Biodiversität: Neckertaler Gemeinderat sucht das Gespräch mit der Landwirtschaft

Der Gemeinderat Neckertal informierte sich im Vorfeld der Revision der Schutzverordnung auf dem Hof des Biobauern Bruno Schweizer zum Thema Biodiversität.

Michael Hehli
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Bruno Schweizer (auf Schaufel gestützt) führte die Neckertaler Gemeinderäte anlässlich der kommenden Revision der Schutzverordnung während vier Stunden über sein Land, wo er ihnen verschiedene Objekte wie Wiesen und Hecken zeigte.. (Bild: Michael Hehli, 11.07.2019)

Bruno Schweizer (auf Schaufel gestützt) führte die Neckertaler Gemeinderäte anlässlich der kommenden Revision der Schutzverordnung während vier Stunden über sein Land, wo er ihnen verschiedene Objekte wie Wiesen und Hecken zeigte.. (Bild: Michael Hehli, 11.07.2019)

An Blumenwiesen und der damit zusammenhängenden Biodiversität stört sich wohl niemand. Daran, wie diese Artenvielfalt erreicht werden soll, scheiden sich allerdings die Geister. Der Gemeinderat Neckertal setzte sich vorletzten Donnerstag mit dem Thema der Artenvielfalt auseinander, da zusammen mit dem Zonenplan der Gemeinde nächstens auch die Schutzverordnung überarbeitet wird. Diese ist dafür da, den Naturschutz und die Erhaltung des Landschaftsbildes sicherzustellen. Besonders die Landwirte sind davon betroffen.

Ökoflächen unterliegen diversen Auflagen

Vom Bund wurde festgelegt, dass jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Direktzahlungen erhält, sieben Prozent seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche als Biodiversitätsförderfläche nutzen muss.

Diese Flächen unterliegen diversen Einschränkungen, beispielsweise bei der Düngung oder beim Schnittzeitpunkt. Im Rahmen des Gesetzes über die Abgeltung ökologischer Leistungen (GAöL) können Landwirte mit der Gemeinde Verträge abschliessen, in welchen sie sich dazu verpflichten, Teile ihres Landes für mindestens acht Jahre unter anderem nicht zu düngen und auf gewisse Maschinen zu verzichten. Im Gegenzug erhalten die Bauern vom Staat Zahlungen, da diese Auflagen einen Einkommensverlust darstellen.

Die Gemeinde hat die schützenswerten Gebiete und Objekte zu erheben und mittels Schutzverordnung zu sichern. Für alle Objekte mit Schutzauflagen ist ein Bewirtschaftungsvertrag Voraussetzung, um Biodiversitätsbeiträge des Bundes zu beziehen. Da solche Verträge Pflicht sind, können sie nicht gekündigt werden.

Der Gemeinderat Neckertals wollte sich vor der anstehenden Totalrevision der Schutzverordnung zum Thema informieren und die Meinung von Landwirten anhören.

Zu diesem Anlass eingeladen wurden auch zwei Experten der Materie, Daniela Paul vom Landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen und Tobias Brülisauer, langjähriger Kontrolleur von Biodiversitätsförderflächen der Qualitätsstufe II.

Gastgeber war Gemeinderat und Biolandwirt Bruno Schweizer. Er möchte, dass die Behörden nur noch Standards für die Biodiversität festlegen. Wie diese erreicht werden, solle den Landwirten überlassen sein. «Dünger ist nicht per se schlecht», sagt er dazu. Die Biodiversität hänge vom Standort ab und verschlechtere sich sowohl bei zu viel als auch bei zu wenig Dünger.
Nach einem kurzen Theorieteil führte er die Anwesenden während rund vier Stunden über seinen Hof und zeigte ihnen verschiedene Stellen.

Darunter waren eine optimal gelegene Wiese, welche die Bedingungen für die Qualitätsstufe II problemlos erreichte und eine, welche er einmal im Jahr düngt und den Standards trotzdem entspricht.
Ein weiterer Halt wurde bei einer Wiese gemacht, welche laut Schweizer 30 Jahre nicht mehr gedüngt wurde und über sehr wenig Vielfalt verfügt, da sie nördlich und schattig gelegen ist. Vor zwei Jahren hatte sie die Voraussetzungen noch erfüllt.

Bei den Zwischenstopps herrschte jeweils keinesfalls Konsens darüber, ob und bis zu welchem Grad es eine Deregulation brauche oder nicht. Es entstanden immer wieder Diskussionen.

Gute Grundlage für Totalrevision

Die Anwesenden sehen den Anlass grösstenteils positiv. Gemeindepräsidentin Vreni Wild sagt: «Der Gemeinderat wollte das Spannungsfeld zwischen Bauern und Regulatoren kennen lernen. Es war interessant, die verschiedenen Haltungen zu sehen. Für die Ausarbeitung der neuen Schutzverordnung bietet dieser Anlass eine gute Grundlage. Wir haben jetzt ein besseres Gefühl dafür, was Sinn macht und was nicht».

Heinrich Schiess, Mitglied der Kommission für Land- und Forstwirtschaft/Umwelt, hatte zuerst Befürchtungen gehabt: «Im Berührungsfeld von Naturschutz, Ökologie und Landwirtschaft wird hie und da auch ziemlich viel Blödsinn erzählt. Die Natur ist komplizierter, als es manche mögen.»
Den Anlass sieht er positiv: «Ich konnte sagen, was ich dachte, ohne dass die Diskussion zu hitzig wurde. Niemand beharrte darauf, als Einziger recht zu haben.»