Umfahrung Wattwil: Die Thurbrücke muss Ende Jahr fertig sein

An verschiedenen Abschnitten der zweiten Etappe der Umfahrung Wattwil sind Erdbauarbeiten im Gang. Fertiggestellt ist schon die Brückenplatte der Thurbrücke.

Martin Knoepfel
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Einige Segmente der Brücke über die Thur und die Bahn sind schon betoniert, hier sieht man noch die Schalungen und die Spannkabel. (Bild: Martin Knoepfel)

Einige Segmente der Brücke über die Thur und die Bahn sind schon betoniert, hier sieht man noch die Schalungen und die Spannkabel. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Betonelemente sehen aus wie Panzersperren. Allerdings baut man in der Schweiz keine solchen Sperren mehr. Am Steilhang wären sie ohnehin nutzlos. Die Betonelemente gehören zu den Felsankern, die den Abhang unterhalb der Rickenstrasse bei der Brendi in Wattwil stabilisieren sollen. Fast auf der ganzen Länge des Trassees sind gegenwärtig Erdarbeiten für die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil im Gang.

Flachere Steigung wegen des Schnees

Oberhalb der Rickenstrasse wird beim Ende des Iberg-Tunnels der Hang abgetragen. Die Einmündung werde durch einen Kreisel ersetzt, sagt Ruedi Vögeli, Leiter Kunstbauten im kantonalen Tiefbauamt. Der Kreisel erhält einen Bypass für die Fahrzeuge, die von der Umfahrung in Richtung Ricken fahren.

Keine Häufung von Unfällen nach neuer Vortrittsregelung

Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil wurde die Vortrittsregelung bei der Einmündung vom Iberg-Tunnel in die Rickenstrasse geändert. Fahrzeuge, die auf der Rickenstrasse unterwegs sind, haben den Vortritt vor denjenigen Fahrzeugen, die aus dem Iberg-Tunnel kommen.

Wie Florian Schneider, stellvertretender Leiter Kommunikation der Kantonspolizei antwortete, gab es bisher keine Häufung von Unfällen. Einen möglichen Rückstau im Tunnel erachtet die Kantonspolizei laut Florian Schneider nicht als problematisch, da die Geschwindigkeit bereits vor der Biegung am Ende des Tunnels reduziert wird. Es liege in der Verantwortung der Verkehrsteilnehmer, die Geschwindigkeit so anzupassen, dass sie auf Gefahren reagieren könnten, hiess es. (mkn)

Der Bypass wird so gestaltet, dass die Steigung im Vergleich zu heute milder ist. Das geschehe, da die Lastwagen bei Schneefall auf der Rickenstrasse Mühe hätten, sagt Ruedi Vögeli. Gebaut wird ferner eine Forststrasse. Der Kreisel erhält etwa anderthalb Meter hohe Betonwände. Sie sollen verhindern, dass Fahrzeuge über den Rand des Kreisels hinabstürzen. Zugleich dienen sie als Lärmschutz fürs Brendi-Quartier.

Von der Brendi in Richtung Bleiken wird die neue Strasse auf einem langen Viadukt am Abhang unter der Rickenstrasse verlaufen. Das geschützte Moor in der Ebene durfte nicht tangiert werden. Äste, die beim Holzschlag liegen blieben, müssen laut Ruedi Vögeli von Hand abtransportiert werden, da der Bewirtschaftungsweg nur im Winter befahren werden darf.

Der Einschnitt vor dem Nordportal des Lochweidli-Tunnels. Die Bagger stehen etwa auf der Höhe der künftigen Fahrbahn. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Einschnitt vor dem Nordportal des Lochweidli-Tunnels. Die Bagger stehen etwa auf der Höhe der künftigen Fahrbahn. (Bild: Martin Knoepfel)

Weiter talaufwärts wird die Umfahrungsstrasse die Schönenbergstrasse in einem sieben Meter tiefen Einschnitt unterqueren, bevor sie durch einen Einschnitt das Nordportal des Lochweidli-Tunnels erreicht.

Mehr als ein Drittel auf Kunstbauten

Die 2. Etappe der Umfahrung Wattwil führt von der Brendi in Wattwil bis zur Stegrüti in Ebnat-Kappel. Sie ist 3,354 Kilometer lang und schliesst die Lücke zwischen den bestehenden Umfahrungen von Wattwil und Ebnat-Kappel.

Neun Prozent der neuen Strasse verlaufen im Tunnel und weitere 25 Prozent auf Brücken. Die längste Brücke führt mit 365 Metern über die Thur und die Eisenbahnstrecke Wattwil-Nesslau. Die zweitlängste Brücke über den Rickenbach erreicht noch 95 Meter. Daneben werden weitere kleine Brücken und Bachdurchlässe erstellt.

Die 2. Etappe der Umfahrung Wattwil wird mit Höchstgeschwindigkeiten von 60 und 80 Kilometern pro Stunde befahrbar sein. Die neue Strasse wird als vignettenfreie, zweispurige Autostrasse gebaut. Die Baukosten belaufen sich – Stand Ende 2008 – auf 124,05 Millionen Franken. (mkn)

An einem Tag 16 Stunden lang betoniert

Vom Südportal des Tunnels bis zur Überführung Scheftenau-strasse verläuft die Umfahrung in einem Einschnitt. Dann folgt ein bis zu sechs Meter hoher Damm. Er reicht bis zur Brücke über die Thur und die Südostbahn. Die Brücke wird in Segmenten erstellt. Am 27. März wurden von fünf Uhr morgens bis neun Uhr abends rund 950 Kubikmeter Beton für den Überbau der grössten Etappe der Brücke verarbeitet. Die Brücke verläuft in einer Kurve. Wenn man auf der Brückenplatte steht, sieht man die Überhöhung der Aussenseite deutlich.

Die Holzelemente der Schalungen – es handelt sich um Käferholz aus dem Zürcher Weinland – sind rund drei Meter lang und zehn Meter breit. Sie werden in einer Sägerei vorgefertigt und fertig in die Stegrüti transportiert. Auf der Baustelle hebt ein Kran sie aufs Leergerüst. Die Thurbrücke sei für eine Nutzungsdauer von 80 bis 100 Jahren konzipiert, sagt Ruedi Vögeli.

Schon früher wurde eine Hilfsbrücke über die Thur gebaut. Sie ist laut Ruedi Vögeli für 40 Tonnen Last konzipiert, bog sich aber nicht durch, als ein 100 Tonnen schweres Bohrgerät darüber fuhr. Die Hilfsbrücke ist für Spaziergänger zugänglich.

Nachträglich andere Erschliessung der Baustelle

In der Stegrüti schliesst die Umfahrung Wattwil mit einem weiteren Kreisel an die Umfahrung Ebnat-Kappel an. Zudem wird es eine Zufahrt vom Kreisel zur Kappelerstrasse geben.

Zuerst war geplant, die Baustelle für die Thurbrücke über den Thurweg zu erschliessen. Offenbar lag diese Variante so öffentlich auf. Später kam man mit Rücksicht auf Spaziergänger und Hundehalter davon ab und erstellte eine Baupiste, die von der Kapplerstrasse abzweigt und die Bahnlinie ins Obertoggenburg quert. Ruedi Vögeli windet der Südostbahn ein Kränzchen, da diese sehr rasch zugestimmt habe, einen provisorischen Bahnübergang zu erlauben. Ein Bahnwärter schliesse die Tore vor jeder Zugdurchfahrt und abends bei Arbeitsschluss, sagt Ruedi Vögeli.

Die Eröffnung ist für 2022 geplant

Die Strassenbauarbeiten erledigt die Firma Toneatti. Den Auftrag für die Thurbrücke hat die Strabag erhalten. Die Tunnelbauarbeiten sind noch nicht vergeben. Trotz der starken Schneefälle im letzten Winter sind die Bauarbeiten laut Ruedi Vögeli bisher im Zeitplan, auch bei der Thurbrücke, die Ende Jahr fertig sein müsse. Der erste Spatenstich für die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil war letzten Sommer. Die Eröffnung ist für 2022 geplant.

Im Raum Schönenbergstrasse liegt eine ehemalige Kehrichtdeponie der Gemeinde Wattwil. Bisher wurde die Deponie nach Auskunft von Ruedi Vögeli nicht tangiert. Der Kanton versucht natürlich, keine Altlasten auszugraben, die dann teuer entsorgt werden müssten.