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Wissenschafter und Neugierige redeten über Jost Bürgi und sind sich einig: Er war ein Universalgenie

Zum dritten Mal beherrschte am Wochenende Jost Bürgis Andenken Lichtensteig. Während am Freitag Experten unter sich diskutierten, erlebte die Öffentlichkeit am Samstag eine kurze Geschichte der Zeitmessung.
Sascha Erni
Der Wattwiler Hans Büchler erzählte am Workshop von Jost Bürgi und seiner Zeit. (Bild: Sascha Erni)

Der Wattwiler Hans Büchler erzählte am Workshop von Jost Bürgi und seiner Zeit. (Bild: Sascha Erni)

Das diesjährige Jost-Bürgi-Symposium fand unter dem Motto «Von Bürgis Uhren zur Femtosekunde» statt. 40 Experten hatten sich für den Freitag angemeldet, um dem Toggenburger Universalgenie in einem geschlossenen Workshop eine «Rahmung» zu geben, wie es Peter Ullrich nannte. «Wir sind quasi das Kamingespräch vor der öffentlichen Veranstaltung», meinte der Mathematikprofessor in seiner Einleitung.

Mit dem Workshop sollte der historische Kontext besprochen werden – die Gründe also, weshalb der Lichtensteiger «Erfinder der Sekunde» zwischen 1552 und 1632 seine bahnbrechenden Methoden überhaupt entwickeln konnte.

Statt vom armen vom klugen Mann sprechen

Besonders eindrücklich zeigte dies Hans Büchlers Eröffnungsvortrag. Der Präsident der Jost-Bürgi-Stiftung führte aus, wie die besondere Situation des Toggenburgs als eine von nur zwei paritätischen Regionen der frühen Eidgenossenschaft Bürgi beeinflusst haben muss. «Die Vernunft der Toggenburger, sich nicht in religiöse Streitereien einzumischen, hat Bürgi geprägt», sagte er.

«Wir sprechen immer von Ueli Bräker als dem armen Mann im Tockenburg. Vielleicht sollte man stattdessen Jost Bürgi als den klugen Mann im Toggenburg bezeichnen.»

Im Anschluss stellte der Wissenschaftshistoriker Tilman Sauer den mathematischen Rahmen vor, in dem Bürgi wirkte. Und dank Michael Becks Vortrag beschäftigte sich der Workshop auch mit Bürgis handwerklichem Können. «Wenn ich so etwas sehe, dann freut mich das einfach», strahlte der deutsche Uhrmachermeister mit Blick auf ein Uhrwerk Bürgis, das er restaurieren durfte.

Mit Jost Bürgi die Zukunft gestalten

Am Tag darauf verschob sich die Konferenz in den Kronensaal; mehr als 60 Neugierige fanden sich zum öffentlichen Teil des Symposiums ein. Mathias Müller nutzte seine Ansprache für eine Ankündigung: Aus der Veranstaltung soll ein Zukunftsforum zum Wissensaustausch zwischen Innovatoren, Wissenschafterinnen und besonders auch Praktikern werden. «Wir möchten das Forum auf den Werten Bürgis aufbauen», betonte der Stadtpräsident. Denn als Universaltalent sei er durchaus mit Unternehmern wie Steve Jobs oder Larry Page vergleichbar. Es folgten die Vorträge.

Günther Oestmann von der Technischen Universität Berlin und der Dresdner Kunst- und Wissenschaftshistoriker Peter Plassmeyer erklärten die Uhren aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Peter Hürzeler wechselte in die Gegenwart und berichtete mit viel Humor aus der Praxis der Zeitmessung, denn als Mitglied des Verwaltungsrats der Swiss Timing LTD hat er mehrere Olympische Spiele begleitet. Zum Abschluss führte Beat Jeckelmann vom Eidgenössischen Institut für Metrologie aus, wie die Wissenschaft nach immer genauerer Zeitmessung strebt.

«Die heutigen Atomuhren sind noch nicht exakt genug», betont der Physiker. Jost Bürgis Erbe wird die Menschheit also noch eine lange Zeit beschäftigen.

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