Proben für «Bettelmann» statt «Jedermann» in Ebnat-Kappel

Der Theaterverein Toggenburg hat das «Dömli» fest im Griff: Am 31. Oktober feiert dort das Stück «Der Bettelmann», ein Gegenstück zu Hugo von Hofmansthals «Jedermann», Premiere.

Sascha Erni
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Am 15. Oktober probte der Theaterverein Toggenburg erstmals in Kostümen.

Am 15. Oktober probte der Theaterverein Toggenburg erstmals in Kostümen.

(Bild: Sascha Erni)

Der todkranke Bettelmann (Edy Heeb) sitzt in abgewetzter Kleidung und hemdsärmlig in seinem Korbstuhl. Er hustet und bedauert die Lebensumstände, möchte am liebsten sterben, aber mag auch da nicht all zu viel Energie darauf verwenden.

Der Bettelmann (Edy Heeb) wird von der Haushälterin (Cilgia Kobelt, stehend) zurechtgewiesen.

Der Bettelmann (Edy Heeb) wird von der Haushälterin (Cilgia Kobelt, stehend) zurechtgewiesen.

(Bild: Sascha Erni)

Zu viel Gejammere für die Haushälterin (Cilgia Kobelt). Sie stürzt auf die Bühne und weist ihn zurecht. «Da kannst Du Dir etwas mehr Zeit lassen», unterbricht sie Christian Heeb. An diesem Abend, dem 15. Oktober, findet die erste Kostümprobe für die neuste Produktion des Theatervereins Toggenburgs statt.

Abend vor Allerheiligen als passender Premierenabend

Als Regisseur und Produzent achtet Christian Heeb auf jedes Detail. Schon bald wird es ernst, Hunderte Gäste sollen an sieben Abenden die Sitze im Dömli Ebnat-Kappel füllen. Die Premiere ist für den 31.Oktober angesetzt – wegen der Pandemie später als erhofft, dafür an einem symbolträchtigen und zum Stück perfekt passenden Datum.

Josef Ausserhofer hat «Der Bettelmann» 1949 als Gegenstück zu Hugo von Hofmannsthals «Jedermann» geschrieben. Statt eines reichen Protagonisten setzt sich bei Ausserhofer der namengebende Bettelmann mit Leben und Tod auseinander.

Herzenssache für Christian Heeb

Die reimenden Dialoge sind geschliffen und mit Ironie und Zynismus versetzt, das Stück schwingt zwischen Humor und Schwermut. Letztere überwiegt.

«Es wird den einen oder anderen wahrscheinlich nachdenklich machen.»

Christian Heeb schmunzelt und hat einen Ratschlag bereit.

«Am besten sieht man sich den Bettelmann zweimal an.»

Das Stück ist eine Herzenssache des Regisseurs. Seit sein Vater vor einem halben Jahrhundert im «Bettelmann» spielte und das Stück 1985 selbst nach Lichtensteig brachte, träumt er davon, es ebenfalls aufzuführen.

Ein Jodelchörli für den letzten Akt

Nun ist es zum Zehn-Jahre-Jubiläum des Theatervereins Toggenburg so weit. Die Organisation der Proben sei nicht leicht gewesen, sagt Christian Heeb. Einerseits mussten im Frühjahr Coronamassnahmen umgesetzt werden, der Verein konnte nur noch in Kleingruppen proben.

Andererseits galt es, mit dem grossen Ensemble, der Musikschule Toggenburg und dem Jodelchörli Alpenrösli, das im letzten Akt zu sehen und zu hören sein wird, die individuellen Zeitpläne von über dreissig Menschen zu koordinieren.

Bei Christian Heeb laufen die Fäden zusammen.

Bei Christian Heeb laufen die Fäden zusammen.

(Bild: Sascha Erni)

Der Theaterverein verzichtet in der Inszenierung bewusst auf moderne Elemente, laut Christian Heeb soll alles so authentisch wie möglich ins späte 17. und beginnende 18.Jahrhundert passen. Das Dömli als Aufführungsort habe sich hierbei als Glücksgriff erwiesen, so Heeb. «Einen idealeren Rahmen als eine Kirche, noch dazu eine, die voll ausgestattet ist, findet man für dieses Stück fast nicht.»

Zentrale Rolle der Lichtregie

Ebenso glücklich ist er über die Zusammenarbeit mit der Musikschule Toggenburg, die anlässlich ihres Jubiläums zum 50-jährigen Bestehen mehr als nur im Hintergrund wirken wird. Von verschiedenen Schülern vorgetragen sei die Musik integraler Bestandteil des Ebnat-Kappler «Bettelmanns». Christoph Mauerhofer, ein ehemaliger Lehrer der Musikschule, komponierte die Stücke und begleitet die Aufführungen auch auf der Orgel.

Eine zentrale Rolle soll in Ebnat-Kappel aber die Lichtsetzung übernehmen. Als Event-Raum ist das Dömli bereits mit einer grossen Lichtanlage ausgestattet, für den «Bettelmann» rüstet der Theaterverein aber noch auf. «Wir haben für die drei Aufzüge bewusst ein sehr schlichtes Bühnenbild gewählt, die wechselnden Stimmungen erschaffen wir vor allem mit dem Licht», erläutert Christian Heeb.

Auch fürs Auge viel zu bieten

An diesem Donnerstag ist davon freilich noch wenig zu sehen, die Umsetzungsarbeiten sind noch im vollen Gange. Aber bereits jetzt lässt sich erahnen: Der «Bettelmann» dürfte nicht nur für Gehirn und Gehör, sondern auch fürs Auge viel zu bieten haben.

«Der Bettelmann» wird vom Samstag, 31. Oktober, bis zum
Samstag, 14. November, im Dömli, Ebnat-Kappel, gezeigt. Weitere Informationen und Reservationen finden sich unter www.doemli.ch/events/der-bettelmann