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Interview

Toggenburger Bikerin Ramona Forchini, nachdem sie erstmals schneller war als Jolanda Neff: «Der Weg ist der richtige»

Beim Swiss Bike Cup in Buchs hat Ramona Forchini erstmals in ihrer Karriere die mehrfache Welt- und Europameisterin Jolanda Neff geschlagen. Die Wattwilerin weiss nun, was noch alles möglich ist.
Beat Lanzendorfer
Die überglückliche Ramona Forchini bei der Überquerung der Ziellinie in Buchs. (Bild: PD)

Die überglückliche Ramona Forchini bei der Überquerung der Ziellinie in Buchs. (Bild: PD)

Sie haben am Sonntag die Swiss-Bike-Cup-Etappe in Buchs gewonnen. Überrascht?

Ramona Forchini: Ich bin ohne konkretes Ziel an den Start gegangen. Ich wollte mich zuerst an die Strecke herantasten, weil sie durch den vielen Regen doch sehr dreckig und anspruchsvoll war. Daher bin ich über den Sieg doch eher überrascht.

Ramona Forchini. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Ramona Forchini. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Es ist Ihnen aber von Anfang an sehr gut gelaufen.

Genau, nach dem ersten Viertel der ersten Runde habe ich gespürt, dass meine Beine stimmen. Ich musste beim Abwärtsfahren einfach aufpassen, dass mir nicht zu viele Fehler unterlaufen.

Mir war nämlich bewusst, Jolanda Neff wird es abwärts «rasseln» lassen.

Hat sie es dann tatsächlich «rasseln» lassen?

Ja. Ich konnte aber aufwärts die Zeit, die ich abwärts gegenüber ihr verloren habe, jeweils wieder gutmachen.

Die äusseren Bedingungen waren nicht optimal.

Es war vor allem für den Veranstalter etwas schade, der einen grossen Aufwand betrieben hat, um uns Fahrerinnen und Fahrern ein schönes Rennen zu ermöglichen. Trotzdem hat es mich erstaunt, wie viele Zuschauer an der Strecke waren. Auch die Zieldurchfahrt und die anschliessende Siegerehrung waren sehr stimmungsvoll. Für uns Fahrerinnen und Fahrer ist es sicherlich angenehmer, wenn trockene Verhältnisse herrschen. Wenn ich nur schon daran denke, was es nach einem solchen «Dreckrennen» alles zu waschen gibt.

Trotzdem hatte man den Eindruck, als kämen Sie mit dem tiefen Boden gut zurecht.

Das stimmt. Es hat einfach gepasst. Für mich spielt es eigentlich keine Rolle, ob es trocken oder nass ist. Wenn ich aber aussuchen darf, bevorzuge ich schon die trockene Variante. Wenn es nass ist, muss man noch mehr Vorsicht walten lassen.

Hat Ihnen die Kälte zusätzlich zu schaffen gemacht?

Ich war mit einem Langarmtrikot unterwegs. Das hat es etwas erträglicher gemacht. Auf die Motivation hat es keinen Einfluss. Für mich zählt jedes Rennen gleich. Für meine Finger war es aber nicht optimal, sie sind mir fast abgefroren. Am meisten hat mich dies beim Schalten beeinflusst.

Die getragenen Handschuhe haben bei der Kälte keine Besserung gebracht, weil sie schnell einmal nass waren.

Was bedeutet es Ihnen, Jolanda Neff geschlagen zu haben?

Es bedeutet mir sehr viel, weil Jolanda im Bikesport das Aushängeschild schlechthin ist. Ich kann nun gut einschätzen, was alles möglich ist. Und zudem war ja nicht nur Jolanda Neff am Start. Mit Nicole Koller, Kathrin Stirnemann und Alessandra Keller konnte ich drei weitere Schweizerinnen, die auch international schon in Erscheinung getreten sind, hinter mir lassen. Hinzu kommt die ausländische Konkurrenz wie etwa die Deutsche Ronja Eibl, die ich ebenfalls schlagen konnte. Eigentlich wollte ich mich gar nicht an ihnen orientieren, weil ich dachte, die fahren auf und davon.

Noch einmal zu Jolanda Neff: Konnten Sie sie erstmals bezwingen?

Ich konnte sie schon vor einem Jahr am Swiss Bike Cup in Rivera bezwingen. Allerdings hatte sie damals einen Defekt, darum darf man jenes Rennen nicht wirklich zählen. Heute ist es eine Premiere, dass ich bei einem Rennen, das wir beide auf Augenhöhe fahren, am Ende vor ihr bin.

Was war es für ein Gefühl, als Sie als Erste über die Ziellinie fuhren?

Es war einfach nur schön und sehr speziell. Zum einen mit dem Bewusstsein, es wirklich geschafft zu haben. Zum anderen im Wissen, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.

Hatten Sie auch Unterstützung von Ihrer Familie?

Meine Eltern waren an der Strecke und sie haben sich genauso über meinen Sieg gefreut.

Ich glaube Mama und Papa waren ziemlich stolz.

Und Sie?

Ich schon auch. Es dauert sicher noch ein paar Tage, bis ich diesen Erfolg einordnen kann.

Was hat der Swiss Bike Cup für einen Stellenwert?

Für uns Fahrerinnen und Fahrer einen ziemlich hohen. Ich würde ihn direkt unter dem Weltcup einordnen, weil auch ausländische Bikerinnen und Biker am jeweils Start sind. Im Ausland gibt es in dieser Kategorie auch viele Einzelrennen. Der Swiss Bike Cup ist hingegen eine Etappenveranstaltung, die sich über sieben Rennen erstreckt. Der Swiss Bike Cup begleitet mich schon sehr lange, weil er auch ideale Bedingungen für den Nachwuchs bietet.

Und jetzt? Geniessen Sie über Ostern ein paar freie Tage?

Es findet während zweier Wochen kein Rennen statt. Als Pause kann man es aber nicht bezeichnen. Ich bin zwar zu Hause, betreibe aber ein intensives Aufbautraining für die kommenden Rennen.

Wie geht es konkret weiter?

Zuerst kommt ein Rennen in Deutschland, dann darf ich mit dem Leadertrikot bei der dritten Etappe des Swiss Bike Cups in Solothurn starten. Am 19. Mai geht’s dann zum ersten Weltcup-Rennen ins deutsche Albstadt. Eine Woche später folgt bereits das Weltcup-Rennen im tschechischen Nove Mesto.

Führung in der Jahreswertung

Ramona Forchini hat zum einen die Etappe des Swiss Bike Cups in Buchs gewonnen. Mit Platz 2 in Tamaro, zum Auftakt des Etappenrennens, der ihr 80 Punkte einbrachte, sowie den 100 aus dem Rheintal, führt sie zusätzlich die Jahreswertung an. Dahinter folgen Allessandra Keller, Ennetbürgen, 158 Punkte, und Kathrin Stirnemann, Gränichen, die bisher 132 Punkte auf dem Konto hat. Jolanda Neff, Thal, welche bei der ersten Etappe im Tessin nicht zu den Teilnehmerinnen gehörte, folgt mit 80 Zählern auf Position 16.

Ins Rheintal reiste auch der 21-jährige Dominik Bollhalder aus Alt St. Johann. In der Kategorie bei den Amateuren/Masters kämpfte er anfänglich um die Position 10, wusste sich aber im weiteren Rennverlauf stetig zu steigern und beendete das Regenrennen auf Platz 7. Mit diesem Ergebnis zeigte er sich zufrieden.
In der Jahreswertung liegt der Obertoggenburger mit 112 Punkten auf Platz 6. Platz 1 und 2 belegen Alexandre Balmer, La Chaux-de-Fonds, und Luca Schätti, Horgen, mit jeweils 180 Zählern. Dahinter kommt auf Rang 3 Jan Sommer aus Andwil, der bisher 135 Zähler gesammelt hat. (bl)

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