Interview
Bergrennen Hemberg: «Hätten wir mit der Absage zugewartet, wäre der Schaden höher»

OK-Präsident Christian Schmid steht hinter dem Beschluss, das Bergrennen Hemberg 2020 abgesagt zu haben. Dennoch: Der Entscheid fiel schwer.

Urs M. Hemm
Merken
Drucken
Teilen
In diesem Jahr müssen die Zuschauer wegen der Coronakrise auf spektakuläre Rennen in Hemberg verzichten.

In diesem Jahr müssen die Zuschauer wegen der Coronakrise auf spektakuläre Rennen in Hemberg verzichten.

Bild: Michel Canonica

Die Absage des Bergrennens Hemberg wegen der Coronakrise (diese Zeitung berichtete) war für OK-Präsident Christian Schmid ein bitterer, aber notwendiger Entscheid, um den finanziellen Schaden in Grenzen zu halten. Die Auswirkungen für künftige Austragungen des Bergrennens sind noch unklar.

Wie schwer fiel Ihnen die Entscheidung, das Bergrennen 2020 abzusagen?

Christian Schmid: Wir haben uns damit sehr schwergetan. Wir wollten zuerst noch abwarten, um zu sehen, ob es noch eine Chance gibt und haben den Entscheid so lange wie möglich hinausgezögert. Durch die Weisungen des Bundesrates blieb uns aber jetzt keine Wahl.

Was gab letztlich den Ausschlag?

Christian Schmid, OK-Präsident Bergrennen Hemberg.

Christian Schmid, OK-Präsident Bergrennen Hemberg.

Wegen der ausserordentlichen Situation sind viele OK-Mitglieder anderweitig – sei es in der Familie oder im Geschäft – sehr engagiert, so dass das Bergrennen keine Priorität hatte. Auch wenn eine Durchführung noch möglich gewesen wäre, hätten wir vermutlich mit personellen Engpässen zu kämpfen gehabt. Denn kein Arbeitgeber hätte so kurz nach einer Krise Ferien für das Bergrennen genehmigt. Auch das Finden von Sponsoren wäre unter den gegebenen Umständen sehr schwierig geworden, so dass wir jetzt die Notbremse gezogen haben.

Gelten denn diese Sponsorenverträge jeweils nur für eine Austragung des Rennens oder auch noch für das kommende Jahr?

Diese Verträge sind immer nur für ein Jahr gültig. Das heisst, dass wir im kommenden Jahr wieder auf der grünen Wiese, also bei null, beginnen müssen.

Wie weit waren die Vorbereitungen bereits fortgeschritten?

Wir bewegten uns mit den Vorbereitungen im normalen Zeitrahmen, waren also dort, wo wir im März, April eigentlich immer stehen müssen. Beim Sponsoring hätte es noch einmal einen Endspurt gebraucht, aber das war bisher in jedem Jahr so.

Schmerzlich ist, dass wir in diesem Jahr erstmals einen Lauf der deutschen Bergrennserie zu Gast gehabt hätten, was im internationalen Vergleich eine Aufwertung des Bergrennens Hemberg bedeutet hätte.

Wir hoffen aber, dass sie dafür im nächsten Jahr zu uns nach Hemberg kommen und bei uns fahren werden.

Wie gross schätzen Sie den finanziellen Schaden durch die Absage?

Ich schätze, dass wir bisher rund 20000 Franken ausgegeben haben. Das entspricht in etwa dem Polster, das wir uns in den vergangenen Jahren erarbeiten konnten. Vielleicht profitieren auch wir vom Entschädigungstopf von Swissolympic, wo wir angegliedert sind. Ansonsten wird uns dieser Betrag im nächsten Jahr schmerzlich fehlen.

Hätte ein früherer Entscheid den Schaden minimiert?

Nein. Dieses Geld haben wir schon vor der Coronakrise gebraucht. Hätten wir aber mit der Absage noch zugewartet, wären die Kosten schnell in die Höhe geschossen und der Schaden entsprechend höher.

Wird der Ausfall dieses Rennes die Vorbereitungen für die Austragung 2021 beeinflussen?

Einerseits wird sicherlich die Finanzierung eine Herausforderung sein. Andererseits gibt uns diese Zwangspause die Möglichkeit durchzuatmen und wieder neue Energie zu tanken. Mir persönlich tut die Situation natürlich sehr weh, aber vielleicht ist es für das ganze System positiv. Insofern schaue ich zuversichtlich nach vorne und freue mich aufs Bergrennen 2021.