«Damit sie helfen können, nehmen manche sogar ihre Ferien»: Wie das Bergrennen Hemberg dank zahlreicher Helfer gelingt

Damit ein Anlass wie das Bergrennen Hemberg stattfinden kann, braucht es den Einsatz von Helfer. Oft arbeiten sie unbemerkt von Besuchern und Fahrern, sind aber für die Durchführung unverzichtbar.

Urs M. Hemm
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Damit jedes Fahrzeug zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist, sind die Mitarbeiter des Ressorts Fahrerlager verantwortlich. Sie dirigieren unter anderem die Fahrer an den Start. (Bild: Bergrennen Hemberg 2018)

Damit jedes Fahrzeug zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist, sind die Mitarbeiter des Ressorts Fahrerlager verantwortlich. Sie dirigieren unter anderem die Fahrer an den Start. (Bild: Bergrennen Hemberg 2018)

Wenn am kommenden Wochenende die Rennautos am Bergrennen Hemberg über die Rennstrecke brettern, sind die Erwartungen der Zuschauer hoch: Der Rennbetrieb muss reibungslos funktionieren und die Bratwurst am Stand muss heiss sein, das Brot frisch. Zurecht erwartet der Besucher dazu ein gekühltes Getränk und in der Nähe einen Abfallkübel, um später Wurstpapier und Becher entsorgen zu können – jederzeit saubere Toiletten auf dem Gelände sind eine Selbstverständlichkeit.

Dass es, um all dies gewährleisten zu können der Hilfe Hunderter von Helferinnen und Helfern bedarf, ist vielen jedoch nicht immer bewusst. «Damit das System Bergrennen perfekt läuft, braucht es Tausende von Arbeitsstunden und vor allem eine gute Planung», sagt OK-Präsident Christian Schmid. Dabei kann sich Christian Schmid auf erfahrene Ressortleiter verlassen, welche den Überblick über die Fülle der ihnen anvertrauten Aufgaben nie verlieren dürfen. «Dies umso mehr, als sich die Ressorts nicht immer klar abgrenzen lassen und Vieles ineinander fliesst», sagt Christian Schmid.

Sicherheit und Verkehr

Gute Laune und Spass an der Arbeit zeichnet die Helfer aus. (Bild: Bergrennen Hemberg 2018)

Gute Laune und Spass an der Arbeit zeichnet die Helfer aus. (Bild: Bergrennen Hemberg 2018)

Alleine in diesem Bereich sind diverse professionelle Organisationen engagiert, deren Mitarbeiter sich gerne für diesen Einsatz melden. Dazu gehören:

  • 25 Verkehrskadetten
  • 8 Kantonspolizisten
  • Der Rettungsdienst St.Gallen mit fünf Rettungssanitätern und einem Notarzt
  • Für die Verkehrsbetriebe der Stadt St.Gallen sind zwölf Fahrer im Einsatz
  • Ein Security-Dienst sorgt mit zwölf Personen für die Sicherheit am Dorffest
  • Der örtliche Samariterverein ist mit ebenfalls mit zwölf Personen in Bereitschaft

Ergänzt wird dieses Aufgebot mit einer Shuttlebusflotte von etwa 23 Fahrzeugen. Die Einsatzzentrale ist ab Freitag rund um die Uhr besetzt. Im Turnus überwachen vier Person unter anderem ständig die Wetterlage und bearbeiten sämtliche Anfragen – sei es intern, extern aus der Bevölkerung oder von der Presse, wie beispielsweise beim Unfall des britischen Fernsehstars Richard Hammond.

Gastronomie

Neben den Restaurants in Hemberg, Bächli und St.Peterzell gibt es über das ganze Gelände verteilt elf Essensstände. Die meisten von diesen werden von hiesigen Vereinen, die restlichen von externen Anbietern betrieben. Neben den rund 150 Helfern an diesen Ständen selbst, sind sechs Kräfte damit beschäftigt, nachts die sieben Kühllastwagen mit Nachschub für den nächsten Tag zu versorgen. «Dies erfordert eine minutiöse Planung, damit die Einhaltung der Kühlkette jederzeit gewährleisten ist», sagt Christian Schmid. Im Jahr 2018 wurden beispielsweise 4500 Liter Bier und 3500 Liter Süssgetränke ausgeschenkt. Ausserdem gingen über die Theke: 

  • 2500 Bratwürste
  • 750 Cervelats
  • 1200 Schnitzelbrote, Grillspiesse, Steaks und Hamburger
  • 250 Kilogramm Pommes Frites 

Infrastruktur/Bau

Für den Aufbau des Funknetzes ist eine externe Firma zuständig. (Bild: Bergrennen Hemberg 2018)

Für den Aufbau des Funknetzes ist eine externe Firma zuständig. (Bild: Bergrennen Hemberg 2018)

Mit dem Aufbau wurde bereits am vergangenen Donnerstag begonnen und sollte bis heute Mittwoch grösstenteils abgeschlossen sein. Zu den Arbeiten gehören insbesondere die Sicherung der Rennstrecke mit Leitplanken, die Bereitstellung des Parkplatzes in der Mistelegg und anderer Parkzonen sowie das Anbringen der Signalisation und Verkehrsführung gemäss dem Konzept der Kantonspolizei St.Gallen. Dazu kommen die Installation der gesamten Stromversorgung und der Tontechnik. «Insgesamt werden rund zehn Kilometer Kabel über das ganze Gelände verteilt verlegt», sagt Christian Schmid. Zum Kernteam Bau gehören zehn bis zwölf Helfer.

«Diese Helfer sind von Anfang an mit dabei und nehmen jeweils sogar extra Ferien, damit sie am Bergrennen helfen können.»

Zu diesem Kernteam kommen 20 Zivilschützer, fünf Helfer mit Flüchtlingsstatus, die tatkräftig mithelfen, und rund 20 bis 30 Angestellte externer Firmen, die beispielsweise das Funknetz zwischen Wattwil und Schönengrund-Wald für etwa 120 Geräte aufbauen. «Ein Pikett-Bautrupp kümmert sich auch um Arbeiten während des Rennens, so sind sie bei einem Unfall für die Reinigung und Instandstellung der Strecke nach einem Unfall verantwortlich», erläutert OK-Präsident Schmid.

Rennbetrieb

Die Helfer im Ressort Rennbetrieb sind vor allem am Samstag und Sonntag im Einsatz . Neben dem Rennleiter und seinem Stellvertreter sind ständig 50 lizenzierte Streckenposten an der Rennstrecke, die speziell für das Löschen von Feuern und die Bergung von Personen ausgebildet sind. Dazu sind ständig ein Notarzt und zwei Bergungsspezialisten in Bereitschaft. Für den Notfall müssen immer zwei Ambulanzen vor Ort sein − die Rega wird bei Bedarf alarmiert. Für die Bergung verunfallter Fahrzeuge ist die Autohilfe Toggenburg zuständig, die mit zwei Fahrzeugen und fünf Personen auf Platz ist.

Die Streckenposten zeigen mit der gelben Flagge den Fahrern nötigenfalls Gefahren an. (Bild: Bergrennen Hemberg 2018)

Die Streckenposten zeigen mit der gelben Flagge den Fahrern nötigenfalls Gefahren an. (Bild: Bergrennen Hemberg 2018) 

Fahrerlager

Diesem Bereich kommt bereits im Vorfeld des Anlasses eine grosse Bedeutung zu. Die Hauptaufgabe besteht dann vor allem darin, die 240 Fahrer mit ihren rund 750 Fahrzeugen – oft kommen die Fahrer mit Wohnmobil, Anhänger und Rennwagen − in Hemberg, Bächli und St.Peterzell unterzubringen. Während des Rennbetriebs haben die rund 20 Helfer dafür zu sorgen, dass immer das richtige Rennfeld, mit den entsprechenden Fahrern, rechtzeitig von ihrer Unterkunft zum Start kommen. «Das bedingt eine genaue Vorausplanung sowie eine minutiöse Koordination mit dem Rennbetrieb. Denn diese Fahrer müssen entweder über die Rennstrecke oder dann über St.Peterzell und Bächli zum Start geleitet werden», sagt Christian Schmid.

Helfer/Entsorgung

Die Helfersuche bereits schon Wochen vor dem Rennen und deren Einteilung sind hier wichtige Aufgaben. Zudem müssen in der Region rund 100 Betten für die Helfer organisiert werden, die nicht nach Hause fahren können. In den Verantwortungsbereich dieses Ressorts fällt zudem die Verpflegung der Helfer – sei es mit Lunchpaketen oder an den Verpflegungsständen im Gelände. Insgesamt muss täglich für rund 400 Mahlzeiten gesorgt werden. Nicht nur das Essen der Helfer, sondern auch der vielen Besucher verursacht Abfall. Deshalb sind 12 Helfer für die tägliche Reinigung der aller Toiletten, dem regelmässigen leeren der Abfallkübel sowie für die allgemeine Sauberkeit auf dem Gelände verantwortlich. «Am Montagmorgen nach dem Rennwochenende reinigen jeweils zwei Schulkassen aus St.Peterzell das Dorf und das ganze Gelände. Dabei sammeln sie für einen Beitrag in die Klassenkasse jeden Becher, jedes Fätzli Papier und jeden Zigarettenstummel ein», sagt Christian Schmid.

Finanzen

Das Finanzressort kümmert sich während der beiden Renntage um die Versorgung der verschiedenen Kassen mit Bar- und wenn nötig mit Wechselgeld. Dafür sind acht Helfer im Gelände im Einsatz. Die Hauptarbeit dieses Ressorts liegt jedoch vor und nach dem Rennwochenende, wenn es darum geht, die Abrechnung zu erstellen.

Sponsoring, Medien/Werbung/Kommunikation

Die Ressorts Sponsoring sowie Medien/Werbung/Kommunikation sind mit sechs Personen besetzt und arbeiten hauptsächlich während des Jahres. Christian Schmid sagt: 

«Ohne die Unterstützung der Einheimischen, die während mehrerer Tage ihre Häuser, Garagen, Gärten und Vorplätze zur Verfügung stellen, wäre das Bergrennen Hemberg undenkbar.»

Deren Zahl lasse sich aber kaum beziffern, da oft ganze Familien betroffen seien. Viele davon würden sich zudem als freiwillige Helfer zur Verfügung stellen. «Das OK weiss, wie viel die Arbeit aller Helfer zum Gelingen beiträgt und kann das gar nicht hoch genug würdigen», sagt Christian Schmid und hofft, dass auch sie ein spannendes Wochenende erleben werden. «Auch, wenn manche Helfer wegen ihrer Aufgabe noch nie einen Rennwagen auf der Rennstrecke gesehen haben.»

Fahrer werden am Bergrennen Hemberg zu Touristen

Zum achten Mal findet im Sommer 2019 das Bergrennen Hemberg statt. Die Veranstaltung ist bei den Fahrern beliebt, einige reisen mehrere Tage im Voraus an. Für sie kreiert der Verkehrsverein Hemberg ein spezielles Angebot.