Brunnadern
Open Ear Festival: Familiär und gemütlich – und das seit 2012

Am Samstag feierte das Open Ear Festival sein zehnjähriges Bestehen. Über 100 Gäste trotzten mit Musik und bester Laune dem wechselhaften Wetter.

Sascha Erni
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Das Open Ear findet alljährlich in Brunnadern zwischen Bahnviadukt und Necker statt.

Das Open Ear findet alljährlich in Brunnadern zwischen Bahnviadukt und Necker statt.

Bild: Sascha Erni

Geschützt vor dem Regen erfasste das Team vom Open Ear Festival am Samstag die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher. Dann gab es ein Stück grüne Weidezaun-Schnur ums Handgelenk.

«Viel Spass! Dort bekommst Du Kaffee, da vegetarische Pizza, und falls Du eine Wurst möchtest, kannst Du sie dort an den Feuerstellen grillieren.»

Und schon war man mitten im vielleicht freundlichsten Open Air, das die Region zu bieten hat. Am frühen Abend hatten sich an die 120 Menschen auf der Wiese neben dem Jugend-Café in Brunnadern eingefunden, bis in die Nacht sollten es gut 200 werden.

Familien mit Kindern und alte Bekannte fanden sich ein, um dem Sturmtief «Bernd» und der Pandemie zu trotzen. Dass das Festival eher klein ist, sei in der gegenwärtigen Situation ein Vorteil, erklärte Kevin Jaggi vom Organisationskomitee: «Wir können das Festival seit zehn Jahren tutsch gleich durchziehen.» Und tatsächlich musste das Open Ear nie abgesagt oder verschoben werden, Seuchen und Regenwetter hin oder her.

Eine etwas grössere Gartenparty zwischen Bahnviadukt und Fluss

Kevin Jaggi.

Kevin Jaggi.

Bild: Sascha Erni

Entstanden ist das Festival vor zehn Jahren auf Initiative einer Gruppe junger Neckertaler, erzählte Jaggi.

«Wir haben uns regelmässig im Jugend-Café getroffen und fragten uns dann spontan, ob wir nicht eine etwas grössere Gartenparty veranstalten könnten.»

Und so blieb das Open Ear Festival dann zehn Jahre lang ein sehr familiärer, freundschaftlicher Anlass. Aber mit musikalischem Anspruch, denn seit 2012 lädt das Organisationskomitee hochkarätige Acts ein.

Die Band Kaufmann eröffnete am Samstag Nachmittag das Festival.

Die Band Kaufmann eröffnete am Samstag Nachmittag das Festival.

Bild: Sascha Erni

Ob Stahlberger, Kutti MC, Sebastian Bill oder letztes Jahr Bright und Sam Himself – sie alle standen auf der Wiese zwischen Necker und Viadukt. Die Auswahl trifft das Organisationskomitee gemäss dem eigenen Geschmack, so Kevin Jaggi. Das führe jedes Jahr zu einem wilden Mix an musikalischen Genres.

Stetigkeit seit zehn Jahren

So auch dieses Jahr. Auf den rockig-relaxten Sound von Kaufmann folgten Reggae-Rhythmen der Luzerner Band Basement Roots. Den Abschluss des Abends gestaltete das Duo Catalyst, zuvor feierte allerdings noch Bungle Brothers Plattentaufe.

Basement Roots sind aus Luzern an den Necker gereist.

Basement Roots sind aus Luzern an den Necker gereist.

Bild: Sascha Erni

Eigentlich hätten sie die Taufe schon vor einiger Zeit machen wollen, aber dann sei ihnen Corona in die Quere gekommen. Als das Open Ear die Band einlud, sei schnell klar geworden, dass die Plattentaufe perfekt zum eigenen Jubiläum passen würde. «Sie sind sowieso quasi unsere Haus-Band», sagte Kevin Jaggi und lachte.

Die Planung des Festivals verlief laut Jaggi kurzfristig. «Wir warteten den Bundesratsentscheid vom 26. Juni ab, zwei Tage später legten wir dann los.»

Wie so viele kleinere Festivals setzt das Open Ear auf Freiwilligenarbeit. Das Kernteam ist laut Jaggi noch dasselbe wie 2012, und auch viele der freiwilligen Helferinnen und Helfer packten seit zehn Jahren regelmässig zu. Auf Sponsoring möchte das Festival grundsätzlich verzichten.

«Wir wollen keine Werbung auf dem Gelände.»

Halt so, wie es sich für eine Gartenparty gehört.

Musikalisches Klassentreffen

Zwei Festivals während einer Pandemie, dieses Jahr auch noch unter sehr wackligen Wetterumständen – vergeht einem da nicht die Lust, alljährlich so viel Arbeit auf sich zu nehmen? Kevin Jaggi winkte ab. Nicht nur fürs Team, sondern auch die Gäste sei das Open Ear zu einer Tradition geworden: Egal, ob sie nach ihrer Jugend aus dem Toggenburg nach Zürich oder ins Emmental gezogen sind, oft würde das Open Ear wie ein Klassentreffen funktionieren.

Der eine Tag im Jahr also, an dem sich alte Freunde wiedersehen können. Wenn die Freiwilligen und das Organisationskomitee nochmals zehn Jahre weitermachen, stünde es sehr gut um die längerfristige Zukunft des Open Ear, schmunzelte Kevin Jaggi. «Denn dann können langsam unsere Kinder übernehmen.»