Biodiversität rund ums Haus – Gartenarbeit mit Herz

Biodiversität im eigenen Garten, zu diesem Thema referierte Naturgärtner Peter Richard.

Christiana Sutter
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Peter Richard aus Wängi kennt sich zum Thema Biodiversität in Gärten aus und vermittelte im Vortrag viel Wissen. Bild: PD

Peter Richard aus Wängi kennt sich zum Thema Biodiversität in Gärten aus und vermittelte im Vortrag viel Wissen. Bild: PD

Der Naturschutzverein Ebnat-Kappel und Nesslau lud am Dienstagabend zusammen mit «Treff 12 Nesslau» zu einem Vortrag des Naturgärtners Peter Richard aus Wängi in den Pfarreisaal in Neu St.Johann ein. Rund 60 Personen folgten dieser Einladung.

Gleich zu Beginn des Vortrages fragte Peter Richard in die Runde der Besucher. «Warum sterben Insekten, was passiert mit den Pflanzen, hat das etwas mit uns Menschen zu tun?» Um diese und weitere Fragen handelten seine Ausführungen.

Wertvolle, einheimische Pflanzen

Dass ein Naturgarten nicht einfach Chaos bedeutet, sondern eine Komposition von Blumen und ein Rückzugsort sein soll, erläuterte der Naturgärtner mit anschaulichen Aussagen und Bildern. «Ein Naturgarten ist Natur verbunden mit Gartenkultur.» Unkraut gibt es nicht, «an einem bestimmten Ort wachsen im Moment unerwünschte Kräuter», erklärte Peter Richard. Auch soll man nicht Kahlschlag betreiben im Garten, sondern kreativ jäten.

Plant der Naturgärtner einen Garten, so werden rund 70 bis 80 Prozent einheimischer Pflanzen zur Biodiversität verwendet. Als Beispiel nannte er die Forsythie. Im Frühling ist dieser gelb blühende Strauch einer der ersten Farbpunkte in einem Garten. «Raus», sagte er, «diese Gattung ist wertlos.» Die Forsythie gibt keinen Nektar für die Bienen und keine Beeren für die Vögel, «und sie ist eine importierte Pflanze». Auch der Kirschlorbeer, die Thuja, die Glanzmispel und viele mehr sind wertlos für die hiesige Tierwelt.

Wertvolle einheimische Pflanzen für die Tierwelt und potenzielle Nahrungslieferanten sind beispielsweise die Brennnessel. «57 Arten von Schmetterlingen können davon leben», betont Richard. Die Skabiosen-Flockenblume liefert Nektar für 32 Wildbienen, der Schwarze Holunder kann mit seinen Beeren 62 Vogelarten ernähren. Von einer Salweide ernähren sich mehr als 213 Insektenarten, «und die Stieleiche liefert Nahrung für über 600 Tierarten». Eindrückliche Zahlen, die manch einen Gast am Anlass zum Staunen brachten.

Rasenmäher-Roboter machen steril

Ein Thema in einem Garten ist auch immer der Rasen. In den 1970er-Jahren waren dies die tief geschnittenen Grünflächen, heute sind es die aufgeschütteten Steinhaufen vor den Häusern. Peter Richard plädierte für eine Wiese mit einem grossen Artenspektrum anstelle eines Rasens. Eine Unart auf den Rasenflächen sind auch die Rasenmäher-Roboter, «diese machen einen Rasen steril».

Möchte man anstelle eines Rasens eine Wiese, dann sollte man den Rasen schälen. Anschliessend kann man die Samen sähen. Er wies darauf hin, dass im ersten Jahre keine Blumen blühen dürfen. «Ist das Gras rund 20 Zentimeter hoch, soll es gemäht werden», erläuterte der Naturgärtner. Auch eine Trockenmauer oder ein Schwimmteich sind wertvoll für Tiere und Pflanzen. «Ein Schwimmteich ist attraktiv, lebendig und steigert das persönliche Wohlbefinden.»

In seinen Ausführungen betonte Peter Richard immer wieder, dass man die Gärten auch geniessen soll, «dafür hat man sie». Gartenarbeit soll mit Herz und Verstand und nicht mit Angst und Wut ausgeführt werden. «Jeder lebendige Garten ist ein wichtiger Trittstein in der Landschaft und ein Beitrag zur Erhaltung von Biodiversität.» Mit dieser Aussage beendete der Naturgärtner den rund einstündigen Vortrag.