Bichler wird 125 Jahre alt: Wattwiler Elektrotechnikfirma schenkt sich einen Neubau, kann aber noch nicht feiern

Die Wattwiler Bichler + Partner AG ist neu im Bleikenquartier zuhause. Die Tage der offenen Türe zur Einweihung müssen aber vorerst noch warten. Auch vor einer 125-jährigen Firma machen die Coronaeinschränkungen nicht Halt.

Ruben Schönenberger
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Das neue Zuhause von Bichler + Partner AG befindet sich im Bleiken-Quartier.

Das neue Zuhause von Bichler + Partner AG befindet sich im Bleiken-Quartier.

Bild: Ruben Schönenberger

Dieses Wochenende hätte die Bichler + Partner AG eigentlich feiern wollen. Ein VIP-Anlass am Freitagabend mit dem Schweizer Komiker René Rindlisbacher und seiner Tochter sowie Tage der offenen Türe am Wochenende waren zum 125-jährigen Bestehen der Wattwiler Firma geplant.

Doch wie so vielen Firmen und Vereinen machte das Coronavirus auch dem Elektrotechnikunternehmen einen Strich durch die Rechnung.

125 Jahre Bichler: Angefangen hat es mit der Stromproduktion

  • 15.8.1895 In Wattwil geht die Turbinenstation «im Ratzenloch» in Betrieb. Sie speist mit einer Leistung von 50 PS erste elektrische Lampen. Turbinen- und Wasserwart ist Bernhard Bichler.
  • 1895 Noch im gleichen Jahr macht sich Bichler mit einem Geschäft für Wasser- und Elektroinstallationen selbstständig.
  • 1915 Bernhard Bichler jun. übernimmt die Geschäftsführung, Max Bichler kümmert sich um den Bau von Wasseranlagen.
  • 1928 Elektro Bichler taucht erstmals im Wattwiler Strassenbild auf.
  • 1943 Firmengründer Bernhard Bichler stirbt.
  • 1948 Bernhard Bichler jun. stirbt. Mit Bernhard Bichler und Kurt Bichler übernimmt die dritte Generation.
  • 1966 Max Bichler stirbt. Das Unternehmen verabschiedet sich deshalb vom Bau von Wasseranlagen.
  • 1984 Bernhard Bichler scheidet aus dem Unternehmen aus. Gleichzeitig übernimmt mit Urs Bichler die vierte Generation.
  • 1993 Eröffnung des ersten Telecom-PTT-Partnershop in der Schweiz im Fachgeschäft der Bichler AG.
  • 1996 «Säntis 2000» Erhalt des Auftrags zum Aufbau der Swisscom-Antennen-Infrastruktur auf dem Säntis.
  • 2001 Aus Bichler AG wird die Bichler + Partner AG.
  • 2012 Der spätere Inhaber Oliver Lacher stösst zum Unternehmen und übernimmt die Geschäftsleitung. Die Ebnat-Kappler Filiale der Elektro Widmer AG wird übernommen.
  • 2013 Oliver Lacher wird alleiniger Inhaber der Bichler + Partner AG.
  • 2014 Die Firma übernimmt die Lumu AG in Nesslau.
  • 2016 Bichler übernimmt den Bereich Telematik von der Bütschwiler Fowi Wirtschaftsberatungs-GmbH.
  • 2018 Der Spatenstich für den Neubau an der Schützenmattstrasse erfolgt. Die Abteilung Automation wird gegründet.
  • 2020 Das neue Firmengebäude wird bezogen. Nach langjähriger Zusammenarbeit stösst die Firma S-Plan zur Bichler-Familie. Die auf Soleanlagen spezialisierte Firma zieht nach Wattwil und arbeitet noch enger mit der Automationsabteilung zusammen.

Nicht nehmen kann das Virus aber den Neubau, den sich das Unternehmen bereits auf Jahresanfang zum Jubiläum geschenkt hat. Der Platz am bisherigen Hauptsitz an der Wattwiler Bahnhofstrasse, hinter dem nach wie vor bestehenden Laden, war zu knapp geworden.

Extra grosser Keller für die Steuerung

Die Bichler + Partner AG erzeugt den Strom für den neuen Firmensitz selbst.

Die Bichler + Partner AG erzeugt den Strom für den neuen Firmensitz selbst.

Bild: PD

An der Schützenmattstrasse im Bleiken-Quartier entstand ein Neubau, in welchen das Unternehmen natürlich auch gleich das eigene Know-how einfliessen lassen konnte. Über zehn Kilometer Kabel wurden verlegt, um aus dem Gebäude einen smarten Firmensitz zu machen. Die Steuerung der Heiz- und Kühlzentrale sowie der Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach lässt sich im Keller des Gebäudes betrachten. Dieser wurde extra grosszügig gehalten, damit er auch als Anschauungsobjekt für Bichlers Wirken dienen kann. Auch dank der Gebäudeautomation soll das Gebäude energieautark sein.

Zahlen und Fakten

Im neu gebauten Hauptsitz der Bichler+Partner AG wurden rund 10 Kilometer Kabel verlegt. In den Decken sorgt ein System mit 17000 Litern Wasser dafür, dass die gesamte Gebäudesubstanz gekühlt oder geheizt werden kann. Auf dem Dach wurden 186 Fotovoltaik-Panels verbaut. Diese belegen eine Fläche von 308 Quadratmetern und produzieren im Jahr etwa 58000 Kilowattstunden Strom. Was davon nicht sofort verwendet wird, fliesst für späteren Verbrauch in einen Energiespeicher.

Im Jahresmittel schaffe man das sicher, sagt Marketingchef Markus Matti. «Es braucht aber noch die eine oder andere Feineinstellung, die wir erst über eine gewisse Betriebsdauer vornehmen können.» Unklar sei zum Beispiel noch, wie genau die Spitzenwerte aussehen würden.

Trotz Coronakrise eine gute Zeit

Etwas mehr Platz wollte man auch im Bürotrakt des Gebäudes lassen. «Anfangs dachten manche, wir seien wahnsinnig, so viel Platz einzuplanen», sagt Matti. Doch schon beim Bezug Anfang Jahr hatte sich Bichler nochmals vergrössert, die meisten freien Flächen sind inzwischen belegt. Auch während der Coronakrise hat sich daran nichts geändert. «Wir hatten trotz Corona eine gute Zeit und konnten mit gewissen Einschränkungen weiterarbeiten», sagt Matti. Das Ladengeschäft an der Bahnhofstrasse musste man – mit Ausnahmen der Mobiltelefonabteilung – schliessen. Zudem ist der Auftragseingang von Privatpersonen stark eingebrochen.

Am Eingang des Bürotrakts: Etliche alte Telefone lassen einen Blick in die Vergangenheit zu.

Am Eingang des Bürotrakts: Etliche alte Telefone lassen einen Blick in die Vergangenheit zu.

Bild: Ruben Schönenberger

Aktuell arbeiten 67 Mitarbeitende für die Firma, 15 davon sind Lernende. «Wir sind schnell gewachsen», sagt Matti. Und das nicht nur im klassischen Elektrotechnikbereich. «Viele wissen gar nicht so genau, was wir alles machen», sagt Matti.

«Alle denken, wir sind einfach nur ‹Stromer›. Aber das war noch nie so.»

Mittlerweile arbeitet ein wesentlicher Teil der Mitarbeitenden für die Bereiche Automation, Telematik und Haushaltsgeräte. Hier sieht Matti auch grosses Potenzial für die Zukunft. «Mit diesen Bereichen sind wir auch ausserhalb vom Toggenburg sehr aktiv», begründet er.

Geschäftsleitung neu in den Händen von vier Personen

In die Zukunft geht das Unternehmen auch mit einer leicht angepassten Struktur. Inhaber Oliver Lacher, der bisher als alleiniger Geschäftsleiter amtete, übernimmt neu die Rolle des Geschäftsführers Elektrotechnik, während Simon Seiler als Geschäftsführer Automation, Markus Matti als Geschäftsführer Hausgeräte und Silvan Beer als Geschäftsführer Telematik fungiert.

Die neue Geschäftsleitung der Bichler + Partner AG: Markus Matti, Oliver Lacher, Silvan Beer und Simon Seiler (von links) haben die Zügel nun gemeinsam in der Hand.

Die neue Geschäftsleitung der Bichler + Partner AG: Markus Matti, Oliver Lacher, Silvan Beer und Simon Seiler (von links) haben die Zügel nun gemeinsam in der Hand.

Bild: PD

Wann sich das Bichler-Team und ihren neuen Firmensitz der Öffentlichkeit präsentieren können, ist noch nicht klar, die Tage der offenen Türe sollen aber möglichst nachgeholt werden.

Die Firma Bichler + Partner braucht mehr Platz

Der Wattwiler Elektrotechnik-Dienstleister Bichler + Partner blickt auf eine fast 120-jährige Geschichte zurück. Seit 90 Jahren ist die Firma im Dorfbild präsent. Das bleibt sie auch, obwohl die Firma einen Neubau realisiert.
Ruben Schönenberger