weiterarbeiten. Der Konkurs und die anschliessende Neuvergabe der Arbeiten kosteten rund 220'000 Franken.

Das sind aber nicht die ganzen Mehrkosten: Die besondere Entsorgung von Aushubmaterial und ein schwieriger Baugrund, wegen dem die Bodenplatte in einem anderen System als geplant erstellt werden musste, führten zu weiteren ungeplanten Ausgaben. Nach aktuellen Schätzungen verteuert sich der Neubau des Pflegeheims um 7 Prozent, was ohne Teuerung einer Summe von 2,7 Millionen Franken entspricht. Ob die Bürgerschaft einen Nachtragskredit erteilen muss, sei derzeit noch offen, sagte Jon Fadri Huder. (sas)

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