Bienenjahr
«Überdurchschnittlich gute Honigernte»: Der Präsident des Bienenzüchtervereins Mitteltoggenburg blickt zufrieden auf den Sommer zurück

Warme Temperaturen und nur mässiger Niederschlag im Frühling und Sommer bescherten den hiesigen Imkern ein ertragreiches Honigjahr. Peter Bürge aus Mosnang berichtet zudem von den Vorbereitungen auf den Winter.

Urs M. Hemm
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Das Bienenjahr 2022 bescherte den Imkern im Toggenburg eine gute Honigernte.

Das Bienenjahr 2022 bescherte den Imkern im Toggenburg eine gute Honigernte.

Bild: Urs M. Hemm

Zufrieden betrachtet Peter Bürge den vollen Rahmen. «Die Bienen haben gut gearbeitet und sich einen schönen Futtervorrat für den Winter anlegen können», sagt Peter Bürge, passionierter Imker aus Mosnang. Das zeige, dass das Volk gesund und stark genug ist, um den Winter gut zu überstehen. Ganz allgemein ist Peter Bürge zufrieden mit dem Zustand seiner 20 Völker und dem Honigertrag, den sie ihm in diesem Jahr beschert haben.

Ein starkes und gesundes Volk: Die Bienen am Flugloch töten mit gemeinsamen eine Wespe (Bildmitte), die in den Bienenstock eindringen wollte.

Ein starkes und gesundes Volk: Die Bienen am Flugloch töten mit gemeinsamen eine Wespe (Bildmitte), die in den Bienenstock eindringen wollte.

Bild: Urs M. Hemm

Das Bienenjahr 2022 habe mit dem milden Frühling schon gut angefangen. So hätten die Völker Zeit gehabt, sich gut zu entwickeln. Sie seien parat gewesen, als bei steigenden Temperaturen die Blüten spriessten und bereit für die Bestäubung waren. «Zudem verlief der Sommer hier in der Region Mosnang ohne grosse Gewitter- und Hagelereignisse, was mir und vielen meiner Imkerkollegen mit rund zehn Kilogramm Honig pro Volk eine überdurchschnittlich gute Ernte einbrachte», sagt Peter Bürge, Präsident des Bienenzüchtervereins Mitteltoggenburg und Co-Kursleiter am Lehrbienenstand Toggenburg in Wattwil.

Steter Kampf gegen die Varroamilbe

Das Toggenburg mit seinen grossen Wiesenflächen eigne sich sehr gut für die Haltung von Bienen. Darin unterscheidet sich der Toggenburger vom Thurgauer Honig, wo es mehr Obstkulturen denn Wiesland hat. «Denn die Art der Pollen und des Nektars, die für den Honig zusammengetragen werden, bestimmt am Ende das Aroma des Honigs», erläutert Peter Bürge, ohne die Vorteile des einen Honigs im Gegensatz zum anderen bewerten zu wollen. «Das ist Geschmackssache eines jeden Einzelnen.»

Gute Witterung und genügend bienenfreundliche Grünflächen seien aber nur zwei Einflussfaktoren, die über ein erfolgreiches oder eher schlechtes Jahr entscheiden.

Peter Bürge ist mit dem Futtervorrat dieses Volkes zufrieden.

Peter Bürge ist mit dem Futtervorrat dieses Volkes zufrieden.

Bild: Urs M. Hemm

«Für mich als Imker ist die jetzige Zeit massgebend, wo es darum geht, die Bienenvölker möglichst gesund und stark über den Winter zu bringen», betont Peter Bürge. Das bedeute einerseits, dass die Völker einen genügend grossen Wintervorrat haben. Andererseits sei jetzt die Zeit, die Völker gegen Varroamilbenbefall zu behandeln.

Die Königin ist gut durch ihre Bezeichnung zu erkennen.

Die Königin ist gut durch ihre Bezeichnung zu erkennen.

Bild: Urs M. Hemm

Leider hätten sich die hiesigen Bienen noch nicht so weit entwickelt, dass sie die Varroamilbe von alleine als Parasit erkennen. Daher bräuchten sie zu ihrem eigenen Schutz die Hilfe des Imkers.

Als wirksames – und einziges vom Gesetz her einsetzbares – Mittel gegen Varroamilbenbefall haben sich Behandlungen mit Oxal- und Ameisensäure erwiesen. «Das sind natürliche Stoffe, die keine Rückstände in Honig und Wachs hinterlassen und somit auch vom Lebensmittelgesetz her, dem die Imker unterstehen, erlaubt sind», erläutert Peter Bürge.

Grundsätzlich stehe er zwar skeptisch gegenüber jeglichen Eingriffen wider der Natur. «Würden wir Imker aber nichts gegen die Varroamilbe unternehmen, würden befallene Bienenvölker mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächsten Wochen nicht überstehen und sterben. Das will kein Imker miterleben», sagt Bürge.

Die Natur ist nicht beeinflussbar

Neben der seriösen Arbeit der Imker sei es aber unerlässlich, dass die Bienen in ihrem Umfeld ein ausreichend grosses Angebot an Pflanzen haben.

Peter Bürge aus Mosnang imkert seit über 30 Jahren.

Peter Bürge aus Mosnang imkert seit über 30 Jahren.

Bild: Urs M. Hemm

«Dazu könnte jede Gemeinde mit ihren Grünflächen, aber auch jede Privatperson einen Beitrag leisten, indem sie Flächen nicht mit Beton versiegeln oder Steingärten anlegen, sondern ihre Gärten mit einheimischen Blütengewächsen bepflanzen», sagt Peter Bürge.

Bei allen getroffenen Massnahmen und Hilfestellungen – eine Garantie, dass ein Bienenvolk den Winter gut übersteht, gebe es nicht. «Am Ende arbeiten wir mit der Natur und diese birgt noch vieles, das wir nicht verstehen und beeinflussen können. Wir können nur unser Bestes geben und gespannt das Frühjahr und damit den Beginn des neuen Bienenjahres abwarten.»

Hier in der Nähe von Mosnang hält Peter Bürge zehn Völker. Insgesamt besitzt er deren 20.

Hier in der Nähe von Mosnang hält Peter Bürge zehn Völker. Insgesamt besitzt er deren 20.

Bild: Urs M. Hemm

Ein bestimmtes Datum, wann das Bienenjahr beginnt, gebe es nicht. «Das Kribbeln beginnt aber bei jedem Imker mit den ersten warmen Sonnenstrahlen», sagt Peter Bürge. Einen falschen Zeitpunkt, das erste Mal nach den Bienen zu schauen, gebe es nicht. Es reiche, die Ein- und Ausfluglöcher der Kästen zu beobachten. «Sind die Bienen aktiv, zeigt es mir, dass die Temperatur stimmt und dass es bereits ein gewisses Futterangebot gibt.»