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Interview

Bligg: «Für Wattwil haben wir uns entschieden, weil wir zurück zu den Leuten wollten»

Als Rapper begann seine Karriere, heute erreicht Marco Bliggensdorfer alias Bligg ein Publikum weit über seine bisherige Zielgruppe hinaus. Am 1. Dezember präsentiert er sein Album KombiNation in Wattwil.
Ruben Schönenberger
Bligg (links) und sein Support Act ZID kommen am 1. Dezember nach Wattwil. (Bild: Mareycke Frehner)

Bligg (links) und sein Support Act ZID kommen am 1. Dezember nach Wattwil. (Bild: Mareycke Frehner)

Marco Bliggensdorfer, Ihre Karriere starteten Sie mit Rap. Ihre Musik hat sich verändert, trotzdem nennen Sie sich immer noch Bligg. War es nie ein Thema, den Namen zu ändern?

Das stand nie zur Debatte. Klar, ich habe mich weiterentwickelt und verändert. Aber Kunst ist ja gerade schön, wenn sie nicht über 20 Jahre stagniert. Wenn es eine experimentierfreudige, bunte Berg- und Talfahrt ist. Der Kern aber, was zum Beispiel meine Stimme oder die schweizerdeutschen Texte betrifft, der ist immer geblieben. Sollte ich mal ein Okey Dokey 2 rausgeben (Anm. der Red.: Okey Dokey hiess eine Mix-CD, die Bligg 2005 veröffentlichte) und damit quasi zu den Anfängen zurückkehren, würde ich das wohl unter dem Namen Bligg Blizo tun. Das wäre dann schon eine Art historischer Hinweis, was zu erwarten ist.

Als Aussenstehender macht es den Anschein, als ob der Song «Volksmusigg» ein Experiment war, das geglückt ist und den Anstoss für eine Veränderung gab. Wie beschreiben Sie die Veränderung Ihrer Musik?

Wenn man meine Diskografie betrachtet, war ich schon vor diesem Song immer sehr experimentierfreudig. Auch damals, als ich noch als Rapper unterwegs war, habe ich andere Musikstile abgefeiert. Bedienen kann man sich aber nicht von Anfang an überall. Man muss ja mal irgendwo anfangen. Mein musikalisches Wissen war zu Beginn auch noch sehr eingeschränkt. Ich habe mit Rap angefangen, Instrumente sind erst später dazugekommen. Damit kamen grössere Entfaltungsmöglichkeiten. Ein einschneidender Moment war «Volksmusigg» aber sicher.

Mit den Möglichkeiten kam die Veränderung?

Ja, und ich bin auch stolz drauf, wenn ich zurückblicke. Wenn man immer nur das Gleiche macht, wird man müde. Und auch die Hörer werden müde. Ich experimentiere eigentlich immer. Das neue Album ist sehr modern, sehr zeitgenössisch. Das vorherige war sehr gitarrenlastig. Ich mag Blues und Rock gerne, das hat eine Zeit lang dominiert. So bin ich auch als Privatperson. Ich bin umgeben von sehr vielen verschiedenen Leuten mit sehr vielen verschiedenen Hintergründen.

Sänger Bligg beim Interview in der Redaktion des «Toggenburger Tagblatts». (Bild: Mareycke Frehner)

Sänger Bligg beim Interview in der Redaktion des «Toggenburger Tagblatts». (Bild: Mareycke Frehner)

Trotzdem verliert man auf dem Weg einzelne Leute. Das Hip-Hop-Magazin «Lyrics» schrieb beispielsweise «spätestens 2008, bei seinem Über-Hit ‹Rosalie›, wusste jeder Rap-Head, dass sich Bligg wohl in die Mainstream-Szene verabschiedet hatte». Stört das?

Null. Mich hat das auch früher schon nicht gestört. Sowieso hat es «Rosalie» dafür nicht gebraucht. Mit «Alles scho mal ghört» hatte ich 2001 zusammen mit Emel schon meinen ersten Top-Ten-Hit. Ich war damals schon kommerziell ausgerichtet. Was gut ist, ist gut. Punkt, aus. Ich habe früher schon nicht in Schubladen gedacht. Das hat mich genervt. Heute ist das zum Glück nicht mehr so. Die Jungen sind sehr weltoffen, da werden melodiöse Sachen gemacht. Das war früher fast verboten.

Das klingt nach Brückenbauer zwischen den Genres. Ihre Musik scheint das aber erst heute so richtig zu schaffen. Unterschiedlichste Generationen hören Ihnen zu.

Das ist so, ich habe mittlerweile vier Generationen im Publikum. Ich schätze es, dass mein Publikum von 6 bis 60 geht. Ich glaube, dass das eine Qualität ist. Die Experimentierfreudigkeit bringt natürlich mit sich, dass man gewisse Leute vor den Kopf stösst. Die wollen dann den Bligg von früher zurück. Aber das sind die gleichen Leute, die den Snoop Dogg von früher zurück wollen. Oder die den Sex mit ihrer Frau so wollen, wie er das erste Mal war. Aber er wird nie mehr so sein. Diese Jungfräulichkeit ist weg, der Flash des ersten Mals. Das ist nicht reproduzierbar, bei niemandem.

Am 1. Dezember kommt dieses heterogene Publikum nach Wattwil, wenn Sie mit Ihrer Kombination-Tour hier Halt machen. Die Tour ist aber mehr als nur ein Konzert.

Die Tour wird anders als alle davor. Wir mieten uns nicht bloss in eine Halle ein, machen eine Show und gehen wieder. Wir bieten ein abendfüllendes Programm. Es gibt eine Stammbeiz mit Verpflegungsmöglichkeiten, die um 18 Uhr öffnet. Ab 20 Uhr startet das Musikprogramm mit dem Support Act ZID. Danach folgt mein Konzert, das rund 100 Minuten dauert. Im Anschluss folgt eine Party mit Autogrammstunde. Je nach Stimmung kann das bis früh am Morgen dauern. Zudem sind wir bewusst mehrheitlich auf dem Land, weil ich zu den Leuten zurück wollte. Deshalb haben wir uns auch für Wattwil entschieden.

Früher waren Ihre Auftritte noch anders?

Wir haben jahrelang in den muffigen Clubs des Landes gespielt, ich kenne sie alle. Das war eine geile Zeit, aber jetzt haben wir einfach andere Mittel zur Verfügung und so kann man die Kreativität auf einem anderen Level umsetzen. Als wir (Anm. der Red.: Bligg startete seine Karriere zusammen mit dem Rapper und Produzenten Lexx als Bligg ’n’ Lexx) Rap gemacht haben, waren wir so was von pleite. Wir wussten nicht, was wir essen sollten, Hauptsache, wir konnten ins Studio. Alle kannten uns, wir haben Shows gespielt, aber trotzdem hatten wir keinen Rappen. Und als ich zum ersten Mal etwas verdient habe, habe ich immer gleich alles reinvestiert. In neues Studio-Equipment oder auch mal in einen Studio-Musiker.

Zu Promo-Zwecken waren Sie unlängst auch schon in Oberhelfenschwil an einem Stammtisch. Was hat es damit auf sich?

Zum einen ist auf dem aktuellen Album ein Song, der «Stammtisch» heisst. Zum anderen gibt es diesen Tisch aber wirklich. Wir haben ihn bei einer Lehrlingswerkstatt im Bündnerland herstellen lassen. Nun begleitet er uns durchs Jahr, angefangen bei der Plattentaufe über eine Zeit als Sitzungstisch bei mir im Büro bis zum Platz für die Ehrengäste an den Konzerten auf dieser Tour. Am Schluss versteigern wir ihn für einen guten Zweck.

Sänger Bligg zu Gast im Restaurant Rössli, Oberhelfenschwil. Hier gemeinsam am Zäuerlen und Talerschwingen mit den Säntisjodlern (Bild: Urs Nobel).

Sänger Bligg zu Gast im Restaurant Rössli, Oberhelfenschwil. Hier gemeinsam am Zäuerlen und Talerschwingen mit den Säntisjodlern (Bild: Urs Nobel).

Schauen wir nach vorne. Sie werden kaum aufhören wollen, sich und Ihre Musik zu verändern. Wo geht es hin?

Jetzt steht erst einmal die Tour im Vordergrund. Das Album ist seit April veröffentlicht und hat Gold-Status erreicht geholt. Auch die Single «Us Mänsch» mit Marc Sway hat Gold geholt. Mit KombiNation sind wir also sicher noch eine Weile beschäftigt. Ich geniesse gerade den Flug, den wir damit haben. Was dann kommt, steht in den Sternen. Wie lange es mich noch als Bligg gibt, weiss ich nicht. Vielleicht mache ich in Zukunft andere Sachen mit meiner Agentur, mit der ich Newcomern bereits Möglichkeiten geben konnte.

Hinweis

Bligg tritt am 1. Dezember im Rahmen seiner KombiNation-Tour in der Wattwiler Markthalle auf. Türöffnung ist um 18 Uhr. Das Konzert startet um 20 Uhr. Tickets sind über www.bligg.ch erhältlich.

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