Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Wo Senioren und Seniorinnen gemeinsam lesen, Kaffee trinken und tratschen

Einmal im Monat treffen sich rund ein Dutzend Seniorinnen und Senioren in der Bibliothek Bütschwil. Diskutiert werden die aktuellen Bücher, aber auch das Neuste aus dem Dorfe.
Corinne Bischof
Zwei Seniorinnen tauschen sich über den Kriminalroman «Klausjäger» von Silvia Götschi aus. (Bild: Corinne Bischof)

Zwei Seniorinnen tauschen sich über den Kriminalroman «Klausjäger» von Silvia Götschi aus. (Bild: Corinne Bischof)

Draussen regnet es in Strömen, als die ersten Seniorinnen und Senioren die Bibliothek in Bütschwil betreten. Wie jeden ersten Freitag im Monat ist auch der heutige Nachmittag ganz der ältesten Generation gewidmet. Die Bibliothek ist passend zum Ferienstart sommerlich geschmückt und erinnert an den Süden und das Meer. Die beiden Bibliothekarinnen Franziska Schläpfer und Andrea Hollenstein begrüssen die Damen und Herren. Man merkt, dass sie zu jedem der Senioren und jeder der Seniorinnen eine ganz persönliche Beziehung pflegen.

Als Kind wurde heimlich unter der Bettdecke gelesen

«Kannst du mir ein Buch empfehlen? Aber keines für Alte!», fragt eine Seniorin aufgeregt und verschwindet kurz darauf in den hohen Bücherregalen der Bibliothek. Seit zehn Jahren kommt sie regelmässig am ersten Freitag im Monat hierher, um ein Buch für den nächsten Monat auszuleihen. Mehr als ein Buch pro Monat, das schaffe sie nicht. «Es gibt aber andere, die sind ganz fleissige Leserinnen», meint sie flüsternd und deutet auf eine der anderen Seniorinnen, die mittlerweile die Bibliothek betreten hat.

Diese geht gerade mit einem Stapel von vier oder fünf Büchern zum Ausleihe-Pult. «Gelesen habe ich schon immer gerne, auch als Kind. Fast jede Nacht habe ich damals heimlich unter der Bettdecke mit einer Taschenlampe gelesen», erzählt sie mit einem verschmitzten Grinsen.

Die Seniorenbibliothek ist fix in der Agenda eingetragen

Der Raum füllt sich immer mehr und mehr. Die Seniorinnen und Senioren begrüssen sich herzlich und unterhalten sich lachend zwischen den Bücherregalen. Es erinnert an ein Klassentreffen, es sind alles alte Bekannte. Man kennt sich untereinander vom Dorf, trifft sich ab und zu zufällig beim Einkaufen, in der Kirche oder beim Spazierengehen. Nur der erste Freitag im Monat, der ist in der Agenda der Seniorinnen und Senioren fix eingetragen. «Ich bin hauptsächlich wegen der Bücher hier. Aber natürlich auch wegen der Leute, um sich zu unterhalten und gemütlich zusammenzusitzen», meint eine der Seniorinnen. Nicht selten kommt es vor, dass jemand ein Buch mitbringt und der Runde empfiehlt. «Manchmal haben sie recht, und das Buch ist wirklich ganz toll. Manchmal aber bin ich auch ein wenig enttäuscht vom Buch», sagt eine Seniorin und rundherum wird ihr zugestimmt.

«Tod auf dem Klangweg» ist heiss begehrt

Ein Buch ist momentan besonders hoch im Kurs bei den Seniorinnen und Senioren. Es ist der Kriminalroman «Tod auf dem Klangweg», von der Toggenburgerin Regula Stadler. Das Buch sei grosse Klasse, meinen die Seniorinnen und Senioren und sind ausnahmsweise einmal gleicher Meinung. «Das ist bereits der fünfte Krimi, der im Toggenburg spielt und den ich gelesen habe», sagt eine Seniorin stolz. Krimis seien sowieso ihre Lieblingsbücher. Da schüttelt die Dame neben ihr heftig den Kopf. «Krimis sind mir meistens zu krass», meint sie. Nach einer kurzen Weile fügt sie hinzu: «Liebesromane sind mein Ding. Ich habe es gerne, wenn es romantisch wird.»

Zwischen Alltag und alten Erinnerungen

Nach und nach nehmen alle Seniorinnen und Senioren am grossen Tisch in der Mitte des Raumes Platz. Jetzt gibt es Kaffee und Kuchen – wie immer. Auch hier diskutieren die zehn Frauen und zwei Herren über dies und das. Es wird über die Beerdigung vom Vortag gesprochen, über Grosskinder, das Dorfleben und natürlich über Bücher und alte Erinnerungen an «Barry», das «Rössli Hü» und «die SJW-Hefte für 40 Rappen», die sie damals in der Schule lesen mussten.

Eines ist klar: Die Seniorinnen und Senioren sind sehr dankbar für die «Bibliothek 60+», wie sie den Freitagnachmittag nennen. «Es ist schön, einen Platz für Austausch und Gespräche zu haben. Lesen hält uns im Alter fit.» Die beiden Bibliothekarinnen Franziska Schläpfer und Andrea Hollenstein sorgen dafür, dass sich die Seniorinnen und Senioren wohlfühlen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.