Besuch im Hotspot der Biodiversität – das Försterbüro Nesslau vermittelt Wissen an Waldbesitzer

Das Försterbüro Nesslau lud zur Waldbegehung in Stein für Waldbesitzer. Eiben, Klimaschutz, Toggenburger Holz und weitere Fakten zur Waldregion 5.

Katharina Burri
Drucken
Teilen
Der Regionalförster Christof Gantner organisierte mit dem Försterbüro Nesslau die Waldbegehung.

Der Regionalförster Christof Gantner organisierte mit dem Försterbüro Nesslau die Waldbegehung.

Bild: Katharina Burri

60 Waldbesitzer und Waldeigentümer versammelten sich in Stein beim Parkplatz des ehemaligen Skiliftes. Sonnenstrahlen liessen den Wald leuchten und ebenso wie die Augen der verantwortlichen Förster der Waldregion 5. Diese erstreckt sich von Wildhaus, Alt St.Johann bis Nesslau. Samt bewaldeten Alpen und Felsen.

An fünf Posten vermittelten die Förster Einsichten und Wissen. Der Wald im Obertoggenburg mit seiner Vielseitigkeit, den Pflanzen, den Raufusshühnern oder seiner Bedeutung für den Klimaschutz, zieht alle Anwesenden in seinen Bann. Die Förster erzählen von der zeitgemässen Nutzung des geschlagenen Holzes, und erläutern die Arbeitssicherheit für alle, die im Holz schaffen.

Waldränder als natürliche Futterplätze

Details faszinierten. Denn wer hat gewusst, dass rund 66 Bäume jeder Person in der Schweiz quasi zur Verfügung stehen? Dass 900 Häuser im Jahr aus Toggenburger Holz gebaut werden könnten? Dass im Nesslauer Eibental noch diese uralten Bäume auf kargem Boden wachsen? Dass natürliche Waldränder Futterplätze für Gämsen und Hirsche sind und für den Bau der Wattwiler Markthalle auch vom Borkenkäfer befallenes Holz verwendet wurde, ohne die geringste Qualitätsverminderung? Dass man nur mit einem Waldarbeiterkurs zu einer Entlöhnung im Holz mitarbeiten darf? Denn das Wissen um die Gefahren rund um das Schlagen von Bäumen sollte abrufbar sein.

Beat Tinner, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes Kanton St.Gallen war gemeinsam mit anderen Behördenmitgliedern der Waldregion 5 zum Anlass eingeladen. In seiner Begrüssung vermerkte er, dass 70 Prozent des Waldanteils Privatwald seien, mit rund 3800 Waldbesitzenden. Kontaktpflege sei für den Kanton und sein Departement in dieser Region besonders wichtig. Tinner sagt:

«Um die Biodiversität im Wald steht es besser als in andern Lebensräumen – der Wald ist ein Hotspot der Biodiversität.»

Ausser Zweifel steht die intelligente Nutzung des Waldes. Das Forstbüro Nesslau nimmt bei Neubauten Kontakt auf und ermuntert die Bauherren, hiesiges Holz zu verwenden, erklärt Thomas Abderhalden an seinem Posten. Der Neubau des Pflegeheimes Ebnat-Kappel wird aus Toggenburger Holz sein, beim Bau des Klanghauses wird darauf gehofft. Holz, das vom Borkenkäfer befallen ist, kann bedenkenlos verbaut werden, es hat keine statische Nachteile, ausser einer leicht bläulichen Verfärbung, die durch die Jahre verblassen wird.

Reto Hürlimann zeigte auf Fichten: vom Borkenkäfer befallen, bereits verdorrt. Sie müssen nicht geschlagen werden, denn noch immer schützen sie den Boden vor Austrocknung. Allerdings gilt es, frisch befallenes Holz rasch ab zu transportieren. Diese Nutzung hilft, den Wald zu verändern. Nebst den Fichten sollen vermehrt Laubbäume Wurzeln schlagen.

Eins sei sicher, meinte ein Teilnehmer beim Imbiss nach dem Rundgang: «Nächste Woche melde ich mich beim zuständigen Förster und will mit ihm durch mein kleines Wäldchen gehen. Es soll von seiner Fachkompetenz profitieren und noch besser gedeihen.»