Berliner Multitalent begeistert im frisch renovierten Saal des Kulturtreff Bräägg

Mit ihrem Soloprogramm «Claire alleene» verzauberte Judith Bach das Publikum im vollbesetzten Saal im Kulturtreff Bräägg.

Peter Jenni
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Für Clair alias Judith Bach ist jede Sitzgelegenheit willkommen.

Für Clair alias Judith Bach ist jede Sitzgelegenheit willkommen.

Bild: Peter Jenni (Bazenheid, 23. Oktober 2020)

Bevor Judith Johanna Bach das Publikum im Bräägg mit einer eineinhalbstündigen Supershow verzaubern konnte, hatte Esther Burkhalter, Kulturministerin des Kulturtreffs, ihren Auftritt. Im schönen, neu renovierten Saal in der ehemaligen «Wirtschaft zur Traube» im Weiler Bräägg in Bazenheid, hiess sie das Publikum begeistert willkommen.

Mit Begeisterung deshalb, weil der Saal praktisch vollbesetzt war, dies selbstverständlich unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen. Freudig erzählte sie vom Kennenlernen des Berliner Multitalents und deren spontanen Zusage, nach Bazenheid zu kommen. Bevor sie die Bühne für «Claire alleene» freigab, gratulierte sie dem Ehepaar und Sponsor Ruth und Marcel Wolgensinger mit einer Überraschung zum 49. Hochzeitstag, den die beiden gleichentags feiern konnten. Zudem hiess sie Martin Sailer vom Kleintheater Zeltainer speziell willkommen.

Zu nichts zu gebrauchen …!

Dann aber war für Clair, «die Kleene mit de kurze Beene», die Zeit gekommen, um mit ihrem philosophischen Chanson-Kabarett unter dem Titel «Aus lauter Lebenslust» so richtig Gas zu geben. Die 1983 in Berlin Geborene, «die ihre Kindheit zwischen Kuh und Kirche bei Köln verbracht habe», tat das denn auch. Mit Singen zum Klavierspiel, wobei auch Mozart eine Rolle bekam, sowie Tanzeinlagen in allen Variationen und vielen Fragen nach dem Sinn oder Unsinn des Lebens.

Hauptperson in ihren einmal zart und dann wieder provokativ formulierten Recherchen in ihrem Lebenslauf ist ihre kleine, jedoch clevere Grossmutter, deren Namen Franziska ihr zu lang erschien, weshalb sie sich Fritz nennt. Die Rolle mit eigenen Liedern und Bewegungen hat sich «Alleene die Kleene» persönlich auf den Leib geschrieben. Auch dass sie als Teenie «zu nichts zu gebrauchen, aber zu allem fähig» gewesen sei, verheimlichte sie nicht.

Den Mann nur wegen Fritz erfunden

«Man kann sich drehen und winden, aber der Hintern bleibt immer hinten.» Eigentlich war alles, was auf der Bühne passierte, zum Lachen, aber nur deshalb, weil auch Ernstes meist einen lustigen Abschluss fand. Auf die tiefsinnig vorgetragene Aussage «ich weiss ganz genau, was ick brauche», folgte die spontan Antwort «einen Mixer». Mit dem lieben Gott und Fritz habe sie Verstecken gespielt – «er (der liebe Gott) hat immer gewonnen».

Judith Bach hat auf alles eine spontane Antwort parat. Für den heutigen Auftritt sei sie mit dem Auto nach Bazenheid gekommen – «ihr Schweizer blitzt so gerne» – stellte sie dazu verschmitzt fest. Liebe sei, wenn man aussehe wie ein Kartoffelsack, und angeschaut werde wie eine heisse Fritte. Das Liebeslied der Berlinerin mit einem Schweizer Matrosen aus Bazenheid, wofür sie sogar Dialekt und er Hochdeutsch sprach, endete mit: «Den Herbert habe ich nur wegen Fritz erfunden.»

Verabschiedet wurde die Künstlerin, die schon mit acht Jahren gewusst habe, dass sie Schauspielerin werden wollte, unter tosendem Applaus von Esther Burkhalter, mit Bananenbrot und Honig.