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Er zog ins Mosnanger Haus der Urgrossmutter: Für Martin Bürge ist die Beständigkeit ein Abenteuer

Der Landschaftsgärtner hat schon viel von der Welt gesehen. Nun kann er sich vorstellen, in Mosnang eine Farm aufzubauen. Er liebt die Natur und besonders die Tiere. Freudig berichtet er, wie eine Fledermaus durch sein Schlafzimmer flatterte.
Timon Kobelt

Manche Person würde zu Tode erschrecken, wenn eine Fledermaus durch ihr Schlafzimmer flatterte. Nicht so Martin Bürge. Kürzlich ist ihm dieses Erlebnis widerfahren und es ist mit ein Grund, weshalb es den 27-Jährigen aus einer WG in Wil nach Mosnang in das Haus zog, das zuletzt seine Urgrossmutter bewohnte.

Die nachkommenden Generationen haben es lediglich als Ferienhaus genutzt. «Meine Eltern haben zwar mal ein halbes Jahr hier gelebt. Doch als der Winter kam, haben sie den Rückzug angetreten», verrät Martin Bürge lachend.

Haus liegt abseits der Libingerstrasse

Das Haus liegt abseits der Libingerstrasse in der Nähe der Postautohaltestelle Dietenwil. Trotzdem ist man gut beraten, die Reise mit einem fahrbaren Untersatz anzutreten. Die nähere Umgebung ist von Wäldern und Hügeln gesäumt.

Für Aussenstehende mag es schwer nachvollziehbar sein, warum ein 27-Jähriger, der in der Stadt aufgewachsen ist und sozialisiert wurde, hier wohnen möchte.

Jungfüchse und Dachse lassen sich blicken

Doch für den gelernten Landschaftsgärtner kristallisierte sich die Option schon während seiner Kindheit heraus. «Ich liebe die Natur, vor allem die Tiere.» Von der Fledermaus, die in sein Schlafgemach eingedrungen ist, berichtet er mit einem freudigen Leuchten in den Augen.

Ebenfalls Freude hat Martin Bürge an den jungen Füchsen, die momentan gerne die heruntergefallenen Kirschen unter den umliegenden Kirschbäumen naschen. «Kürzlich ging ich an einem Abend nach dem Zähneputzen nochmals hinaus, um die Füchse zu beobachten. Stattdessen habe ich sechs Dachse gesehen, welche sich bei den Kirschen bedienten. Solche Dinge machen mich fröhlich», sagt er.

Martin Bürge hat das Haus vor allem nach der Fasnacht benutzt

Martin Bürges Vater Marcel hat das alte Haus innen über viele Jahre modernisiert. Sein Sohn hat dieses immer genutzt, um nach der Mosnanger Fasnacht seinen Wiler Kollegen eine Schlafgelegenheit zu bieten. Heute kann er sich sogar vorstellen, darin sesshaft zu werden.

Sesshaft passt eigentlich nicht zum Landschaftsgärtner, den es nie allzu lange an einem Ort gehalten hat. Mit 19 bereiste er während eines Monats Kamerun.

Studentenvisum verwehrte Arbeit in der Mine

Später zog es ihn für ein knappes Jahr nach Kanada, wo er als Landschaftsgärtner arbeitete. «Ich wohnte in einem Dorf zwischen Ottawa und Montreal, wobei das Dorf eigentlich aus einer einzigen Kreuzung mit einigen Häusern bestand.»

Martin Bürge wohnt seit kurzem in Mosnang in der Abgeschiedenheit. Ins einem Leben hat er schon auf der ganzen Welt spezielle Jobs gehabt. (Bild: Timon Kobelt)

Martin Bürge wohnt seit kurzem in Mosnang in der Abgeschiedenheit. Ins einem Leben hat er schon auf der ganzen Welt spezielle Jobs gehabt. (Bild: Timon Kobelt)

Schliesslich reiste der damals 25-Jährige im Herbst 2017 wiederum für fast ein Jahr nach Australien, wo er eigentlich in einer Mine arbeiten wollte. Da er jedoch nur ein Studentenvisum erhielt, ging er in eine Sprachschule und arbeitete nebenbei die maximal erlaubten 20 Stunden pro Woche. Einerseits half er auf einer Farm und andererseits beim Neubau einer U-Bahn-Station.

In Wattwil wurde das Interesse an fremden Kulturen geweckt

Das Studentenvisum erwies sich im Nachhinein als Segen, denn dank des Schulbesuchs habe er Englisch gelernt. «Andere hätten während der gleichen Zeitspanne wohl eine Doktorarbeit in Englisch verfasst. Doch für meine Verhältnisse habe ich die Sprache gut gelernt», sagt Martin Bürge.

In Kamerun habe es ihn noch gestört, dass sein Freund für ihn alles habe übersetzten müssen. «In Australien konnte ich mich dann mit Menschen aus den verschiedensten Ländern unterhalten, und zwar nicht nur über belanglose Dinge wie das Wetter, sondern über ihre Kultur.»

Schon während der Schulzeit im Wiler Lindenhofquartier sei er mit vielen Schülern mit ausländischen Wurzeln in Kontakt gekommen, was sein Interesse an fremden Kulturen geweckt habe.

Sowohl Dinge als auch Menschen zurückgelassen

Martin Bürge hat nie gezögert, seinen Eingebungen zu folgen. Für seine Auslandaufenthalte hat er sowohl Menschen als auch Dinge zurückgelassen und ist dabei Risiken eingegangen.

«Viele Menschen jammern, dass ihnen ihre Arbeit nicht gefällt und dass sie gerne etwas anderes machen würden. Doch sie tun es nicht.»

Er habe immer die Konsequenz gezogen und gekündigt, wenn er bei der Arbeit nicht mehr glücklich gewesen sei, sagt Martin Bürge. «Ich hatte die Gewissheit, dass ich auf dem Bau in der Schweiz ziemlich sicher wieder eine Arbeit finden werde, denn die Branche läuft sehr gut.»

Die Familie und die Kollegen halten zu ihm

Menschlich habe er immer auf ein gutes Umfeld zählen können. «Ich war mir immer sicher, dass meine Kollegen genau gleich zu mir halten werden, auch wenn ich mal ein Jahr weg bin.» Gleich sei es ihm mit seiner Familie gegangen.

Die Familie Bürge hat das Reise-Gen in ihren Adern. Martins Vater Marcel war lange Zeit im Ausland unterwegs und hat unter anderem auf einem Schiff gearbeitet. «Seine Geschichten haben mich sicher stark geprägt», sagt Martin.

Die Auswanderung ist hingegen kein Thema

Seine Schwester Bettina ist in die USA ausgewandert. Auswandern ist für Martin Bürge im Moment aber kein Thema. Dafür gefalle es ihm in der Schweiz zu sehr.

Dass es dem Landschaftsgärtner mit seinem Mosnanger Abenteuer durchaus ernst ist, zeigt die Tatsache, dass er unlängst auf dem Bau gekündigt hat, weil seine Arbeitszeiten ihm nicht erlaubten, sich ausreichend um das Haus zu kümmern. So viel Auslauf, wie er hier habe, nehme nun einmal Zeit in Anspruch.

Zwingt ihn der Winter zum Rückzug in die Stadt?

Zunächst stehen für Martin Bürge aber Fischerferien auf dem Programm. «Fischen ist eine grosse Leidenschaft von mir, die in jüngster Zeit viel zu kurz gekommen ist.»

Wann seine nächste waghalsige Reise auf dem Programm steht, weiss Martin Bürge nicht. Vielleicht sei sein nächstes Abenteuer, sich in der Mosnanger Idylle eine Hobbyfarm aufzubauen und beständig zu werden. Kein einfaches Unterfangen. Denn Unbeständigkeit war bisher steter Begleiter des jungen Abenteurers, der zunächst beweisen muss, dass ihn der erste Winter in Mosnang nicht zum Rückzug in die Stadt zwingt.

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