Interview
Bruggekino in Brunnadern feiert einen runden Geburtstag – Das Kernteam ist sich einig: «Es braucht Filme fürs Gemüt, keine Gewalt»

Fast wäre es untergegangen. Und jetzt gibt es das Bruggekino auf der alten Holzbrücke über den Necker seit 20 Jahren.

Michael Hug
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Sie sind das Kernteam: (von links) Anni Bleiker, Yvonne Napf und Monika Schwitter (Bild: Michael Hug)

Sie sind das Kernteam: (von links) Anni Bleiker, Yvonne Napf und Monika Schwitter (Bild: Michael Hug)

Das Bruggekino Brunnadern feiert seinen 20 Geburtstag mit zwei Filmen und einem Konzert mit der Schlorzi Musig. Das «Toggenburger Tagblatt» hat mit den drei Frauen, das Kernteam des Bruggekinos, über ihre Begeisterung für das Pop-up-Kino auf der Holzbrücke gesprochen.

Dass Bruggekino wird 20 Jahre alt. Hätten Sie gedacht, dass die Idee nachhaltig ist?

Anni Bleiker: Nein, so weit haben wir nicht gedacht. Wenn man so etwas macht, dann denkt man nicht darüber nach, wie lange es anhält. Man nimmt sich den Anlass vor, der gerade ist, und schaut danach, ob es im nächsten Jahr wieder eins gibt.

Yvonne Naef: Wir waren alle nicht von Anfang dabei. Ich selbst habe das Bruggekino die ersten Jahre nicht besucht, obwohl ich hier wohne. Erst als ich vor fünfzehn Jahren ins Kernteam kam, war ich zum ersten Mal in der Vorstellung.

Zwanzig Jahre Erfolg mit einem einfachen Konzept. Gab es Schwierigkeiten?

Anni Bleiker: Nach den ersten vier Jahren wurde einmal ausgesetzt. Das war beim Übergang von den Gründern Maura Facci und Peter Kühner zum Kulturforum Brunnadern. Da wäre das Bruggekino fast untergegangen.

Monika Schwitter: Ich glaube, am Anfang war es vor allem für die Kinder gedacht. Die Werbung im Dorf hielt sich in Grenzen, nur in den Schulen hat es sich herumgesprochen. Damit haben es die Eltern gewusst, aber alle anderen nicht. Deshalb kam am Abend eher wenig Publikum.

Yvonne Naef: Die Kindervorstellung ist uns immer noch wichtig. Wir sind stolz darauf, dass mittlerweile immer gegen 60 Kinder da sind. Ich erinnere mich, dass schon so viele Kinder gekommen sind, dass wir zusätzlich Sirup kaufen und Popcorn machen mussten. Für die Kinder war es schon damals gratis und ist es immer noch.

Wer kommt denn heute an die Abendvorstellung?

Monika Schwitter: Mittlerweile kommen die Leute aus der ganzen Umgebung. Einheimische und solche, die hier zu Besuch sind, Ferienhausbesitzer und Camper vom Zeltplatz. Auch die Eltern der Kinder, die am Nachmittag da waren, kommen am Abend wieder. Und wir haben auch festgestellt, dass bei bestimmten Filmen wie der Schellen-Ursli am Nachmittag die Leute vom Altersheim herüberkommen. Für die Erwachsenen ist es allerdings nicht gratis. Dafür können sie mit dem gelösten Nachmittagsticket auch am Abend hinein.

Ihr Trio ist mittlerweile seit zehn Jahren gut eingespielt?

Anni Bleiker: Wir drei sind teilweise seit mehr als zehn Jahren das Kernteam. Wir sind kein Verein, aber wir sind finanziell selbsttragend und unabhängig. Ideell haben wir das Kulturforum im Rücken, das vor 15 Jahren auch den Anstoss zur Weiterführung gab.

Yvonne Naef: Ohne Helfer geht es natürlich nicht. Da haben wir seit Jahren treue Leute. Zehn Männer und mit uns acht Frauen, die vom Aufbau am Morgen bis zum Aufräumen um Mitternacht da sind.

Anni Bleiker: Da kommt mir in den Sinn, dass ich in meinen fünfzehn Jahren noch nie einen Film in der ganzen Länge gesehen habe.

Aber beim Essen und Trinken haben Sie sich immer catern lassen?

Anni Bleiker: Das Essen kommt meistens von Hobbyköchen. Dieses Mal kommen die Laienköche «Aromats» aus Degersheim. Es gibt wie immer ein film-thema-gerechtes Menu. Weil der Film «Klopse braucht der Mensch» läuft, gibt es diesmal Klopse, also Knödel, zum Znacht.

Wer liest die Filme aus und wie geschieht das?

Monika Schwitter: Wir drei lesen die Filme aus. Manchmal hat eine von uns eine Idee, oder eine Idee wird von aussen an uns herangetragen. Es müssen einfach Filme sein, die unterhalten, Alt und Jung ansprechen, Filme fürs Gemüt, keine Gewalt. Sie müssen in erster Linie uns gefallen – und sie müssen bezahlbar sein.

Muss man die Filme bezahlen?

Anni Bleiker: Natürlich. Das ist megakompliziert. Man bezahlt nicht den Film, sondern die Rechte, um ihn vor Publikum vorzuführen. Man kann nicht einfach einen DVD von daheim vorführen. Zuerst muss man herausfinden, wer die Rechte am Film hat. Das steht meistens auf der DVD-Hülle oder man recherchiert im Internet. Es gibt keine Organisation wie bei Büchern oder Musik. Man verhandelt direkt mit dem Rechteinhaber. Manchmal will der auch zu viel, dann lässt man es halt sein. Manchmal gibt es ihn nicht mehr, wegen Konkurs zum Beispiel. Übrigens muss man für das Vorführrecht auch bezahlen, wenn man keinen Eintritt verlangt. Es gibt aber auch Agenturen, die lassen mit sich reden und manchmal verlangen sie auch nichts – wenn es um Kinderfilme geht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Bruggekinos Brunnadern?

Yvonne Naef: Dass es so bleibt, wie es ist. Es hat eine schöne, kleine Grösse, überschaubar, die Wege für uns alle sind kurz, und es sind immer schöne, gemütliche Abende, auch wenn es einmal regnet. Wünschen würde ich mir höchstens, dass immer wieder mal eine neue Helferin oder ein neuer Helfer mitmacht.

Anni Bleiker: Dieses Jahr ist der Anlass wegen des Jubiläums grösser. Wir haben am Nachmittag die Schlorzi Musig bei uns und darum fängt die Kindervorstellung schon um 13.30 Uhr an. Im nächsten Jahr gehen wir wieder auf die normale Grösse zurück: ein Kinderfilm, ein Erwachsenenfilm, dazwischen ein guter Znacht.

Hexe, Klopse und Schlorzi

Das Bruggekino auf der alten Holzbrücke in Brunnadern findet am Samstag, 17. August, statt. Der Film «Die Kleine Hexe» startet um 13.30 Uhr, die Formation Schlorzi Musig spielt um 16.30 Uhr. Der Film «Klopse braucht der Mensch» mit Dieter Hallervorden beginnt um 20.30 Uhr.

Das Nachtessen, passend zum Film, wird um 18.30 Uhr aus der Küche der «Aromats» aus Degersheim serviert. Der Anlass findet bei jedem Wetter statt. Tickets gibt es an der Abendkasse. Weitere Informationen unter www.brunnadern.ch.