Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Bündner Schriftsteller Arno Camenisch bei Lesung in Kirchberg: «Der Schnee ist schon seltener geworden als Kokain»

Arno Camenisch sorgte zusammen mit dem Musiker Roman Nowka bei seiner Lesung nicht nur für volle Ränge in der Bibliothek Kirchberg, sondern auch für Begeisterung.
Sascha Erni
Arno Camenisch las aus seinem Roman «Der letzte Schnee». Roman Nowka (links) umrahmte die Lesung musikalisch. (Bild: Sascha Erni)

Arno Camenisch las aus seinem Roman «Der letzte Schnee». Roman Nowka (links) umrahmte die Lesung musikalisch. (Bild: Sascha Erni)

Die Bibliothek der Gemeinde Kirchberg war am Montag bis auf den letzten Platz ausverkauft. Vreni Metzger und ihr Team hatten zu einem besonderen Abend eingeladen: Der mehrfach preisgekrönte Schriftsteller Arno Camenisch las zur Musik des Gitarristen Roman Nowka aus seinem aktuellen Buch «Der letzte Schnee».

Für die beiden Wahl-Bieler war es der erste Besuch in Kirchberg. Für viele im Publikum aber nicht die erste Begegnung mit Arno Camenisch; bereits vor der Lesung diskutierten die 60 Gäste angeregt über frühere Auftritte und Bücher des Bündner Autors. Die kollektive Vorfreude sollte an diesem Abend nicht enttäuscht werden. Arno Camenisch und Roman Nowka legten ein Programm vor, das mit einer gekonnten Mischung aus Witz und Schwermut zu begeistern wusste.

Zwei Männer am Skilift

Die Prämisse war schnell erklärt: Paul und Georg hüten einen Skilift irgendwo im Bündnerland. Aber der Klimawandel stellt ein Problem dar – «Der Schnee ist schon seltener geworden als Kokain», liess Arno Camenisch die Protagonisten in seinem Prolog sinnieren. Die Touristen bleiben aus, was den beiden Männern Zeit gibt, über sich, die Gesellschaft und die Welt nachzudenken. Wo denn genau der erste Schlepplift gestanden haben soll, diskutieren etwa die Zwei, und kommen zum Schluss: Der Bügellift ist sowieso die ehrlichste Form, den Hügel hochzukommen. Ein Gespräch über den rothaarigen Eventual-Sohn des Dorfpfarrers führt schnell zu Georgs Bedauern, keine Enkel zu haben. Überhaupt scheint Georg von einer gewissen Melancholie ergriffen zu sein, immer wieder lenkt er die Gespräche mit dem jungen Paul in Richtung Tod und Verderben. Als Paul dem Publikum von einer Beerdigung berichtet, fragt man sich unweigerlich: Hat es Georg erwischt? Aber es soll dann doch alles ganz anders kommen.

Arno Camenisch gab dem Publikum mit seiner Lesung in 15 kurzen Szenen Einblick ins Leben und vor allem ins Denken der beiden Männer, die bei allen Alters- und Gemütsunterschieden doch sehr viel gemeinsam haben. Arno Camenisch zeichnete seine Figuren mit spitzer Feder, gab ihnen durch die Dialoge überzeugende Charakter, quasi ein Gesicht. Der oft schwarze Humor brachte das Publikum zum Lachen, die beschriebenen alltäglichen Absurditäten stimmten nachdenklich. Dabei blieb Arno Camenischs Witz hintergründig, nie bösartig. Und man merkte: Georgs Schwermut dürfte auch in der privaten Gefühlswelt des Autors nichts Fremdes sein.

Grenzen zur Realität verschwimmen

Arno Camenisch rezitierte eindringlich und bildhaft. Fast jede der Szenen ergänzte er mit persönlichen Anekdoten oder trat in den Dialog mit dem Publikum, womit die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwamm. Roman Nowkas Gitarre begleitete die Lesung nicht nur, die Musik ergänzte sie. Oft mit getragenen Moll-Klängen, aber immer mit Rhythmus und Melodie, erschuf Nowka eine klangliche Weite, welche die zwei Protagonisten noch einsamer an ihrem Skilift warten liess, als es Arno Camenischs Worte bereits taten. Musik zu einem Roadmovie, in dem die Protagonisten stillstehen.

«Keine Bange, das war nur gut ein Fünftel des ganzen Buches», scherzte Arno Camenisch vor der Zugabe. Diese hatte es in sich, der Autor gab zu Roman Nowkas Musik Spoken-Word-Songs zum Besten – auf Deutsch, Italienisch und natürlich Rätoromanisch. Nach eineinhalb Stunden ging der gelungene Abend zu Ende, und Camenisch und Nowka machten sich mit dem letzten Schnee weiter auf die Reise: Im Anschluss an den Auftritt in Kirchberg ging es direkt nach Heidelberg.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.