Belastungstest mit 1807 Kilogramm auf dem Ganggelisteg zwischen Bütschwil und Ganterschwil

Für einen Belastungsversuch auf dem 1964 gebauten Ganggelisteg wurden letzte Woche Freiwillige gesucht. Am Dienstag fand der Test mit 25 Teilnehmern statt.

Michael Hehli
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Zum Belastungsversuch kamen 24 Menschen und ein Hund. (Bild: Michael Hehli)

Zum Belastungsversuch kamen 24 Menschen und ein Hund. (Bild: Michael Hehli)

Die Suche nach Freiwilligen für einen Belastungsversuch auf dem Ganggelisteg zwischen Ganterschwil und Bütschwil bekam unerwartet viel Aufmerksamkeit. Das «Toggenburger Tagblatt», «FM1Today» und «20 Minuten» berichteten darüber. Der Test ist Teil der Bachelorarbeit von Stefan Fässler, welcher momentan Bauingenieurwissenschaften an der Hochschule für Technik in Rapperswil (HSR) studiert.

Für seine Abschlussarbeit untersucht er, was für Arbeiten an der Brücke notwendig sind, damit sie weitere 25 Jahre benutzt werden kann. «Einfach gesagt prüfe ich, ob sich Erhaltungsmassnahmen lohnen oder ob sogar eine neue Brücke Sinn macht. Dafür machen wir verschiedene Zustandsuntersuchungen und einen Belastungsversuch», fasst Fässler zusammen.

Auf 50 bis 100 Jahre Nutzung ausgelegt

Daraus wäre ohne die Unterstützung der Gemeinde nichts geworden. Ohne deren Auftrag wäre es Fässler untersagt gewesen, Tests durchzuführen. So konnten aber beide Seiten profitieren: Die Gemeinde erhält ein Gutachten und Fässler kann seine Bachelorarbeit über ein Thema schreiben, welches ihn interessiert.

Der Ganggelisteg wurde 1964 eingeweiht und ist folglich 55 Jahre alt. Beim Bau half das Militär mit, die Kosten mitsamt Einweihungsfeier betrugen 80'000 Franken. 1993 wurde die Korrosionsschutzbeschichtung erneuert. Laut Fässler sind Bauwerke wie der Ganggelisteg auf 50 bis 100 Jahre Nutzung ausgelegt. Er fügt hinzu: «Nach 50 Jahren muss man sicher schauen, wie es mit der Restnutzungsdauer aussieht und welche Instandhaltungsmassnahmen nötig sind, damit man sie auch 100 Jahre lang brauchen kann. Derartige Bauwerke müssen fortlaufend gewartet werden, zumindest Korrosionsschutz ist ein Thema.»

25 Freiwillige folgten dem Aufruf

Dem Aufruf kamen schliesslich 24 Menschen und der Dalmatiner Tyson nach. Alle zusammen brachten 1807 Kilogramm auf die Waage. Ohne diese Freiwilligen wären die Messungen viel schwieriger und zeitintensiver gewesen. Um dasselbe Gewicht zur Brücke zu transportieren, hätte er drei bis vier Fahrten mit dem Auto benötigt, rechnet Fässler vor. Das Platzieren dieser Last wäre auch viel aufwändiger geworden, die Brücke wäre viel länger unpassierbar gewesen. Zudem konnten so auch gleich die Schwingungen und Kräfte gemessen werden, welche eine Personengruppe beim Überqueren der Brücke verursacht.

Am Dienstagmorgen um 10 Uhr begrüsste Fässler die Anwesenden und beruhigte sie sogleich: Die Brücke sei pro Laufmeter auf 100 Kilogramm Belastung ausgelegt. Das Traglastniveau werde folglich bei weitem nicht erreicht werden.

Durchbiegung entspricht Berechnungen

Jeder Person wurde daraufhin eine Nummer zugeteilt. Auf diesen Zettel wurden dann die jeweiligen Körpergewichte geschrieben. Diese Angaben blieben anonym; so fühlte sich niemand gezwungen, sie zu schönen. Daraufhin stellten sich die Teilnehmer auf die Brücke, welche, wie versprochen, der Belastung standhielt.

Bei den Messungen wurde Fässler von seinem Dozenten Felix Wenk, dem Leiter des Studienganges Bauingenieurwesen und Daniela Meier, einer Projektmitarbeiterin am Institut für Bau und Umwelt der HSR, unterstützt. Genaue Ergebnisse kann Fässler noch nicht angeben, die grösste gemessene Durchbiegung von 26,5 Zentimetern entspricht aber seinen Berechnungen.

Eine halbe Stunde nach Beginn war der Test schon vorbei. Fässler bemerkte zufrieden: «30 Minuten, wie prognostiziert.» Die Teilnehmer wurden derweil mit Muffins entlöhnt.

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