Biolandwirtschaft
Auf dem Wildhauser Letzihof leben Appenzeller Spiegelschafe

Auf dem Hof von Werner und Corina Schmid leben Kühe, Ziegen, Esel und mehr. Auch die besonderen Spiegelschafe. Der Tierbestand wird ausschliesslich mit Futter vom eigenen Betrieb ernährt.

Adi Lippuner
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Bei Mehrlingsgeburten, wie bei den Spiegelschafen üblich, kommt Werner Schmid nicht am Zufüttern mit der Flasche vorbei.

Bei Mehrlingsgeburten, wie bei den Spiegelschafen üblich, kommt Werner Schmid nicht am Zufüttern mit der Flasche vorbei.

Bild: Adi Lippuner

Bei der Überlegung, welche Tierrassen auf den biozertifizierten Hof in der Wildhauser Letzi passen, stand für das Ehepaar Werner und Corina Schmid die Frage des Nahrungsbedarfs in Zentrum. «Wir wollten Tiere, die auf unseren extensiv bewirtschafteten Betrieb passen, und haben dies nach der Übernahme im Jahr 2004 auch schrittweise realisiert», blicken die beiden auf die Anfänge zurück. Während Vater Andreas Schmid Milchkühe und Schafe hielt, entschied sich der junge Betriebsleiter für die Rasse Hereford und stellte auf Mutterkuhbetrieb um.

Bei der Frage der Schafrasse spielte ein Besuch im Freilichtmuseum Ballenberg eine entscheidende Rolle: «Ich sah die speziell gezeichneten Schafe, schaute auf der Informationstafel nach, wie diese heissen, und wollte mehr dazu wissen», so Corina Schmid. Bei der Recherche über «Doktor Google» sei dann rasch klar geworden, dass Spiegelschafe genau die Voraussetzungen mitbrächten, die auf dem Hof gefragt seien. Werner Schmid betont:

«Sie sind sehr fruchtbar, berggängig, beim Futter genügsam und ihr Fleisch wird als feinfaserig, schmackhaft und fettarm bezeichnet.»
Das Wohnhaus mit angebautem Stall in der Wildhauser Letzi.

Das Wohnhaus mit angebautem Stall in der Wildhauser Letzi.

Bild: Adi Lippuner

Sieben Auen und ein Bock

Bei der Suche nach Spiegelschafen wurde das Ehepaar in Appenzell Innerrhoden, in Weissbad, fündig. «Wir konnten sieben Auen und einen Bock kaufen. Diese Tiere bildeten die Grundlage für unsere heutige Herde», erklärt der Bauer. Rund 30 Herdenbuchtiere und etwa 20 Schafe anderer Rassen, wie Engadiner und Walliser Schwarznasen, stehen im geräumigen Stall. Die Auen bringen meist Zwillinge, oft auch Drillinge zur Welt. «Wir haben das Engagement für diese Rasse noch nie bereut», so die übereinstimmende Aussage des Ehepaars Schmid.

Ein Lamm mit der typischen Zeichnung der Spiegelschafe.

Ein Lamm mit der typischen Zeichnung der Spiegelschafe.

Bild: Adi Lippuner

Nebst den Spiegelschafen und den Hereford-Mutterkühen leben auf dem Letzihof auch Ziegen der Rasse Bündner Strahlen, Capra Grigia und Walliser Schwarzhals. «Das sind die Lieblinge von Werner und unserer jüngsten Tochter Gianna», sagt Corina Schmid mit einem Augenzwinkern.

«Mit Geissen habe ich nichts am Hut, Schafe sind mir lieber.»

Enten, Hühner und Border Collie, die unverzichtbaren Helfer beim Weiden der Tiere, gehören ebenfalls zum Letzihof.

Eigene Eselherde

Doch auch Corina Schmid hat ihre eigenen Tiere: Sie besitzt inzwischen 14 Esel. «Begonnen hat alles mit einem einzigen Esel, dann kamen weitere dazu. Genau in dieser Zeit suchten wir nach einem weiteren Standbein für den Betrieb.» Das Resultat: Esel-Wanderungen für Familien, Schulen, aber auch zur Teambildung kommen seit Jahren gut an. «Im Sommer ist die Agenda voll und ich kümmere mich fast ausschliesslich um diesen Betriebszweig», freut sich die gelernte Damenschneiderin über diesen Erfolg.

Als Landwirt mit Eidgenössischem Fachausweis arbeitet Bauer Werner Schmid nicht nur auf dem eigenen Hof. Im Winter ist er als Saisonangestellter bei den Wildhauser Bergbahnen tätig, im Sommer fordert ihn die Heuarbeit, aber auch die Betreuung der Tiere. «Die Mutterkühe sind auf der Chreialp, die Geissen auf einer Alp in Klosters und die Schafe verbringen die Sommerwochen im steilen Gelände, das vom Hof aus sichtbar ist», sagt Werner Schmid. Während er für die Betreuung der Mutterkühe auf seine Eltern zählen darf, obliegt ihm die Aufsicht für die Schafe. «Die verschiedenen Standbeine und Nebenverdienste ermöglichen uns ein anständiges Einkommen, aber wir sind zeitlich sehr gefordert», ist sich das Ehepaar einig.