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Borkenkäfer sorgt im Toggenburg für Ärger

Wintersturm Burglind und die Trockenheit der vergangenen Monate waren ideal für die Fortpflanzung des Borkenkäfers. Die Folgen sind unangenehm – auch was den Preis des Rundholzes betrifft, er ist im Keller.
Beat Lanzendorfer
Marco Signer (links) und Thomas Amrhein vor einer gefällten Fichte. Sie ist vom Borkenkäfer befallen, weshalb die Rinde abgefallen ist. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Marco Signer (links) und Thomas Amrhein vor einer gefällten Fichte. Sie ist vom Borkenkäfer befallen, weshalb die Rinde abgefallen ist. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Er ist klein, hat eine Länge von etwa fünf Millimetern, kann aber grosse Schäden anrichten. Die Rede ist vom Borkenkäfer, dessen Population sich in den vergangenen Monaten zur Plage entwickelt hat. Marco Signer, Förster des Forstreviers Kirchberg, spricht gar von teilweise dramatischen Auswirkungen.

Trockenes Wetter ist idealer Nährboden

«Kaum hatte das Jahr begonnen, ist Wintersturm Burglind am 2. und 3. Januar mit ungeheurer Wucht über Europa gezogen und hat enorme Verwüstungen im Wald hinterlassen. Dessen Schäden konnten wir bis im Frühjahr so gut als möglich aufräumen.»

Der Borkenkäfer ist mit seinen fünf Millimetern Länge kaum zu sehen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der Borkenkäfer ist mit seinen fünf Millimetern Länge kaum zu sehen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Trotzdem habe sich abgezeichnet, dass die Bedingungen für eine überdurchschnittliche Borkenkäfer-Population geradezu perfekt sind. Die Kombination von Sturmholz/trockenem Frühling sei ideal für den Borkenkäfer, der im Boden überwintert und bei Temperaturen zwischen 16 und 17 Grad aktiv wird.

Er fliegt dann aus, bohrt sich in geschwächte Bäume und legt unter der Rinde seine Eier ab. Dessen Larven fressen sich ebenfalls durch die Rinde und fliegen aus – der Kreislauf beginnt von neuem. Befallene Bäume verlieren die Rinde und vertrocknen – sie müssen gefällt werden.

Die Waldschäden sind enorm

Laut Signer dauert ein Zyklus, in dem eine neue Borkenkäfergeneration ihre Geschlechtsreife erlangt, rund sieben Wochen. «Das reicht in einem normalen Sommer für zwei Zyklen, in höheren Lagen wie dem Obertoggenburg in der Regel für einen.

Weil die letzten Monate aber extrem trocken und heiss waren, haben wir festgestellt, dass sich der Borkenkäfer sogar dreimal fortgepflanzt hat.» Dies hat zur Situation geführt, wie sie sich aktuell darstellt. Signer spricht von einer eigentlichen Borkenkäferplage, die im Wald Schäden von ungeheurem Ausmass anrichtet.

Die Gänge des Borkenkäfers sind bei der befallenen Rinde gut sichtbar. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Gänge des Borkenkäfers sind bei der befallenen Rinde gut sichtbar. (Bild: Beat Lanzendorfer)

«Allein im Forstrevier Kirchberg sind 1300 Kubikmeter Wald befallen, was einem Achtel der gesamten Jahresmenge entspricht. Mit dem Sturmholz des Winters ist die durchschnittlich geerntete Jahresmenge längst überschritten. «Die Sägereien sind voll mit Holz», erklärt Signer.

Nun beginnt ein weiterer Teufelskreis: Das zwischengelagerte Holz schafft neue Brutherde für den Borkenkäfer. Ist die Lage im unteren Teil des Tales unangenehm, präsentiert sich die Situation im oberen Toggenburg etwas entspannter, was auf die Vegetation zurückzuführen ist.

Im Forstrevier Kirchberg 45 Käfernester entdeckt

Was empfiehlt Marco Signer den Waldbesitzern? «Das Holz möglichst schnell entrinden, hacken und daraus Schnitzelholz herstellen, weil die Alternative Sägerei aktuell schwierig ist oder ganz entfällt.» Gemäss ihm ist der Höhepunkt noch gar nicht erreicht:

«Das eigentliche Ausmass erwartet uns im kommenden Jahr, wenn die erhöhte Borkenkäfer-Population aus dem Winterschlaf erwacht.»

Nebst den natürlichen Feinden des Borkenkäfers – Specht, Ameisenbuntkäfer oder Schlupfwespe – kann auch der Mensch dafür sorgen, die Plage einzudämmen. «Im Forstrevier Kirchberg habe ich in den vergangenen Monaten rund 45 Käfernester gefunden. In dessen Nähe werden im nächsten Frühjahr sogenannte Fangbäume gelegt, um dem Übel einigermassen Herr zu werden.»

Borkenkäferfallen sollen mithelfen, die Population einzudämmen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Borkenkäferfallen sollen mithelfen, die Population einzudämmen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Ein sauberer Wald, regelmässige Kontrolle und das Stellen von Borkenkäferfallen sind weitere Möglichkeiten, dem Problem zu begegnen. «Trotzdem dürfen wir uns nichts vormachen, es wird einige Jahre dauern, bis wir den Normalzustand erreicht haben», erklärt Marco Signer abschliessend.

Fichte hat Mühe mit dem Klima

Die zur Hauptsache betroffene Fichte, als ursprüngliche Baumart aus dem Gebirge, wird allerdings mit dem sich ändernden Klima immer grössere Mühen bekunden. Es werden Baumarten bevorzugt, welche für längere trockene Sommerperioden geeigneter erscheinen.

Das Holz wird zwischengelagert

Das Überangebot hat zu einem Preiszerfall des Rundholzes von gut einem Drittel gegenüber des Vorjahres geführt. Für die Waldbesitzer in unteren Lagen ist es dramatisch. Besonders ausgeprägt zeigt sich dies in den Kantonen Thurgau, Zürich und Schaffhausen. Das Holz wird teilweise auf der Wiese zwischengelagert, weil die Sägereien derzeit nicht in der Lage sind, weiteres Holz zu verarbeiten. Die Zwischenlagerung ist mit Mehraufwand und -kosten verbunden ist. Wichtig ist, dass das geschlagene Holz aus dem Wald entfernt wird.» (bl)

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