Blues-Konzert in der Kirchberger «Eintracht»: Old School ist die Devise von Henrik Freischlader

Mit dem aktuellen Album – es erschien einen Tag vor dem Konzert – war der Blueser Henrik Freischlader in der «Eintracht» zu Gast.

Michael Hug
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«Pass auf wenn der abdrückt!» Henrik Freischlader am Samstag auf der Eintracht-Bühne. (Bild: Michael Hug)

«Pass auf wenn der abdrückt!» Henrik Freischlader am Samstag auf der Eintracht-Bühne. (Bild: Michael Hug)

Manchmal ist die Hütte voll in der «Eintracht», dann kann man sich kaum mehr bewegen und man muss ewig lange warten auf ein Bier an der Bar. Aber manchmal ist sie auch nicht ganz voll und alles ist besser: mehr Freiraum für Körperzuckungen, weniger Schweissgerüche und kürzere Wartezeiten an der Theke. So sollte es eigentlich immer sein – nur der Wirt wäre wahrscheinlich nicht amüsiert.

Am Samstag war er es dennoch. Henrik Freischlader, der deutsche Blueser kam mit seiner Band und die «Eintracht» war nicht ganz voll, dafür war die Stimmung äusserst gut und die Trinkfreude auch.

Blues ist Musik für die Nische

Das bei so einem Konzert die Leute nicht gleich in Scharen kommen, liegt nicht an Freischlader, sondern viel mehr am Genre, dem er sich widmet, dem Blues. Blues ist Musik für die Nische und, mit Verlaub, auch eher etwas für die Älteren. Und so wundert es nicht, dass der Altersschnitt deutlich höher war, als er es sein wird, wenn Nicole Bernegger auftritt (am 16. November) oder gar Luca Hänni (am 20. Dezember).

Doch Henrik Freischlader, trotz seiner doch schon 15-jährigen Karriere, ist auch unter Bluesfreunden ein Geheimtipp geblieben. Liegt’s daran, dass er Deutscher ist und nicht aus den USA kommt? Kann nicht sein, denn nichts an Freischlader erinnert an seine europäische Herkunft, nichts.

Das Album erschien am Tag vor dem Auftritt

Freischlader hat für das aktuelle – einen Tag vor dem Auftritt in der «Eintracht» erschienene – Album «Live 2019» seine Band neu zusammengestellt. Zurück zu den Wurzeln, sagte sich der 37-Jährige:

«Old School ist die Devise – mit dem Bus herumfahren und live spielen, in coolen Clubs, für echte Musikliebhaber und mit einer gut eingespielten Band.»

Die Band ist: Moritz Meinschäfer (Schlagzeug), Armin Alic (Bass), Roman Babik (Keyboards) und Marco Zügner am Saxofon. Fünf Freunde, irrsinnig gut eingespielt in Dutzenden Konzerten über den halben Globus in den letzten zwei Jahren.

Freischlader will zurück zu den Wurzeln

«Ich bin wieder da, wo alles begann – beim Blues», sagt Henrik Freischlader. Er hat vieles ausprobiert in den letzten Jahren, hat grössere Bands gehabt, hat Gary Moore gecovert, hat mit Joe Bonamassa gespielt und mit Helge Schneider, aber jetzt back to the roots, zurück zum echten, authentischen Blues, handgemacht, Old School eben.

Doch allzu eng sieht es Freischlader nicht mit dem Blues. In den mitunter zwanzigminütigen Songs mischen sich unüberhörbar der Jazz und der Funk.

Urplötzlich wieder Kohle ins Feuer

Das macht die Sache spritzig und manchmal etwas abgehoben, doch damit niemand davonfliegt, schmeisst die Band urplötzlich wieder zünftig Kohle ins Feuer, weckt mit schier wahnsinnig machenden Soli, wobei natürlich auch der Meister selbst sich nicht zurückhält. «Pass auf wenn der erst abdrückt», sagt ein Zuschauer, und tatsächlich: Wenn der abdrückt, bleibt kein Stein mehr auf dem anderen.

Vor Henrik Freischlader und seiner Band trat der dänische Singer/Songwriter Mike Anderson auf. Hierbei ging’s noch gemütvoll zu, nicht weniger herzlich aber ebenso authentisch – Old School Songwriting eben.