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Berater für Gesundheitsfragen kritisiert heutiges Gesundheitswesen deutlich

Urs Zanoni warb vor dem Förderverein Regionalspital Toggenburg in Wattwil für eine bessere Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen. Grosses Lob spendete er dem Modell der Gemeinde, das diese als Alternative zur Schliessung des Spitals Wattwil entwickelt hat. Die Vereinsmitglieder bestätigten den Vorstand für eine weitere zweijährige Amtsperiode.
Martin Knoepfel
Diskussion zwischen Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner (links) und Urs Zanoni zwischen der Mitgliederversammlung und dem Apéro. (Bild: Martin Knoepfel)

Diskussion zwischen Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner (links) und Urs Zanoni zwischen der Mitgliederversammlung und dem Apéro. (Bild: Martin Knoepfel)

Urs Zanoni hat 15 Jahre beim «Beobachter» über Gesundheitsfragen geschrieben. Heute ist er Berater für Gesundheitsprojekte und Geschäftsführer des Schweizer Forums für integrierte Versorgung.

Er war Gastreferent an der Hauptversammlung des Fördervereins Regionalspital Toggenburg am Donnerstagabend in Wattwil und er ist sicher, dass die Bevölkerung die Schliessung von Spitalstandorten verhindert. Der Inhalt der Gesundheitsstandorte wandle sich allerdings, sagte er.

«Gesundheitswesen nicht zukunftsfähig»

Er hoffe, dass das Gesundheitswesen künftig den Menschen als Ganzes sehe, sagte Urs Zanoni. So seien die regionalen Unterschiede in der Zahl der Operationen medizinisch nicht erklärbar. Das heutige Gesundheitswesen sei nicht zukunftsfähig, denn es sei auf Unfälle und auf die Ärzte ausgerichtet, während der Anteil der Chronischkranken steige.

Die integrative, koordinierte oder vernetzte Versorgung wolle die geplante Zusammenarbeit der Versorgungspartner. Behandlung und Betreuung müssten eine interprofessionelle Teamleistung werden. Die Erfahrung der Kranken müssten stärker einbezogen werden.

Ziel ist geringere Steigerung der Kosten

Das Ziel seien unter anderem weniger Überversorgung, ein tieferes Kostenwachstum und mehr Sicherheit für die Patienten. Die Ärzte sollten sich auf die Diagnose konzentrieren. Die Behandlung solle möglichst wohnortnah oder zu Hause erfolgen.

Zukunftsmodelle sind für Urs Zanoni unter anderem erweiterte Ärztenetzwerke – St. Gallen sei ein Pionierkanton – und Gesundheitszentren wie im Unterengadin oder – erst geplant – im Simmental und Saanenland. Ein Kernproblem sei, dass heute die Koordinationstätigkeit nicht bezahlt sei.

Zuversichtlich für den Experimentier-Artikel

Urs Zanoni glaubt auch, dass ein neuer Artikel, der Experimente im Gesundheitswesen ermöglicht, ins Krankenversicherungsgesetz aufgenommen wird. Die Gemeinde Wattwil will diesen Artikel offenbar für die im März vorgestellte integrierte Gesundheitsversorgung nutzen. Für das Modell der Gemeinde gab es viel Lob seitens des Referenten.

In der Diskussion erntete Urs Zanoni Zustimmung wie Kritik. Ein niedergelassener Arzt sagte, der Referent habe keine Ahnung, wie die Ärzte im Toggenburg arbeiteten. Seit jeher bezögen die Ärzte andere Fachleute, zum Beispiel Physiotherapeuten, in die Behandlung ein. Auch eine Votantin betonte, dass die Vernetzung der verschiedenen Partner im Toggenburg klappe.

Kritik am Umgang mit Volksrechten

Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner resümierte im Jahresbericht die Ereignisse rund um das Spital Wattwil. Dabei hielt er mit Kritik am Kanton nicht zurück.

Vorstand des Fördervereins wiedergewählt

Die statutarischen Geschäfte an der Mitgliederversammlung des Fördervereins Regionalspital Toggenburg Wattwil gaben keinen Anlass zu Kontroversen. Die mehr als 60 am Donnerstagabend im Thurpark in Wattwil anwesenden Mitglieder des Vereins hiessen den Jahresbericht des Präsidenten und die Jahresrechnung einstimmig gut.

Die Jahresrechnung schliesst bei Einnahmen von 16618 Franken und Ausgaben von 19378 Franken mit einem Defizit ab. Wegen der Ereignisse rund um das Spital und dank der Petition habe der Verein 94 neue Mitglieder gewonnen und einige Spenden erhalten, sagte Alois Gunzenreiner. Der Mitgliederbeitrag bleibt unverändert bei 20 Franken pro Einzelmitglied und 30 Franken bei Ehepaaren.

Ferner bestätigten die Versammlung die Kontrollstelle und alle wieder kandidierenden bisherigen Vorstandsmitglieder für eine zweijährige Amtsperiode. Es handelt sich um Alois Gunzenreiner (Präsident), Norbert Stieger (Vizepräsident), Nicole Forrer, Markus Haag, Christian Hildebrand, Bruno Strub und Christoph Thurnherr. Die Vertreter der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg im Vorstand des Fördervereins Regionalspital Toggenburg Wattwil haben den Rücktritt eingereicht. (mkn)

So habe man die 6000 Unterschriften der Petition per Post nach St. Gallen geschickt, weil eine andere Form der Übergabe die Verwaltung möglicherweise verstimmt hätte. Eine Petition sei immerhin ein Volksrecht, sagte er.

Weiter wies der Gemeindepräsident darauf hin, dass eine unabhängige Trägerschaft fürs Spital Wattwil nur für St. Gallen neu sei, nicht aber für die Schweiz. In anderen Kantonen gebe es das. Die Prüfung der Vorschläge, mit denen die Gemeinde den Spitalstandort erhalten will, habe bisher keine Resultate gebracht.

Spitalkommission positiv zu Wattwil

Kantonsrat Andreas Widmer (CVP, Mühlrüti) wies darauf hin, dass für die kantonsrätliche Spitalkommission der Standort Wattwil seine Berechtigung habe. Am Angebot müsse man noch feilen.

Kantonsrat Christoph Thurnherr (SP, Ulisbach) sagte, der Gemeinderat habe unglaublich viel für den Erhalt des Spitals gearbeitet. Christoph Thurnherr ist ebenso wie Alois Gunzenreiner überzeugt, dass der Verwaltungsrat der Spitalverbunde durchzieht, was seit 2018 beabsichtigt ist.

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